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– Innovative Notbremssysteme –

Kreuzungs- und Abbiegeassistenten (2017)

Der Nutzen von Notbremsassistenten als zweitwichtigstes Fahrerassistenzsystem nach ESP wurde bereits durch mehrere Studien belegt. Die Ausstattungsquote bei Neuwagen steigt rapide an, nicht zuletzt weil auch in der Euro NCAP-Sternevergabe ein gut funktionierendes Notbremssystem wertvolle Punkte liefert.

In der Regel werden aber nur Gefahrensituationen wie Auffahrunfälle im Längsverkehr oder Fußgänger im Straßenraum (auch querend) von Notbremsassistenten entschärft. Ganz neu und somit eine positive Weiterentwicklung ist die zusätzliche Erkennung von Gefahren im Kreuzungsbereich. Hier werden Unfallarten adressiert, die zusammen mit über einem Drittel aller Unfälle die häufigste Unfallsituation in Deutschland darstellen.

Was diese neue Technik kann, in welchen Fahrzeugen sie erhältlich ist und wie der ADAC schon heute die Grundlage für künftige Testverfahren setzt, ist die Fragestellung in dieser Untersuchung.

Es werden die Funktionen der Assistenzsysteme des Audi A4, Volvo V90 und der Mercedes E-Klasse so, wie sie vom Hersteller beschrieben sind, untersucht. Wohingegen Mercedes beispielsweise querende Fahrzeuge erkennt und somit im Kreuzungsverkehr getestet wird, verhindern Volvo und Audi das Abbiegen in den Gegenverkehr.

 

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Die Testparameter – wie z.B. die Geschwindigkeiten – werden der Leistungsfähigkeit der Systeme angepasst. In einem weitergehenden Test werden die bekannten Systemgrenzen bewusst überschritten, um die Grenzen moderner Notbremsassistenten aufzeigen zu können. 

Ganz klar: Notbremsassistenten sollen ein Sicherheitsplus darstellen für den Fall, dass er eine Verkehrssituation ungenügend erfasst oder nicht richtig einschätzt. Sie sind nicht dazu da, Automatisierungsfunktionen zu übernehmen.


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Für die Versuche kommt erstmals ein sogenanntes 3D-Softcrash-Target zum Einsatz, mit welchem unterschiedliche Crash-Konstellationen (Gegenverkehr, Kreuzungsbereich, …) abgeprüft werden können. Es besteht aus einer flachen, elektrisch angetriebenen, überfahrbaren Plattform, die GPS-geführt zentimetergenau dem gewünschten Kurs folgt, der über einen Computer vorgegeben wird.


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Plattform und Target ergeben zusammen sowohl optisch als auch hinsichtlich Rückstrahlmuster für die Sensorik ein realistisches Abbild wieder. Die sogenannte Target-Reflektivität ist besonders für radarbasierte Notbremsassistenten von großer Bedeutung und wird durch aufwändige Validierungsverfahren sichergestellt.

Die ausgewählten Fahrzeuge stellen als Maßstab den aktuellen Benchmark dar. Auswahlkriterien waren die wenigen Systeme, die aktuell verfügbar sind. Da die Notbremsassistenten auf unterschiedlichen Ebenen wirken, sollen nachfolgend die Funktionsweisen näher erläutert werden:


  • Audi Turn-Assist

    Audi hat lobenswerter Weise den Notbremsassistent serienmäßig verbaut, das sogenannte „Pre Sense City Paket“ erkennt mittels Frontkamera Fahrzeuge und Fußgänger bis 85 km/h und leitet bei Bedarf eine Vollbremsung ein. Für den Abbiegeassistent zusätzlich erforderlich ist jedoch auch der Radarsensor, der erst ab dem „Assistenzpaket Tour“ verbaut wird (Aufpreis 1.640 €). Im Paket enthalten sind dafür weitere nützliche Sicherheitsfunktionen wie z.B. der Ausweichassistent, ACC und Fernlichtassistent.


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    Voraussetzung für die Systemaktivierung ist die Betätigung des Blinkers, darüber hinaus benötigt der Notbremsassistent ein entsprechend natürliches Umfeld (Spurmarkierungen, Verkehrsschilder, parkende Fahrzeuge, etc.) um die Fahrzeuge den jeweiligen Fahrspuren zuordnen zu können. 

    Die Philosophie dahinter: Ein Notbremseingriff erfolgt immer nur innerhalb der eigenen Fahrspur, um kritische Fehleingriffe im Gegenverkehr zu vermeiden. Mit einbezogen werden demnach die Radarsensoren, um den Gegenverkehr abzutasten, sowie die Monokamera in der Windschutzscheibe, um die Fahrzeuge den jeweiligen Fahrspuren zuordnen zu können. Über 10 km/h schaltet der Notbremsassistent ab, adressiert werden also nur Situationen, in denen der Fahrer gerade anfahren möchte oder sehr langsam rollend in den Gegenverkehr einbiegt. Die Geschwindigkeit des entgegenkommenden Verkehres ist dagegen kaum limitiert.


  • Volvo IntelliSafe
    Volvo bietet einen Notbremsassistenten mit Kreuzungsfunktion an. Wie bei Audi wird der entgegenkommende Verkehr überwacht. Der Assistent regiert laut Hersteller sowohl auf Autos als auch auf Fußgänger und Radfahrer. 
    Sehr lobenswert: Als einziger Hersteller bietet er das sogenannte „IntelliSafe“-Paket inkl. Querverkehrserkennung serienmäßig an. Im Paket mit enthalten ist zusätzlich der Abstandsregeltempomat (Pilot Assist) sowie ein Lenkassistent und die Verkehrszeichenerkennung.

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  • Mercedes BAS PLUS mit Querverkehr-Erkennung
    Mercedes adressiert mit seinem Bremsassistenten, anders wie Audi und Volvo, den „Kreuzen“-Unfall durch eine Notbremsfunktion auf querende Fahrzeuge. Das System ist im Geschwindigkeitsbereich bis 72 km/h aktiv und überwacht das Verkehrsgeschehen mittels Radarsensoren in Kombination mit einer Stereokamera.
     

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    Zwar bietet Mercedes den Notbremsassistenten serienmäßig an, die Kreuzungsfunktion ist jedoch Teil des Fahrerassistenzpaketes von Mercedes-Benz (inkl. Stereokamera und Radar) und kostet 2.260 € Aufpreis. Weiteres Manko: Das Paket gibt es nur in Verbindung mit der 9-Gang-Automatik (+2.558 €) und dem Spiegel-Paket (+655 €).

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