DruckenPDFBookmarkKontaktieren Sie uns

-Dieselversulzung: Spritqualität als Pannenursache?-

Winterdiesel im Kältetest

Laut Qualitätsversprechen der Mineralölwirtschaft soll Dieselkraftstoff in Winterqualität bis minus 20 Grad Celsius gebrauchsfähig sein. Vier Kraftstoffproben wurden hinsichtlich der einschlägigen Laborwerte und tatsächlicher Fahrbarkeit mit zwei gängigen Fahrzeugmodellen untersucht.

  • Die Temperaturangaben für Winterdiesel sind irreführend

    Für fast alle Dinge im täglichen Leben gibt es Normen – eigentlich für den Kunden eine gute Sache. Sie stellen sicher, dass etwas passt oder bestimmte Mindesteigenschaften aufweist. Das klappt beim Auto beispielsweise für Reifen, Glühlampen und viele andere Dinge recht gut. Und selbstverständlich gibt es auch für Kraftstoffe umfängliche Normen, etwa für Dieselkraftstoffe die DIN EN 590. Damit sollte jedes handelsübliche Fahrzeug für eine gewöhnliche Ver-wendung – also auch zu jeder Jahreszeit – problemlos funktionieren. 

    Wenn in kalten Wintern viele Dieselfahrzeuge liegenbleiben, wird offensichtlich, dass etwas nicht richtig zusammen passt: Liegt es am Sprit oder am Fahrzeug?


  • Opel und VW im Kälteprüfstand
    Mit zwei gängigen Fahrzeugmodellen und vier handelsüblichen Dieselkraftstoffen in Standardqualität hat das ADAC Technik Zentrum zum Beginn der Wintersaison 2012/2013 aufwendige Kältefahrbarkeitsversuche durchgeführt. Die Wahl der ADAC Tester fiel auf den VW Golf 6 und den Opel Insignia, denn laut Einsatzzahlen der ADAC Pannenhelfer im letzten Winter ist der Volkswagen im Gegensatz zum Opel ein für Kälteverstopfungen des Kraftstoffsystems wenig anfälliges Fahrzeug. Die Fahrbarkeitsversuche in der Kältekammer bestätigen die Statistik: Der Golf funktionierte mit einem durchschnittlichen Standardkraftstoff von Shell bei minus 28 °Celsius noch tadellos, während der Insignia mit diesem Kraftstoff unter minus 22 °Celsius streikte. Beide Automodelle haben eine Filterheizung, doch die im VW heizt den Kraftstofffilter offenbar deutlich stärker und schneller auf.
  • Vier Kraftstoffe im Kältetest

    Die Güte der vier im Bundesgebiet (Bayern, Berlin und Sachsen-Anhalt) eingekauften Kraftstoffproben wurde folglich mit dem sensiblen Opel geprüft. Laut konformer Laboranalyse gemäß Norm EN 116 sollten die Kraftstoffe bis zu diesen Temperaturen funktionieren: Agip minus 29 °C, Aral minus 26 °C, Shell minus 23 °C und Total bis minus 31 °Celsius. Im Insignia versagten Aral und Total unter minus 19 °C sowie Agip und Shell unter minus 22 °Celsius. 

    Fazit: Der Autofahrer kann den derzeitigen Temperaturangaben der Mineralölhersteller nicht vertrauen. Die Autoindustrie und die Mineralölwirtschaft sind daher aufgerufen ein zuverlässigeres Qualitätsprüfverfahren zur Bestimmung der Kältetauglichkeit zu entwickeln, was sich bei einer Temperaturangabe an kritischen bzw. anspruchsvollen Fahrzeugen – wie etwa dem Opel Insignia – orientiert. 

    Zudem müssen wirksame Filterheizungen bei allen neuen Fahrzeugen eine Betriebsfähigkeit mit Standardkraftstoffen bis minus 25 °Celsius sicher stellen. Teure Premiumkraftstoffe, deren Qualitätszusicherung ebenfalls auf dem unzulänglichen Laborprüfverfahren gemäß DIN EN 590 bzw. EN 116 basiert, sind keine akzeptable Lösung.


  • Bei Kälte läuft nicht jeder Diesel gut

    Bis zu welchen Minusgraden ein Fahrzeug mit einem Dieselkraftstoff fahrbar bleibt, hängt sehr stark vom jeweiligen Fahrzeugmodell – also der konstruktiven Ausführung der Kraftstoffanlage – ab. Beide Testfahrzeuge wurden mit dem Shell Dieselkraftstoff, der laut normgemäßem Labortestverfahren eine Kältetauglichkeit von minus 23 °Celsius aufweist, untersucht. Während der Volkswagen Golf 6 mit diesem Kraftstoff auch bei einer Temperatur von minus 28 °Celsius kei-ne Ausfallerscheinungen aufzeigte, liegt beim Opel Insignia die Fahrbarkeitsgrenze bei einer Temperatur von minus 22 °Celsius. Beide Fahrzeugmodelle verfügen über ein beheiztes Kraftstofffiltersystem; im Golf wird der erwärmte Kraftstoffrückstrom aus dem Hochdruckeinspritzsystem genutzt, und der Insignia verfügt über ein elektrisches Heizelement. Die Auswertung der Messergebnisse beider Modelle bei einer Starttemperatur von minus 20 °Celsius zeigt: Im Golf 6 erhöht sich bereits nach rund 6 Minuten ab Motorstart die Temperatur im Filtergehäuse auf minus 6 °Celsius, während der Insignia dafür etwa 20 Minuten benötigt. Eine schnelle und ausreichende Aufheizung des Kraftstofffilters bzw. Filtergehäuses ist aber sehr wichtig, damit eine Beladung und eine damit folgende Verstopfung des Kraftstofffilters durch kristallisiertes Paraffin unterbunden wird.

    Das gute Ergebnis des Golf 6 ist ein Beweis, dass auch mit einer relativ unaufwändigen Filterbeheizung und einem sorgfältig konstruierten Kraftstoffsystem (etwa der elektrischen Kraftstoffpumpe im Tank nebst Vorfilterung) mit einem durchschnittlichen Standard-Dieselkraftstoff eine mehr als ausreichende Kältefahrbarkeit erzielt werden kann. 

    Hingegen kann die Kältefahrbarkeit des Opel Insignia mit handelsüblichen Standardkraftstoffen nicht überzeugen: Bei diesem Modell liegt die Kältefahrbarkeitsgrenze mit den Testkraftstoffen von Aral und Total bei minus 19 °Celsius und bei Agip und Shell bei minus 22 °Celsius.


  • Aktualisierung der Qualitätsnorm für Dieselkraftstoffe ist überfällig

    Kritikwürdig ist zudem die absolut mangelhafte Korrelation des für die Qualitätseinstufung und -kontrolle der Wintertauglichkeit von Dieselkraftstoffen gültigen Testverfahrens gemäß Norm DIN EN 590 bzw. EN 116 mit der effektiven Kältefahrbarkeit. So versagte beispielsweise der laut Laborwert von minus 31 °C hervorragende Dieselkraftstoff von Total im Opel Insignia bereits ab minus 19 °Celsius – genauso wie der Aral mit einem Laborwert von minus 26 °C. Bis zu minus 22 °C funktionierten die Kraftstoffe im Opel von Agip, Laborwert minus 29 °C, und Shell mit minus 23 °Celsius. 

    Der Autofahrer braucht zur Sicherstellung der Betriebsfähigkeit seines Kraftfahrzeuges bei Kälte eine zuverlässige Mindestqualitätsangabe, die hinreichend mit der tatsächlichen Kältefahrbarkeit korreliert. Die Autoindustrie und die Mineralölwirtschaft sind daher aufgerufen, ein zuverlässigeres Qualitätsprüfverfahren zu entwickeln, was sich bei einer Temperaturangabe an kritischen bzw. anspruchsvollen Fahrzeugen orientiert. Da die Paraffinkristallisation und Sedimentation im Dieselkraftstoff bei sehr niedrigen Temperaturen ein Vorgang ist, bei dem auch Zeit eine große Rolle spielt, kann davon ausgegangen werden, dass die Fahrbarkeitsergebnisse in der Realität bei entsprechend lang anhaltender Kälte noch erheblich schlechter ausfallen würden.


Weitere interessante Themen für Sie

Der ADAC EcoTest

Automodelle im Umweltranking: Der EcoTest bewertet nicht nur den Kraftstoffverbrauch - erliefert in einem umfassenden Messverfahren Aussagen, ob ein Auto wirklich sauber ist. Mehr

Der ADAC Autotest

Das Angebot an neuen Fahrzeugen wächst. Um so besser, wenn sich die ADAC-Tester mit allen Vor- und Nachteilen schon befasst haben. Mehr

Test Elektrofahrräder

Elektro-Mobilität, das derzeit dominierende Thema. Auf dem Pkw-Sektor noch nicht so richtig in den Startlöchern, geht es bei Fahrrädern aber schon flott. Mehr

Chip- und Eco-Tuning

Schon ab 15 Euro werden Leistungssteigerungen von bis zu 50 Prozent angeboten. Was bringen sie? Verbraucht das Auto mit Eco-Tuning tatsächlich weniger Sprit? Mehr

– Reise & Freizeit –

Ihre Route in ADAC Maps

Ermitteln Sie Tankstellen und Raststätten entlang Ihrer Route oder zu Ihrem Reiseziel mit vielen nützlichen Informationen. Mehr





Ihr Kontakt zum ADAC: Hilfe, Rat und Schutz für Ihre Mobilität