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Autogas

Die Kraftstoffkosten um rund die Hälfte reduzieren? Das geht bei Benzinmotoren mit Autogas. Alle wichtigen Informationen finden Sie nachfolgend.


  • Was ist Autogas?

    Autogas ist ein unter Druck verflüssigtes Gemisch aus Propan und Butan, das bei der Erdöl- und Erdgas-Förderung sowie in Erdöl-Raffinerien anfällt. Camper nutzen LPG zum Heizen, Kühlen und Kochen. Nicht verwechselt werden darf es mit Erdgas (CNG – "Compressed Natural Gas").

    Autogas ist in seiner chemischen Zusammensetzung (Kohlenwasserstoffe) mit Benzin verwandt und kann – nach Anpassung des Motor-Umfeldes – in Ottomotoren eingesetzt werden. Bei atmosphärischem Druck gasförmig, geht es bei maximal 10 bar (je nach Temperatur) in den flüssigen Zustand über und kann so in Druckbehältern gespeichert werden. Mit seinem Dichtequotienten von 1,55 ist es schwerer als Luft, sammelt sich also am Boden. Da es geruchsneutral ist, wird ihm ein Geruchsstoff beigegeben, damit Lecks früher zu bemerken sind. 

    Die Qualitätsanforderungen an Autogas (LPG) zur Verwendung als Kraftstoff sind in der Norm DIN EN 589, Ausgabe Juni 2012, definiert. Diese Anforderung wurde in die Kraftstoffqualitätsverordnung aufgenommen.


  • Die Autogastechnik

    Ob ein Neuwagen beim Fahrzeughersteller nachgerüstet wird, oder ob man sein eigenes Fahrzeug zu einem Umrüstbetrieb bringt: Prinzipiell werden die hier dargestellten Technikelemente zusätzlich installiert.

    Autogas Funktionsweise  PDF, 298 KB


  • Speicherung und Betankung

    Als Kraftstoffbehälter kommen spezielle Gastanks – im allgemeinen Stahlbehälter – zum Einsatz. Es gibt sie zylindrisch, aber auch passend für die Reserveradmulde. Als Ersatz für das dadurch entfal­lende Reserverad sollte ein Pannenspray oder besser noch ein Kompressor mit Reifendichtmittel im Kofferraum deponiert werden. Bei gleichem Tankinhalt ist mit Autogas gegenüber einem Erdgasfahr­zeug eine bis zu dreifache Reichweite erzielbar. Getankt wird mittels eines speziellen Füllstutzens, den man mit dem fahrzeugeigenen Tankanschluss verbindet.

    Zu beachten ist, dass der Gastank nur bis zu max. 80 Prozent befüllt werden darf, danach wird der Tankvorgang automatisch über eine Füllstoppventil abgeschaltet. Dies bedeutet, dass ein Gastank mit einem Fassungsvermö­gen von z.B. 70 Liter nur mit 56 Liter Autogas betankt werden kann.


  • Sicherheit
    Ein Autogas-Tank besteht aus einer etwa 3,5 mm starken Stahlwandung und ist für einen Betriebs­druck von maximal 10 bar ausgelegt. Die Sicherheitsprüfung des TÜV schreibt einen Prüfdruck von 40 bar vor.

    Sicherheitsventile sorgen zudem im extremen Schadensfall für ein gezieltes Abblasen oder bei Hitzeeinwirkung – z.B. bei Brand eines Fahrzeuges – für ein kontrolliertes Abbrennen der Gasfüllung und verhindern damit die Gefahr von Explosionen. Wichtig für den sicheren Umgang mit der neuen Technik ist jedoch die Einhaltung der Prüfintervalle und -richtlinien.

    Ein 2008 vom ADAC durchgeführten Heckcrash und Brandtest mit einem auf Autogas umgerüsteten Opel Astra Caravan zeigte, dass der in der Reserveradmulde untergebrachte Gastank beim Aufprall keinen Schaden nahm und auch sämtliche Leitungen und Verbindungsstücke hielten durch Aktivierung elektromagnetischer Absperrventile dicht. Auch beim anschließenden Brandversuch funktionierte das Sicherheitskonzept mit programmiert abblasenden Ventilen einwandfrei, eine Explosionsgefahr bestand zu keiner Zeit.


    ADAC Crashtest - Autogasauto


  • Zulassungsverfahren

    Autogas-Nachrüstsysteme sollten grundsätzlich eine Genehmigung nach ECE-R 115 besitzen, das wurde bereits mit der „Erläuterung der Anwendung der Abgasvorschriften im Zusammenhang mit § 41a StVZO“ im Verkehrsblatt 2007 (Heft 8) klargestellt. Nach wie vor war es allerdings in den vergangenen Jahren aber so, dass auch Anlagen verwendet wurden, die diese Genehmigung nicht hatten, sondern bei denen lediglich die einzelnen Komponenten nach ECE-R 67/1 geprüft waren. Nach dem Einbau dieser Systeme erlosch die Betriebserlaubnis und das Fahrzeug musste im Rahmen einer Einzel-Betriebserlaubnis nach § 21 StVZO neu zugelassen werden. Gerade aufgrund fehlender bzw. unvollständiger Abgasgutachten ist es hier in der Vergangenheit regelmäßig zu Problemen gekommen. Sofern im Einzelfall ein eigenes Abgasgutachten erstellt werden musste, war dies darüber hinaus mit Kosten von mehreren tausend Euro verbunden.

    Zum 1.10.2017 wurde diese Verlautbarung nun final über die Veröffentlichung eines Merkblattes des VdTÜV im Verkehrsblatt umgesetzt. Seit diesem Stichtag können nur noch Fahrzeuge mit Autogas-Nachrüstsystem für die eine Genehmigung nach ECE-R 115 vorliegt in Verkehr gebracht werden. Ausgenommen sind Fahrzeuge mit Abgasnorm Euro 2, D3 und D4 sowie Fahrzeug mit Einzelbetriebserlaubnis (TSN: 000). Diese können weiterhin über Einzel-Abgasgutachten in den Verkehr gebracht werden und benötigen somit keine Genehmigung nach ECE-R 115.

    In Bezug auf die einzelnen Bauteile wird zwar auch in der ECE-R 115 auf die Anforderungen der ECE-R 67/1 verwiesen, darüber hinaus muss jedoch der Anlagenhersteller u.a. nachweisen, dass das Abgasverhalten des Kraftfahrzeuges durch die Nachrüstung nicht negativ beeinflusst wird. Zusätzlich müssen jeder Gasanlage technische Handbücher für Einbauer und Benutzer beigelegt werden. Gasanlagen, die nach ECE-R 115 genehmigt wurden, erkennt man am ECE-R 115 Genehmigungsschild, das jeder Anlage vom Hersteller beigelegt ist und nach dem Einbau des Systems gut sichtbar im Fahrzeug angebracht werden muss. 

    In der Praxis wird teilweise auch damit geworben, dass Autogas-Nachrüstsysteme eine ECE-R 67/1 Genehmigung haben. Entsprechende Aussagen sind in jedem Fall falsch. Komplette Nachrüstsysteme können nicht auf Grundlage der ECE-R 67/1 genehmigt sein, sondern nur nach ECE-R 115.

    Um sicherzustellen, dass die Gasanlage korrekt eingebaut wurde und ein sicherer Betrieb gewährleistet ist, muss das Fahrzeug einer Gas-Systemeinbau-Prüfung (GSP) unterzogen werden. Die Kosten hierfür betragen 100 Euro (Gebühren-Nr. 413.6.2). Die GSP können amtlich anerkannte Sachverständige, Prüfer für den Kraftfahrzeugverkehr, Prüfingenieure der amtlich anerkannten Überwachungsorganisationen sowie dafür anerkannte Kfz-Werkstätten durchführen, sofern diese den Einbau der Gasanlage selbst vorgenommen haben.

    Nach erfolgter Prüfung ist die Nachrüstung unverzüglich der Zulassungsbehörde zu melden und die Eintragung in die Fahrzeugpapiere zu veranlassen.


  • Autogas-Fahrzeuge in Garagen
    In Tief- und Sammelgaragen findet man vereinzelt immer noch ein "Einstellverbot für Gasfahrzeuge". Die­ses wurde in der so genannten "Garagenverordnung" der Bundesländer (GAV = Verordnung über den Bau und Betrieb von Garagen) aber bereits aufgehoben - und inzwischen auch von allen Bundesländern in Landesrecht umgesetzt.

    Unabhängig davon kann ein Garagen­besit­zer bzw. -betreiber aber von seinem Hausrecht Gebrauch machen und selbst entscheiden, welchen Fahrzeugen er Einfahrt gewährt. In Streitfällen sollte man auf die Neu­fassung der Garagenverord­nung hinweisen, die noch nicht überall bekannt ist.


  • Umweltrelevanz
    Auch wenn die Emission der "limitierten Schadstoffe" (CO, HC, NOx) nicht mehr bzw. nicht mehr wesentlich sinkt, so wird mit Autogas im Vergleich zum Benzin doch immer CO2 reduziert – bis zu rund 10 %. Im Vergleich zu Diesel und Erdgas (CNG) ist der CO2 Ausstoß jedoch höher – ca. 2 % im Vergleich zum Diesel und ca. 12 % im Vergleich zum Erdgas. Autogas ist gegenüber Benzin ebenfalls vorteilhaft, wenn es um eine Verminderung von Abgasschadstoffen geht, die nicht gesetzlich limitiert sind, wie z.B. die schädlichen aromatischen Kohlenwasserstoffe.

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