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Austauschteile-Logistik


Rund zehn Rückrufe pro Woche veröffentlicht der ADAC aktuell auf seiner Homepage. Doch wie kommt es zu einem Rückruf? Gab es zu jedem Rückruf einen tragischen Anlass? Wer veranlasst die Rückrufe? Wieso dauert es so lange, zwischen bekanntwerden und Behebung der Probleme eines Rückrufs?

Im Rahmen einer mehrteiligen Serie werden diese und weitere Fragen beantwortet und Einblicke in die Arbeit der Hersteller und Behörden geliefert. Im den ersten beiden Teilen ging es um Marktbeobachtung und um die Frage, was ein Rückruf und was eine Serviceaktion ist. In diesem Teil geht es um Ersatzteillogistik und die Frage, wie die verbesserten Teile gegen die zuvor schadhaften/nicht der Spezifikation entsprechenden ausgetauscht werden.

Wurde die eigentliche Fehlerursache gefunden, die einen Rückruf auslöst, müssen im einfachsten Fall nur Fehler in der Teilefertigung korrigiert werden, fehlerhafte Teile aussortiert und (halb-)fertige Fahrzeuge für die Auslieferung an die Händler/Kunden gesperrt werden. Im anderen Extremfall, wenn Teile konstruktiv mangelhaft sind (kommt eher selten vor), müssen erst neue Teile konstruiert, getestet und produziert werden. Das kann schlimmstenfalls monatelang dauern. 

Im ersten Schritt versuchen die Hersteller Rückrufe zu vermeiden bzw. die Zahl der betroffenen Fahrzeuge zu reduzieren, indem Fehler bereits vor der Auslieferung an Kunden korrigiert werden.

Eine grobe erste Schätzung der benötigten Teilemenge ist möglich, für einen weltweiten Rückruf aber zu ungenau. Die Ungewissheit wird umso größer, je älter die Fahrzeuge sind: Die Hersteller bzw. die Importeure wissen zwar, wie viele Fahrzeuge sie verkauft haben, über Grau-Importe bzw. Stilllegungen und Exporte ändert sich der Bestand jedoch kontinuierlich. Eine Abfrage des tatsächlichen Fahrzeugbestandes beim Kraftfahrtbundesamt hilft zumindest in Deutschland weiter.

Zum Zwecke der Produktsicherung dürfen die Hersteller nicht nur die Anzahl zugelassener Fahrzeuge erfragen, sondern bekommen gleichzeitig auch die aktuellen Halteradressen. Die Nutzung der Adressen ist jedoch streng auf die Abwicklung des Rückrufes beschränkt und darf nicht zu werblichen Zwecken verwendet werden.



Achtung: Ist ein Fahrzeug über mehrere Jahre abgemeldet, so kann es durchaus von einem Rückruf betroffen sein, ohne dass der Halter informiert wurde. Bei einer Wiederanmeldung nach einer mehrjährigen Stilllegung sollte also sicherheitshalber ein Vertragshändler aufgesucht werden. Dieser kann anhand der Fahrgestellnummer prüfen, ob noch Rückrufe für dieses Fahrzeug offen sind. 


 

Bei der Ersatzteilproduktion spielt die Produktionskapazität des Herstellerwerks oder der Zulieferer eine entscheidende Rolle, schließlich soll die normale Produktion durch einen Rückruf möglichst wenig beeinträchtigt werden. Im Fall des Takata-Airbag-Rückrufs geht es beispielsweise um mehrere Jahresproduktionen. Würden diese Austauschairbags zuerst produziert, stünden die Produktionsbänder fast aller Pkw-Hersteller und deren Zulieferer weltweit monatelang stehen. Daher werden möglichst nur freie Kapazitäten genutzt bzw. punktuell neue Kapazitäten geschaffen (z. B. durch Sonderschichten). 

Sind viele Fahrzeuge in mehreren Ländern betroffen, ist eine weitere Risikoabwägung zu treffen: Müssen alle Länder gleichzeitig beliefert werden oder ist es möglich, gewisse Länder mit höherem Risiko schneller zu bedienen? Im Falle der (Takata-)Airbags (feucht gewordene Treibladungen konnten die einwandfreie Funktion nicht sicherstellen) wurden feucht-warme Regionen beispielsweise bevorzugt behandelt, da das Risiko für die Autofahrer dort deutlich höher war. Daneben dürften – zumindest inoffiziell – auch juristische und teilweise marketingtechnische Erwägungen eine Rolle spielen. Länder mit strikt durchgreifenden Behörden könnten eher bedient werden, um Kostenrisiken zu senken.

Aber nicht nur in der Produktion, auch in den Werkstätten sind die Kapazitäten entsprechend zu planen, damit das Tagesgeschäft der Werkstätten nicht zum Erliegen kommt. Daher werden betroffene Kunden in der Regel in mehreren Wellen angeschrieben, um sicherzustellen, dass nach Erhalt des Briefs auch zeitnah ein Werkstatttermin vereinbart werden kann. Zwischen Veröffentlichung einer Aktion (bspw. in der ADAC Rückruf-Datenbank) und dem Erhalt eines Briefes können leicht einige Monate liegen. So lange das Risiko (bestehend aus Eintrittswahrscheinlichkeit und Gefahrenpotenzial) niedrig ist, kann dies unkritisch sein. Bei hohen Risiken handeln die Hersteller in der Regel sehr schnell. 



Schnelle Reaktion: In einem Fall wurden die Autofahrer eines noch sehr jungen Pkw-Modells direkt über die Händler angerufen und aufgefordert, die Fahrzeuge sofort abzustellen und nicht mehr zu bewegen. Die Fahrzeuge wurden dann direkt per Abschleppdienst in die Werkstatt geholt. Betroffen waren hier jedoch auch nur wenige hundert Fahrzeuge des Herstellers und das Risiko war extrem hoch. 

Der nächste und letzte Teil dieser Serie widmet sich den Fragen „Was sind Erfüllungsquoten und wann erfolgt eine Zwangsstilllegung?“.


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