DruckenPDFBookmarkKontaktieren Sie uns

Stellungnahme des ADAC

Abgasuntersuchung – Verkehrsminister plant Endrohrmessung für alle


Nach Einschätzung des ADAC ist der vorliegende Entwurf zu Änderung der AU-Richtlinie nicht geeignet, die Luftqualität entscheidend zu verbessern, sondern führt vor allem zu einer Mehrbelastung der deutschen Fahrzeughalter.

Die ausdrücklichen Ziele des Entwurfs – „Realitätsnähe“ und „Verringerung der Fehlerquote“ – werden damit nicht erreicht bzw. sind nicht notwendig und damit nicht verhältnismäßig:

Jede Emissionsmessung im Stand ohne Motorlast hat mit dem realen Betrieb von Kraftfahrzeugen nichts zu tun und – wie die BASt- und UTAC-Studie und „Emission Check 2020“ nachgewiesen haben – liegt die Zuverlässigkeit der OBD bei der Abgasuntersuchung bei 97,2 % bis 99,3 %. Eine Notwendigkeit zur Verringerung der Fehlerquote ist somit nicht erkennbar. Auch fehlt eine Kosten-Nutzen-Analyse, welche den Erfüllungsaufwand für den Verbraucher rechtfertigen würde.


  • Hintergründe
    Der Abgasskandal macht deutlich, dass die Instrumente für eine wirksame Kontrolle von Abgasemissionen überarbeitet und geschärft werden müssen. Die pauschale Einführung einer Endrohrmessung für alle ist dazu jedoch nicht geeignet.
    Ein Zusammenhang zwischen der Manipulation der Abgaswerte durch Automobilhersteller und der (Wieder-)Einführung der Endrohrmessung für alle Kraftfahrzeuge ist nicht nachvollziehbar. Rechtswidrige Manipulationen durch Fahrzeughersteller können bei einer Abgasuntersuchung technisch nicht festgestellt werden, da die relevanten Schadstoffemissionen – insbesondere Stickoxide (NOX) – nur bei einer entsprechenden Motorbelastung gemessen werden können. Dazu wären aufwändige und teure Rollenprüfstände an allen Prüfstellen erforderlich, was schlussendlich zu einer Mehrbelastung der Verbraucher führen würde.
    Rechtswidrige Manipulationen durch Fahrzeughersteller können bei einer Abgasuntersuchung technisch nicht festgestellt werden, da die relevanten Schadstoffemissionen – insbesondere Stickoxide (NOX) – nur bei einer entsprechenden Motorbelastung gemessen werden können. Dazu wären aufwändige und teure Rollenprüfstände an allen Prüfstellen erforderlich, was schlussendlich zu einer Mehrbelastung der Verbraucher führen würde. Insofern könnte unterstellt werden, dass die dazu angeführten Argumente primär von wirtschaftlichen Interessen getrieben sind.
    Zweifelsohne stellen abweichende Emissions- und Verbrauchsangaben ein Problem dar. Dieses kann jedoch nur im Rahmen der Homologation gelöst werden. Dazu gehören Abgasmessungen im tatsächlichen Verkehr auf der Straße – sogenannte Real Driving Emissions, kurz RDE-Messverfahren. Entscheidend für den Erfolg wird dabei sein, die Emissions- und Verbrauchsangaben durch eine regelmäßige und vor allem unabhängige Feldüberwachung zu kontrollieren.
    Eine verpflichtende Endrohrmessung für alle sei ferner erforderlich, so die Befürworter, um mutmaßliche Manipulationen einzelner Fahrzeuge durch den Halter, beispielsweise den Ausbau von Diesel-Partikelfiltern (DPF), aufzudecken. Wie viele Fahrzeuge tatsächlich mit manipulierten Abgasreinigungseinrichtungen auf deutschen Straßen unterwegs sind, ist – mangels belastbarer unabhängiger Untersuchungen – nicht bekannt. Insofern erscheint es nicht angemessen, mit einer Zwangsmessung am Auspuff die überwiegende Mehrheit aller rechtstreuen Fahrzeughalter unter Generalverdacht zu stellen.
    Vielmehr sollten manipulationsverdächtige Einzelfahrzeuge bei relevanten Auffälligkeiten im Rahmen der Abgasuntersuchung (AU) anlassbezogen am Endrohr als vertiefte Untersuchung gemessen werden. Entsprechend ist das nachgewiesen zuverlässige zweistufige AU-Verfahren um solche Verdachtsmessungen zu erweitern und anzupassen. Die dabei anzuwendenden Grenzwerte und verwendeten Prüfmittel müssen die entsprechenden Eich- bzw. Rückführbarkeitsvorgaben zwingend erfüllen. Ebenso muss vermieden werden, zulassungskonforme Fahrzeuge wegen ungeeigneter Grenzwerte bei der AU zu bemängeln.

  • Empfehlungen

    Die einzig nachhaltige Lösung gegen Manipulationen an Fahrzeugen, sei es durch Hersteller oder Halter, ist eine hinreichende Manipulationssicherheit der Fahrzeuge.

    Das beginnt beim Kilometerzähler, geht über die Motorsteuerung und die Abgasreinigung, die Fahrzeugsicherheitssysteme bis hin zu der Fahrzeugvernetzung und automatisierten Fahrfunktionen. Diese Grundvoraussetzung gilt für das gesamte Fahrzeug!

    Der ADAC fordert daher die Aufnahme einer internationalen Regelung zur Sicherstellung, dass nur manipulationssichere Systeme, Bauteile und selbständige technische Einheiten für Fahrzeuge typgenehmigt werden.

    Dahingehend unterstützt der ADAC die Weiterentwicklung der Hauptuntersuchung (HU) in Richtung der Prüfung auf genehmigte Hardware, Firmware und Parametrierung auch der Motorsteuerung und des Abgasreinigungssystems. Die effiziente Prüfbarkeit dieser Systeme und die dafür notwendigen Prüfvorgaben sind in das Typgenehmigungsverfahren aufzunehmen.


  • Weiterer Aspekt – Abgasmanipulation bei Lkw im internationalen Güterverkehr
    Die mutmaßliche Manipulation der Abgasreinigungssysteme von Nutzfahrzeugen im internationalen Güterverkehr lässt sich im Rahmen der nationalen Haupt- und Abgasuntersuchung nicht erkennen und eindämmen. Hierzu erscheinen nur die Technischen Unterwegskontrollen geeignet, welche um eine entsprechende Untersuchung ergänzt und ausgeweitet werden sollten.

Weitere interessante Themen für Sie

Rechtsanwältin

Rechtsberatung

Für ADAC Mitglieder kostenfrei: kompetente juristische Beratung. Ob Knöllchen, Unfall, verpatzter Urlaub - Wir helfen gerne! Mehr
Paragraph

ADAC Urteilsdatenbank

Sie haben ein rechtliches Problem und möchten wissen, wie es von den Gerichten gelöst wird? Hier können Sie recherchieren. Mehr

Der ADAC Autotest

Das Angebot an neuen Fahrzeugen wächst. Um so besser, wenn sich die ADAC-Tester mit allen Vor- und Nachteilen schon befasst haben.  Mehr

Der ADAC Reifentest

Es lohnt sich unbedingt, vor dem Weg zum Reifenhändler die Ergebnisse des ADAC Reifentests nach zu lesen.  Mehr

– ANZEIGE –

ADAJUR-Newsletter

Alle zwei Wochen informiert der Newsletter der ADAC Juristen über aktuelle Gerichtsent-
scheidungen, Mobilitätsthemen und exklusive Leseproben aus dem Deutschen Autrorecht (DAR). Mehr





– Reise & Freizeit –

Ihre Route in ADAC Maps

Ermitteln Sie Tankstellen und Raststätten entlang Ihrer Route oder zu Ihrem Reiseziel mit vielen nützlichen Informationen. Mehr




Ihr Kontakt zum ADAC: Hilfe, Rat und Schutz für Ihre Mobilität