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- Überwachungssysteme werden Pflicht -

Reifendruck-Kontroll-Systeme (RDKS)


 Eine kontinuierliche Überwachung der Reifen bringt mehr Sicherheit und spart Kraftstoff.

Reifendruck-Kontroll-Systeme (RDKS), auch Tire Pressure Monitoring Systems (TPMS) genannt, sind für Fahrzeuge der Klassen M1 und M1G verbindlich als Erstausrüstung vorgeschrieben, wenn die Typgenehmigung nach dem 31.10.2012 erteilt wurde. Gleiches gilt für alle Fahrzeuge dieser Klassen, die am 1.11.2014 oder später erstmals zugelassen wurden oder werden.

Zu den Fahrzeugklassen M1 und M1G zählen Pkw und entsprechende Geländefahrzeuge. Auch für neue Wohnmobile dieser Klassifizierung mit einem zulässigen Gesamtgewicht bis einschließlich 2,5t sind RDKS vorgeschrieben. Eine Nachrüstung älterer Fahrzeuge ist nicht erforderlich.

Bisher waren diese Überwachungssysteme kein Bestandteil der Typzulassung und konnten deswegen im Zweifelsfall - z.B. bei der Verwendung eines zweiten Rädersatzes im Winter - außer Betrieb genommen werden. Dies ist nun nicht mehr erlaubt und auch nicht sinnvoll, da anderenfalls regelmäßig bei jedem Fahrzeugstart eine Fehlermeldung im Fahrerdisplay erscheint, die nicht abgeschaltet werden kann. Eine Deaktivierung des RDKS lässt zwar nicht die ABE erlöschen, wird aber im Rahmen einer HU nach § 29 der StVZO als „geringer Mangel“ eingestuft, der umgehend zu beseitigen ist.


  • Nutzen der Reifendrucküberwachung

    Besonders wer den Reifenfülldruck an seinem Fahrzeug regelmäßig prüft und korrekt einstellt, könnte in Versuchung kommen, eine kontinuierliche Überwachung des Reifendrucks und den damit verbunden Mehraufwand sowie die zusätzlichen Kosten für überflüssig zu halten. Dabei darf nicht vergessen werden: Ein ständig korrekter Reifenfülldruck hat eine zentrale, vielfach unterschätzte Bedeutung für einen sicheren und wirtschaftlichen Betrieb des Fahrzeuges. Da bei herkömmlichen Radausstattungen die vorgeschriebene, regelmäßige Reifendruckprüfung in der alltäglichen Praxis häufig vernachlässigt wird und schnelle Reifenluftverluste zwischen den turnusmäßigen Druckprüfungen unbemerkt erfolgen können, bringt die verpflichtende Einführung von RDKS bei Neufahrzeugen neben den möglichen Nachteilen auch gravierende Vorteile.  

    Zu geringer Reifenfülldruck erhöht den Rollwiderstand der Reifen und damit den Kraftstoffverbrauch. Überschlägig kann bei einem Reifenminderdruck von 0,5 bar je nach Basisverbrauch mit einem Kraftstoffmehrverbrauch von 0,2 bis 0,4 l/100 km gerechnet werden. Auch die Laufleistungen von Reifen, die mit zu geringem Innendruck betrieben werden, reduzieren sich mehr oder minder stark. Ein Reifenminderdruck von 20% führt zu einem geschätzten Laufleistungsverlust des Reifens von 15 bis 30%. Wer kostengünstig unterwegs sein will, sollte dem vorgeschriebenen Reifendruck immer Aufmerksamkeit schenken. Das RDKS hilft hierbei und schlägt Alarm, wenn der Reifen zwischen den regelmäßigen Druckprüfungen Luft verliert.  

    Mindestens so bedeutsam wie für die Wirtschaftlichkeit ist der korrekte Reifendruck natürlich für die Fahrsicherheit des Fahrzeuges. Nicht nur bei Kurvenfahrt - besonders auf nassem Untergrund - bauen Reifen mit zu geringem Fülldruck deutlich ab. Auch Vollbremsstrecken verlängern sich, wenn der Reifen mit zu wenig Luft gefüllt ist. 

    Besondere Bedeutung für die Strukturfestigkeit der Reifen und damit für die akute Fahrsicherheit hat der Reifendruck natürlich auch bei längeren Autobahnfahrten mit relativ hohen Geschwindigkeiten. Wenn in dieser Situation - z.B. bei langen Fahrten in den Urlaub mit dem voll beladenen Fahrzeug - schleichender Luftverlust den Reifen unbemerkt schwächt, kann dies schwerwiegende Folgen haben und zu schweren Unfällen führen. Ein RDKS meldet diese gefährlichen Reifendruckverluste im laufenden Betrieb und ermöglicht somit rechtzeitige Abhilfemaßnahmen. Dies gilt natürlich auch für die vielfach unentdeckten Stichverletzungen am Reifen, die einen langsamen Druckverlust über lange Zeit verursachen.


  • Gesetzliche Grundlagen

    Die für die RDKS relevanten Bestimmungen finden sich in der EU-Verordnung 661/2009 vom 13.7.2009 über die Typgenehmigung von Kraftfahrzeugen, Kraftfahrzeuganhängern und von Systemen, Bauteilen und selbstständigen technischen Einheiten für diese Fahrzeuge hinsichtlich ihrer allgemeinen Sicherheit. 

    Seit dem 1.11.2012 ist für alle Fahrzeuge der genannten Klassen M1 und M1G, für die eine neue Typgenehmigung erteilt wird, eine Serienausstattung mit einem RDKS vorgeschrieben. 

    Seit dem 1.11.2014 ist für alle Fahrzeuge der genannten Klassen M1 und M1G, die erstmalig zum Verkehr zugelassen werden, eine Serienausstattung mit einem RDKS vorgeschrieben. Die installierten Systeme müssen in allen Fällen der ECE-R 64 entsprechen. 

    Die Anforderungen an ein RDKS werden in der ECE-R 64 unter dem Punkt 5.3 „Reifendrucküberwachungssystem“ genauer beschrieben, die einzusetzende Technik, die die Anforderungen erfüllt, ist nicht festgelegt. Deswegen werden in der Praxis sowohl sogenannte direkt messende als auch indirekt arbeitende RDKS eingesetzt. 

    Zur Klärung der Frage, ob ein bestimmtes Fahrzeug verpflichtend mit einem RDKS ausgerüstet sein muss, sollte in erster Linie die Zulassungsbescheinigung Teil 1 herangezogen werden. Relevant sind das Datum der Erstzulassung, die Fahrzeugklasse und das Datum der Typgenehmigung (siehe Bild ).


      Zulassungsbescheinigung Teil 1


    RDKS sind verbindlich vorgeschrieben, wenn

    • das Fahrzeug zu der Klasse M1 oder M1G gehört und
    • die Typgenehmigung nach dem 31.10.2012 erteilt wurde oder
    • die Erstzulassung nach dem 31.10.2014 erfolgt ist

    Hinweise zum Datum der Typgenehmigung: Das Datum in der Zeile 6 (Nr. 3 im Bild) steht

    • für den Termin einer vollständig neuen Typgenehmigung, wenn die letzten Ziffern der Zeichenfolge in der Zeile K („Nummer der EG-Typgenehmigung oder ABE“, Nr. 3a im Bild) „00“ sind, oder
    • für einen Nachtrag einer bereits vorhandenen Typgenehmigung, wenn die letzten Ziffern der Zeichenfolge in der Zeile K größer sind als „00“.
    Da bei Nachträgen zu bereits älteren Typgenehmigungen das Datum 31.10.2012 nicht als verbindliche Grenze gilt, seit dem 1.11.2014 aber alle relevanten neuzuzulassende Fahrzeuge mit RDKS ausgerüstet sein müssen, haben die Fahrzeughersteller bei Fahrzeugen mit älteren Typgenehmigungen die verbindlichen RDKS im Rahmen von Nachträgen zur vorhandenen Typgenehmigungen nach und nach eingeführt. Deswegen ist es sinnvoll für Fahrzeuge, in deren Zulassungsbescheinigung Teil 1 in der Zeile 6 ein Datum nach dem 31.10.2012 steht, von dem Markenhändler und/oder Fahrzeughersteller eine verbindliche Auskunft über den Ausrüstungsstand des individuellen Fahrzeugs einzuholen. Dazu sollte die Fahrzeug-Identifizierungsnummer angegeben werden. Die Auskunft des Fahrzeugherstellers sollte mit den übrigen Fahrzeugpapieren aufbewahrt werden, um z.B. bei späteren Hauptuntersuchungen nachweisen zu können, welchen Ausrüstungsstand das Fahrzeug entsprechend der Typgenehmigung hat.
     

    Von dieser Orientierungsregel gibt es auch Abweichungen: 

    Da schon jetzt Fahrzeuge produziert wurden, von denen nicht bekannt war, ob sie vor dem 1.11.2014 erstmalig zugelassen werden, sind die meisten der derzeit neu fabrizierten Fahrzeuge mit dem vorgeschriebenen RDKS ausgerüstet worden. Siehe hierzu auch „Hinweise zum Datum der Typgenehmigung“. 

    Außerdem haben die Fahrzeughersteller die Möglichkeit, für eine begrenzte Anzahl von Fahrzeugen eine Ausnahmeregelung zu beantragen, die es ihnen ermöglicht auch nach dem 31.10.2014 Fahrzeuge ohne RDSK zu verkaufen bzw. zuzulassen.


  • Die unterschiedlichen Systeme

    Direkt messende RDKS verwenden an allen Rädern Druck- und Temperatursensoren, die einen direkten Kontakt zu dem Reifenfüllgas haben. Somit können die relevanten physikalischen Größen direkt bestimmt und telemetrisch an das Steuergerät im Fahrzeug übertragen werden. Bei der Signalgabe an den Fahrer kann über die Radposition und den Reifendruckwert informiert werden. Die Genauigkeit der Druckmessungen liegt bei ca. 0,1 bar oder darunter. Damit können bereits geringe Druck- oder Temperaturschwankungen frühzeitig erkannt und angezeigt werden.
    Meist liegen die Sensorgehäuse der direkt messenden RDKS auf der Felgen- bzw. Reifeninnenseite im Bereich des Ventils und werden zusammen mit diesem befestigt. Die Sensoreinheiten werden über Batterien betrieben. Die Lebensdauer der Batterien kann mit ca. sechs bis zehn Jahren angesetzt werden. Für jeden eingesetzten Rädersatz, also Sommer- und Winterräder, sowie das mögliche Ersatzrad sind Sensoren verpflichtend vorgeschrieben.
    Es wird davon ausgegangen, dass ca. 2/3 der betroffenen Fahrzeuge mit direkt messenden RDKS ausgerüstet sind bzw. werden. Zu den Fahrzeugherstellern, die überwiegend auf direkt messende Systeme setzen zählen unter anderen Mercedes, BMW, Opel, Ford, Hyundai, Toyota, Fiat, Kia. 

    Zu den Vorteilen der direkt messenden RDKS zählt:

    • Sehr genaue und schnelle Messung der relevanten physikalischen Größen Luftdruck und Temperatur an allen vier Rädern. Damit werden auch gleichmäßige, diffusionsbedingte Luftverluste an allen vier Rädern zuverlässig und schnell angezeigt werden.
    • Eine bessere Anzeige der spezifischen Gegebenheiten an jedem einzelnen Rad ist möglich. 
    • Nach dem erstmaligen „Anlernen“ der Sensoren ist üblicherweise eine Initialisierung nach jeder Reifendruckkorrektur und dem Räderwechsel nicht erforderlich, wenn die Sensoren dem System bekannt sind.

    Zu den Nachteilen der direkt messenden RDKS zählt:

    • Für jedes zusätzliche Rad wird ein eigener Sensor fällig. Damit entstehen bei der Anschaffung eines zweiten Rädersatzes zusätzliche Materialkosten von ca. 250 bis 300 Euro und zusätzliche Montagekosten bis ca. 50 Euro.
    Indirekt arbeitende RDKS registrieren Änderungen an den Rädern nur mittelbar. Bei einer Änderung des Reifendruckes ändert sich auch das Abrollverhalten der Reifen, so erhöht sich z.B. die Drehzahl, da sich der Abrollradius des Reifen mit abnehmendem Innendruck verringert. Auch das Schwingungsverhalten des Reifenmantels verändert sich mit dem Reifendruck. Über die Drehzahlsensoren an den vier Rädern können diese Veränderungen des Reifenabrollverhaltens ermittelt und verarbeitet werden. Hierfür benötigt das indirekt arbeitendes RDKS üblicherweise allerdings länger als ein direkt messendes System. Darüber hinaus erreichen die indirekt arbeitenden Systeme nicht die Genauigkeit der direkt messenden. 
    Indirekt arbeitende RDKS nutzen die an dem Fahrzeug bereits vorhandene Sensorik. Aus diesem Grund entstehen bei der Umrüstung auf andere Räder keine zusätzlichen Kosten. Lediglich ein neuerliches Initialisieren des Systems nach einer Korrektur des Reifendrucks oder einem Umstecken der Räder wird erforderlich.

  • Tipps für den Umgang mit RDKS

    Je nach Art des RDKS ergeben sich aus den neuen Ausrüstungsvorschriften für den Fahrzeugnutzer neue, bisher unbekannte Aspekte bei der Fahrzeugwartung. Außerdem können bei Rad- und Reifenwechsel zusätzliche Kosten entstehen. 

    • Erkundigen Sie sich im Zweifelsfall bei Ihrem Vertragshändler und/oder Fahrzeughersteller, ob Ihr Fahrzeug mit einem RDKS ausgerüstet werden muss (siehe hierzu auch Punkt: „Hinweise zum Datum der Typgenehmigung“)
    • Machen Sie sich mit dem spezifischen Reifendruckkontrollsystem Ihres Fahrzeuges vertraut. Die wichtigsten individuellen Informationen enthält die Bedienungsanleitung. Noch offene Fragen kann Ihnen der Vertragshändler beantworten. Im Besonderen sollten Sie Gewissheit darüber erlangen, welche Art von RDKS – direkt messend oder indirekt arbeitend – in Ihrem Fahrzeug eingesetzt wird. Der Hinweis auf Reifendrucksensoren lässt annehmen, dass das RDKS den Reifendruck direkt misst. Hinweise wie „Das System misst nicht den tatsächlichen Reifenfülldruck in den Reifen“ deuten auf ein indirekt arbeitendes System hin 
    • Bei indirekt arbeitenden RDSK entstehen Ihnen bei einem Rad- oder Reifenwechsel üblicherweise keine zusätzlichen Kosten, da an dem Rad selbst keine Sensoren zu installieren oder zu warten sind. Sie müssen allerdings nach einer Änderung an den Rädern, Reifen oder dem Reifenfülldruck das System neu initialisieren, da diese Systeme den korrekten Ausgangszustand der Räder kennen müssen. Hierzu müssen Sie vor der Initialisierung die vorgeschriebenen Druckwerte in allen Rädern möglichst genau einstellen. Das detaillierte Vorgehen für eine korrekte Initialisierung wird in der Bedienungsanleitung beschrieben 
    • Bei direkt messenden Systemen müssen die in dem Rad befindlichen Sensoren bei jeder Reifenmontage von dem Monteur gewartet werden

    Teilen Sie dem Reifenmontagebetrieb bei der Terminvereinbarung mit, dass Ihr Fahrzeug über ein direkt messendes RDKS verfügt. Dies gilt in besonderer Weise, wenn Sie einen zweiten Rädersatz mit Winterreifen bestellen. Um Missverständnisse zu vermeiden, sollten Sie die Fahrzeugpapiere für die Terminvereinbarung bereithalten.


  • Regelmäßige Luftdruckkontrolle ist unverzichtbar
    Das Fazit ist klar: Vom korrekten Reifendruck hängt enorm viel ab. Deshalb ist es unerlässlich, den Reifendruck mindestens alle 14 Tage zu prüfen.
  • Pkw-Modellreihen mit direkt und indirekt messenden RDKS
  • Fragen-/Antworten-Katalog zu RDKS

    Im Zusammenhang mit der verpflichtenden Einführung von Reifendruckkontrollsystemen (RDKS) bei neuzugelassenen Pkw wird eine Reihe von Fragen gestellt, die hier beantwortet werden sollen. Bitte lesen Sie diesen Fragen-Antworten-Katalog und die zugehörigen Informationen unter adac.de zu diesem Thema, bevor Sie schriftliche Anfragen stellen, durch.

    Besten Dank!

     

    1. Welche Fahrzeuge sind von den neuen Regelungen betroffen, welche sind nicht betroffen?

    Betroffen von der neuen Ausrüstungsvorschrift sind vorrangig alle Pkw und Geländefahrzeuge, die in die Klasse M1 und M1G fallen und nach dem 31.10.2014 erstmals zugelassen wurden. Ob Ihr Fahrzeug in die genannten Fahrzeugklassen fällt, können Sie der Zeile J der „Zulassungsbescheinigung Teil 1“ entnehmen. Gemeint sind somit alle Fahrzeuge zur Personenbeförderung mit höchstens acht Sitzplätzen (außer dem Fahrersitz) also Pkw und entsprechende Geländefahrzeuge. Für Wohnmobile der Klassen M1 und M1G besteht eine Ausrüstungspflicht nur dann, wenn ihr zulässiges Gesamtgewicht 2,5t nicht übersteigt.

    Auch betroffen sind alle Fahrzeuge der gleichen Fahrzeugklassen, deren neue Typgenehmigung nach dem 31.10.2012 erteilt wurde. Erkennen können Sie dies an den Informationen in der Zeile K und an dem Datum in der Zeile 6. Wenn die Zeichenfolge in Zeile K mit „00“ endet, handelt es sich um eine neue Typgenehmigung. In diesem Fall gilt die Ausrüstungsvorschrift für Ihr Fahrzeug, wenn das Datum der Typgenehmigung nach dem 31.10.2012 liegt.

    Eindeutig NICHT von der Ausrüstungsvorschrift betroffen sind Fahrzeuge, die vor dem 1.11.2012 (Zeile B in der Zulassungsbescheinigung Teil 1) erstmalig zugelassen wurden.

    Ob die Ausrüstungsvorschrift für Ihr Fahrzeug gilt, wenn das Fahrzeug in dem Zeitraum zwischen dem 1.11.2012 und 1.11.2014 erstmalig zugelassen wurde, können Sie entsprechenden Hinweisen in der Bedienungsanleitung entnehmen. Im Zweifel sollten Sie diese Frage mit Ihrem Vertragshändler oder Hersteller möglichst verbindlich klären. Bei den meisten neuen Fahrzeugen, die im Laufe des Jahres 2014 gekauft und zugelassen wurden, kann von einer Ausrüstungspflicht ausgegangen werden.

     

    2. Welche Typen von Reifendruckkontrollsysteme gibt es, wie unterscheiden sie sich und bei welchen entstehen welche Kosten?

    Die RDKS werden grundsätzlich unterschieden in indirekt arbeitende und direkt messende Systeme. Indirekt arbeitende RDKS registrieren Änderungen an den Rädern nur mittelbar. Bei einer Änderung des Reifendruckes ändert sich auch das Abrollverhalten der Reifen, so erhöht sich z.B. die Raddrehzahl, da sich der Abrollradius des Reifen mit abnehmendem Innendruck verringert. Auch das Schwingungsverhalten des Reifenmantels verändert sich mit dem Reifendruck. Über die ABS-Drehzahlsensoren an den vier Rädern können diese Veränderungen des Reifenabrollverhaltens ermittelt und verarbeitet werden. Hierfür benötigt das indirekt arbeitendes RDKS üblicherweise allerdings länger als ein direkt messendes System. Darüber hinaus erreichen die indirekt arbeitenden Systeme nicht die Genauigkeit der direkt messenden. Indirekt arbeitende RDKS nutzen die an dem Fahrzeug bereits vorhandene Sensorik. Aus diesem Grund entstehen bei der Umrüstung auf andere Räder keine zusätzlichen Kosten. Lediglich ein neuerliches Initialisieren des Systems nach einer Korrektur des Reifendrucks oder einem Umstecken der Räder wird erforderlich. Direkt messende RDKS verwenden an allen Rädern Druck- und Temperatursensoren, die einen direkten Kontakt zu dem Reifenfüllgas haben. Somit können die relevanten physikalischen Größen direkt bestimmt und telemetrisch an das Steuergerät im Fahrzeug übertragen werden. Bei der Signalgabe an den Fahrer kann über die Radposition und den Reifendruckwert informiert werden. Die Genauigkeit der Druckmessungen liegt bei ca. 0,1 bar oder darunter. Damit können bereits geringe Druck- oder Temperaturschwankungen frühzeitig erkannt und angezeigt werden. Meist liegen die Sensorgehäuse der direkt messenden RDKS auf der Felgen- bzw. Reifeninnenseite im Bereich des Ventils und werden zusammen mit diesem befestigt. Die Sensoreinheiten werden über Batterien betrieben. Die Lebensdauer der Batterien kann mit ca. sechs bis zehn Jahren angesetzt werden. Für jeden eingesetzten Rädersatz, also Sommer- und Winterräder, sowie das mögliche Ersatzrad sind Sensoren verpflichtend vorgeschrieben. Damit entstehen zusätzliche einmalige Kosten für die Ausrüstung eines zweiten Rädersatzes (Winterräder) mit den Sensoren. Diese einmaligen Zusatzkosten werden mit 250 bis 350 € pro Rädersatz (vier Räder) angesetzt. Bereits in naher Zukunft werden die Preise für die Sensoren fallen, so dass mittel- und langfristig mit Zusatzkosten von ca. 150 € oder weniger zu rechnen ist.

     

    3. Wie können Zusatzkosten vermieden oder reduziert werden?

    Die einmaligen Zusatzkosten für die Sensoren entstehen nur an Fahrzeugen mit einem direkt messenden RDKS bei der Anschaffung eines zweiten Rädersatzes (z.B. Winterräder). Wer diese Zusatzkosten meiden will, hat folgende Möglichkeiten:

    • Vor dem Kauf des Fahrzeuges ein Modell auswählen, das über ein indirekt arbeitendes RDKS verfügt. Der ADAC hat eine Liste der meisten Pkw-Modellreihen mit den entsprechenden RDKS erstellt.

    • Auf einen zweiten Rädersatz verzichten, indem auf dem bereits vorhandenen Felgensatz Reifen montiert werden, die das ganze Jahr eingesetzt werden können.

    • Bei dem Wechsel von Sommer- auf Winterreifen und umgekehrt diese jeweils auf die bereits vorhandenen Serienfelgen mit Sensoren ummontieren lassen. Hierbei entstehen natürlich zusätzliche Kosten für das regelmäßige, neuerliche Ummontieren der Reifen. Aus technischer und wirtschaftlicher Sicht ist diese Lösung langfristig natürlich wenig sinnvoll. Sie bietet sich allenfalls an, wenn derzeit die erforderlichen Sensoren nicht verfügbar sind.

    • Reduzieren lassen sich die Kosten indem verschiedene Angebote bei Marken- und Reifenhändler eingeholt und verglichen werden. Dabei kommen auch Sensoren aus dem Zubehörmarkt in Frage.

     

    4. Dürfen die Sensoren des direkt messenden RDKS in einem zweiten Rädersatz weggelassen werden?

    Nein! Mit der Ausrüstungsvorschrift wurde das RDKS Bestandteil der Typgenehmigung. Damit muss das RDKS mit allen verwendeten Rädersätzen einwandfrei funktionieren. Mögliche Fehler oder Fehlfunktionen des RDKS, die mit einem Warnsignal kenntlich gemacht werden, müssen behoben werden. Ein Abschalten des RDKS, wie es bei optionalen Systemen in der Vergangenheit teilweise möglich war, ist mit der Ausrüstungsvorschrift nicht mehr zulässig und vielfach nicht mehr möglich. Wer mit einem Rädersatz ohne die entsprechend geeigneten Sensoren sein Fahrzeug in Betrieb nimmt, wird dauerhaft eine Fehlermeldung im Display erzeugen, die sich nicht unterdrücken lässt.

     

    5. Gibt es Ausnahmen von der Ausrüstungsvorschrift bezüglich der Erstzulassung?

    Ja! Autohändler, die noch nicht zugelassene Fahrzeuge ohne RDKS nach dem 31.10.2014 zulassen wollen, müssen hierfür Ausnahmeregelungen beantragen. Für diese Fahrzeuge besteht dann keine Ausrüstungspflicht.

     

    6. Was passiert bei der Hauptuntersuchung, wenn trotz Ausrüstungspflicht die Sensoren fehlen?

    Eine Außerfunktionssetzung des RDKS durch Weglassen der Reifendrucksensoren lässt zwar nicht automatisch die ABE des Fahrzeuges erlöschen, sie wird allerdings im Rahmen der HU als „geringer Mangel“ beanstandet.

     

    7. Können ältere Winterräder ohne Reifendrucksensor von einem alten Pkw-Modell auf ein Neufahrzeug mit direkt messendem Reifendruckkontrollsystem übernommen werden?

    Wenn z.B. Räder von einem verkauften Fahrzeug auf ein gleiches Nachfolgemodell mit direkt messenden RDKS übernommen werden sollen, und diese Räder in allen technischen Aspekten zu dem neuen Fahrzeug passen, müssen die alten Räder mit Reifendrucksensoren nachgerüstet werden.

     

    Fragen und Antworten zu RDKS PDF, 49 KB



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