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ADAC Oldtimer-Wandern

      
Diese Veranstaltungsform für historische und klassische Fahrzeuge, die 2003 mit der ADAC Moto Classic im oberitalienischen Trentino begründet wurde, hat nichts mit Oldtimer-Rennen oder Such- und Zielfahrten gemeinsam.
 
Für Fahrer und vor allem für Beifahrer ist es ein reines Vergnügen, ohne Stoppuhr und Richtzeiten, ohne hektische Suche nach Streckenverlauf und versteckten Abbiegestellen oder entscheidenden Richtpunkten für die Navigation nach Kompass oder gar modernen Satelliten-Systemen einfach gemütlich auf geschichtsträchtigen Routen zu fahren.
 
Unabhängig von Glanz und Gloria oder Hubraum und PS-Zahlen in einer Landschaft mit schönen Panoramen und tollen Aus- und Einblicken geruhsam zu reisen, ist ein nicht mehr allzu bekanntes Gut: Man fährt wirklich, um unterwegs zu sein.


  • Der Weg ist das Ziel

    Der schon vom chinesischen Philosophen Konfuzius geprägte Spruch vom Weg, der das eigentliche Ziel sei, verhilft zu einer Wiederentdeckung: Das „Wandern mit dem Kraftwagen“, das Stanislaus M. Zentzytzki in den 30er-Jahren des letzten Jahrhunderts beschrieb. Nicht nur nebenbei kommt einem schon auf der ersten Etappe dessen damals schon treffsichere Analyse in den Sinn: „Alle großen Verdienste des Autos in Ehren: Mit am schönsten ist doch, dass es uns die Romantik des Reisens wiedergeschenkt hat.“
     
    Ob praktisches Fahrzeug von gestern oder gar eine der Pretiosen des motorradlichen  (Kunst-) Handwerks vergangener Tage – alle werden bei dieser ADAC Veranstaltung im Wortsinn gleichsam zum Vehikel für das, was Motorredakteur Carl Joseph Luther 1925 zu Papier brachte: „Man muss den Begriff autotouristisch nur bis zum Letzten ausdenken. Wir wollen doch heraus aus dem Alltag, wir wollen anderes als das Tägliche erleben, unabhängig sein, freizügig und so weiter.“


  • Lerne zu reisen, ohne zu rasen
    Von der Zeitschrift „Die Straße“ wurde 1936 der Begriff des „Autowanderns“ geschaffen. Während 30 PS in jener Zeit gegenüber den wenigen Pferden vor früheren Postkutschen schon als echter Fortschritt galten, ist Tempo 50 als Entschleunigung beim heutigen Oldtimer-Wandern ganz im Sinne des deutschen Schriftstellers Otto Julius Bierbaum (1865 bis 1910). Ihm hat die Nachwelt nicht nur das geflügelte Wort „Lerne zu reisen, ohne zu rasen“ zu verdanken, das beim ADAC Oldtimer-Wandern ebenso erklärtes wie von den Teilnehmern goutiertes Programm ist. Bierbaum schrieb 1903 über eine Fahrt im „Adlerwagen“ von Berlin nach Sorrent in Italien und zurück ein Buch in Briefen mit dem beziehungsreichen Titel „Eine empfindsame Reise im Automobil“.

  • Die Entdeckung der Langsamkeit
    Darin findet sich sein Credo, das für Automobil-Reisende auch heute gelten kann: „Das Wesentliche des Reisens ist keineswegs die Schnelligkeit, sondern die Freiheit der Bewegung, die hilft, sich vom Alltäglichen seiner Umgebung zu entfernen und neue Eindrücke mit Genuss aufzunehmen.“
     
    Und Fahrspaß wird im Oldtimer sogar zum körperlichen Erlebnis: Schließlich ersetzt Muskelkraft beim Lenken, Schalten und Bremsen die modernen Fahrhilfen, die Autofahrten von A nach B heute fast schon langweilig machen können.
     
    Dass die bei herkömmlichen Oldtimer-Veranstaltungen üblichen Wertungsprüfungen unter dem gleichen Kürzel WP einfach zu Wander-Pausen mutieren, kommt nicht nur den Fahrzeugen zugute. Schließlich sind „Rastplätze oder sonstige Stellen, an denen es sich lohnt kurz Halt zu machen und die Schönheiten und die Eigenart der Landschaft auf sich wirken zu lassen“, nicht erst seit Ratgeber Bahr auch Stätten für das Kennenlernen landestypischer Verköstigung. Es fehlt eigentlich nur noch, dass nach dem Muster anderer Bewegungsarten, die beispielsweise statt „Spaziergängen mit Wanderstöcken“ neudeutsch „Nordic Walking“ heißen, in Anlehnung an den ADAC der Begriff „Car Walking“ verwendet wird.
     
    Schließlich hat mit dem Oldtimer-Wandern die Zukunft der (Automobil-)Vergangenheit schon längst begonnen …

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