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Glaspolitur

Alle Unklarheiten beseitigt?

 

Patina am Oldtimer hat durchaus seinen Reiz. Grenzen ziehen muss man aber, wenn es um die Sicherheit geht, wie beispielsweise bei der Windschutzscheibe. Sie ist, auch wenn das kaum bekannt ist, ein „Verschleißteil“.

Wer genauer hinsieht, erkennt häufig eine Vielzahl von kleinen Steinschlagschäden, und auch Kratzer bleiben nicht aus. Dies geht soweit, dass bei ungünstigen Bedingungen (tief stehende Sonne, Gegenverkehr bei Nacht) das sich brechende Licht zur Blendwirkung führt, womit die Sicht deutlich eingeschränkt ist.



  • Neue Scheibe?

    Die beste Lösung, so sie denn beschaffbar ist. Und die einzige Lösung, wenn es um Steinschläge im Sichtbereich des Fahrers geht. In dem Bereich darf die (gängige) Kunstharz-Reparaturmethode nicht angewandt werden. So weit, so klar, aber: Eine neue Scheibe, nur wegen ein paar Kratzer-Spuren?


  • Glas polieren?

    Das Auspolieren von Kratzern in der Autoverglasung war bislang kaum möglich. Der Autopflege-Spezialist Sonax hat aber nun eine spezielle „Glaspolitur“ entwickelt, mit der - bis zu einer bestimmten Tiefe - Kratzspuren entfernt werden können. Soweit die Produktbeschreibung. Der Preis für die 250 ml-Tube liegt bei knapp 20,- Euro (UVP).

    Ob das Produkt hält, was Sonax verspricht, haben wir in der Praxis ausprobiert. Versuchsobjekt war ein Mercedes-Coupe aus der Ponton-Ära mit einer nachweisbar gut 50 Jahre alten Verglasung. Die schon mal dadurch auffiel, dass ein defekter Wischblatt-Halter halbkreisförmige Kratzspuren hinterlassen hatte. Und bei tief stehender Sonne war auf der gesamten Fläche weniger von der Straße, umso mehr aber eine Vielzahl von Kratzermustern zu sehen. Somit eigentlich ein Fall für den (Glas-)Schrott.

    Nach rund 45 Minuten unter Einsatz einer Poliermaschine mit Filz-Schleifteller und kräftigem Druck zeigte sich der Aha-Effekt: Wischerblatt-Spuren (nahezu) beseitigt, auf der restlichen Oberfläche ein weitgehend ungestörter Durchblick. Unsere Foto-Serie zeigt dazu den Vorher/Nachher-Zustand. Die Methode ist also sinnvoll, auch wenn die optischen Eigenschaften eines Neuteils natürlich nicht zu erreichen sind.

    Bemerkenswert ist, dass beim Versuchobjekt zu guter letzt auch auf der Innenseite der Scheibe Kratzer auffielen - in einem Bereich, in dem wegen des Lenkrads mit der Maschine nicht gearbeitet werden konnte. Hier wäre es also gut, wenn Werkzeug zum Abziehen des Lenkrads bereit liegen würde.

    Die Polier-Methode hat freilich ihre Grenzen: Sind tiefere Kratzer zu beseitigen, müsste so viel Material abgetragen werden, dass die Durchsicht "verzerrt" wird. Und gegen Steinschläge hilft sie, wie erwähnt, prinzipiell nicht.


  • Zum Fachmann oder selber machen?

    Selber machen käme durchaus in Frage - vorausgesetzt man verfügt über eine geeignete, kräftige Poliermaschine. Deren Drehzahl sollte nicht über 600 U/min liegen, da sonst die Schleifstelle zu heiß wird und die Gefahr besteht, dass das Glas reißt. Von Zeit zu Zeit sollte man ohnehin das Glas mit Wasser benetzen. Auch eine gewisse Erfahrung im Umgang mit Profi-Poliermaschinen kann vorteilhaft sein.

    Wer sein Auto dem Fachmann anvertrauen will, findet auf der Internetseite der Firma Sonax die Adressen. Wir empfehlen, direkt am Fahrzeug zunächst das Machbare zu klären und dann die Kosten zu fixieren.


  • Fazit

    Ist eine neue Scheibe nicht - oder nur zu exorbitanten Preisen - zu bekommen, dürfte das Polieren in vielen Fällen eine interessante Lösung sein. Sie lohnt sich umso weniger, je preisgünstiger Scheiben-Ersatz ist.

    Für unser Versuchsobjekt würde ein Neuteil (Stichprobe bei einem freien Mercedes-Teilehändler) rund 500,- Euro kosten - zzgl. Versand und Einbau und ggfs. Montage einer neuen Fensterdichtung.


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