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Autogas im Young – und Oldtimer

Autogas als Alternative zu Benzin war in den 80er Jahren in Deutschland schon einmal am Markt. In der Tat trifft man immer noch vereinzelt auf alte Original-Anlagen in Young –und Oldtimern. Angesichts der Spritpreis- Turbulenzen fragen sich insbesondere Besitzer intensiver genutzter, hubraumstarker Oldies immer häufiger, ob man nicht eine moderne Anlage nachrüsten könnte. Wie sich das rechnet, was man vor dem Umbau beachten sollte und wie das mit dem H-Kennzeichen kombinierbar ist, haben wir hier zusammengestellt.

  • Was ist Autogas?
    Autogas(LPG, Liquified Petroleum Gas) ist ein unter Druck verflüssigtes Gemisch aus Propan und Butan. Wer in seinem Westfalia auf T2-Basis kocht, kühlt und heizt, der verwendet dazu genau das. Nicht in einen Topf geworfen werden darf es mit Erdgas (CNG – „Compressed Natural Gas“). Nachrüsten lassen sich Erdgasanlagen allenfalls in der Theorie.

    Als Kraftstoffbehälter kommen spezielle Gastanks –im allgemeinen Stahlbehälter –zum Einsatz. Es gibt sie zylindrisch, aber auch passend für die Reserveradmulde. Wer sein Ersastzrad nicht an anderer Stelle unterbringen kann, muss auf ein Reifenpannen-Set ausweichen.


  • So rentiert sich Autogas
    Autogas für 0,65 Euro pro Liter – da kommt  nicht nur der Oldi-Fahrer an der Tankstelle ins Schwärmen. Hintergrund: Magere 10 Cent beträgt hier der Steueranteil (Benzin: 65 Cent).

    Vor dem Gas-Tanken steht freilich der Umbau: Im Mittel muss man mit ca. 2500 Euro Umbaukosten rechnen. Womit klar ist: Für die Masse der Oldtimer-Besitzer, die ihr Fahrzeug kaum oberhalb 5000 km/Jahr bewegen, rentiert sich das nie und nimmer. Ganz anders für den Vielfahrer – ein Mercedes 450 SE aus der W 116-Dynastie mag zwar reich an Jahren und zurückgelegten Kilometern sein, zum immobilen Alteisen gehört er keinesfalls, eine intensive

    Aufpreis oder Umrüstkosten x 100= Fahrtstrecke (km)
    bis Amortisation
    (Liter/100 km Benzin x Literpreis  - (Liter/100 km Autogas x Literpeis)
    Langstrecken-Nutzung kann durchaus auch weiterhin sein Revier sein. 15 Liter und mehr – je nach Einsatz und Fahrweise – laufen bei ihm aber schon mal durch die Einspritzdüsen. Hier wird’s dann interessant, ob der Liter Kraftstoff um die 65 Cent oder mit 120 Cent nahezu das Doppelte kostet. Anhand der hier geschilderten Daten würde der Benz-Fahrer dann rund 7 Euro/100 km sparen (in der Kalkulation muss man den Verbrauchswert im Gasbetrieb um ca. 15% höher ansetzen). .

    Bei angenommenen 2500 Euro Umbaukosten hätte sich die Nachrüstung nach rund 36 000 Kilometern bezahlt gemacht – ab jetzt greift die volle Ersparnis von ca. 7 Euro/100 km. Wer mit anderen Verbrauchswerten und Umbaukosten rechnen will, kann das mit diesem Schema tun:

    Autogas: Ca. 15% Mehrverbrauch mit einrechnen!  


  • Nachrüstung – das sollte man beachten

    Nicht alle Motorentypen kommen mit Autogas zu Recht – kritisch können die Einflüsse insbesondere auf die Motor-Auslassventile sein. Renommierte Anlagen-Anbieter führen Listen der nicht nachrüstbaren Automodelle. Vor Auftragserteilung sollte man sich demnach schriftlich zusichern lassen, dass keine technischen Bedenken gegen die Umrüstung bestehen.
    Größere Schäden sind vor allem darauf zurückzuführen, dass das Fahrzeug auf Grund zu "weicher" Ventile und Ventilsitze nicht für den Betrieb mit Autogas ge­eignet ist.
    Aus der Praxis heraus wurde festgestellt, dass der Verbrennungsvorgang bei Autogas eine höhere Temperatur verursacht, die einen negativen Einfluss auf die Kühlung und ausreichende Schmierung der Ventile zeigt. Hierdurch kann es im Fahrzeugbetrieb zu einer Trockenreibung zwischen Ventilen und Ventilsitzen kom­men, wodurch sich die Ventile in den Ventilsitz einarbeiten. Folge ist ein Kompressi­ons­druckverlust durch die nicht mehr dichten Ventile mit anschließendem Leis­tungsmangel.

    Abhilfe verspricht der Einbau verstärkter Ventile und Ventilsitze. Der jedoch Mehr­kosten in Höhe von einigen hundert Euro zu den eigentlichen Umbaukosten mit sich bringt.
    Angeboten werden auch Additiv-Systeme, wie z.B. "Flashlube" – Kosten unter 100 Euro. Das Mittel, das aus einem kleinen Tank dem Gas im Ansaugtrakt tröpfchen­weise zuge­geben wird – soll laut Hersteller­angaben den oberen Zylinder reinigen und schmieren sowie einen Schutz­wall zwischen Ventilen und Ventilsitzen bilden, so dass diese kühl bleiben. Ob diese Additiv-Systeme jedoch Schäden an Ventilen und Ventilsitzen zu 100 Prozent ver­hindern können, ist nicht garantiert.
    Vor dem Umbau sollte man sich daher von der Fachwerkstatt ausführlich beraten las­sen, um zu klären, ob das Fahrzeug für den Autogasbetrieb geeignet ist oder ob ggf. der zusätzliche Einbau verstärkter Ventile und Ventilsitze erforder­lich ist, der weitere Kosten nach sich zieht.

    Der Einbau sollte nur bei qualifizierten Fachbetrieben erfolgen. Nur so kann sichergestellt werden, dass die Einbauvorgaben des Anlagen- bzw. Teileher­stellers eingehalten und alle erforderlichen Komponenten verbaut werden. Eine Liste der Fachbetriebe, die Umrüs­tungen auf Autogas durchführen, findet sich unter www.autogastanken.de. Empfehlenswert sind Fachwerkstätten, die die seit 1. April 2006 vorgeschriebenen Prüfungen der Gas­anlagen GAP bzw. GSP durchführen dürfen.
    Prinzipiell zu empfehlen sind Gasanlagen mit einer Genehmigung nach ECE-R 115 . Liegt diese Genehmigung nicht vor (und sind etwa nur deren einzelnen Bauteile nach ECE-R 67 geprüft), erlischt die Betriebserlaubnis und das Fahrzeug muss im Rahmen einer Einzel-Betriebserlaubnis nach § 21 StVZO neu zugelassen werden. Dessen (einschließlich möglicher Probleme bei der technischen Abnahme) sollte man sich bewusst sein. Umbausätze nach der optimalen ECE -R115  sind unseres Wissens für Modelle aus dem Old -und Youngtimer-Segment nicht am Markt. Einige Firmen auf dem Sektor befassen sich erfreulicher Weise speziell  mit der Oldtimer-Umrüstung, wie z.B. die Fa. Ceslik  in Großostheim (norbert.ceslik@t-online.de). Betriebe mit Oldtimer-Bezug können auch deshalb vorteilhaft sein, weil sie zusammen mit dem Prüfingenieur einer anerkannten Prüfstelle abklären können, inwieweit das „H“-Kennzeichen vom Umbau tangiert wird. Von Einbauten im benachbarten Ausland (z.B. Polen), wo Autogas-Umrüstungen teil­weise zu deutlich geringeren Preisen angeboten werden, ist abzuraten. In der Vergangenheit kam es hier immer wieder zu Problemen bei der an­schließenden Abnahme durch TÜV oder Dekra aufgrund fehlender Geneh­migungs­unterlagen, ins­besondere des Abgasgutachtens. Ferner sollte an mögliche Probleme bei Service, Wartung und Gewährleistung gedacht werden.


  • Das H-Kennzeichen
    Im Prinzip ist klar: Veränderungen des Originalzustandes gefährden die Zuteilung bzw. die weitere Nutzung der Zulassung als „Historisches“ Fahrzeug. Ausnahme: „Zeitgenössische“ Umbauten , worunter man all das versteht, was bis 10 Jahre nach Produktionseinstellung des jeweiligen Automodells an Zubehör am Markt war.

    Hierzu können auch Autogasanlagen zählen, die ab Anfang der 70er Jahre aufkamen und bis Ende des Jahrzehnts noch vertrieben wurden. Logischerweise wird nun niemand eine Uralt-Anlage einbauen – de facto findet man sie kaum, keine Werkstatt wird so etwas einbauen (Zustand sicherheitsrelevanter Bauteile ), zu guter letzt wird der Prüfingenieur kaum eine Freigabe erteilen. Hieraus ergibt sich die Krux; dass nagelneue Anlagen natürlich nicht in allen Details den vor über 30 Jahren verbauten gleichen – im Prinzip aber natürlich ähnlich funktionieren. Insofern könnte man durchaus von einem „zeitgenössischen“ Umbau sprechen. Bei dieser Formulierung kann man herauslesen, dass es …manchmal geht …und manchmal nicht. Praxisgerechte Lösung: Der Einbaubetrieb sollte vorab mit dem Sachverständigen der Prüfstelle (z.B. TÜV. DEKRA) anhand des ausgewählten Anlagentyps klären, was machbar ist. 


  • Einstellverbot in Garagen
    In Tief- und Sammelgaragen findet man vereinzelt immer noch ein „Einstellverbot für Gasfahrzeuge“. Die­ses wurde in der so genannten „Garagenverordnung“ der Bundesländer (GAV = Verordnung über den Bau und Betrieb von Garagen) bereits aufgehoben.

    Lediglich in Bremen und im Saarland gilt das Einstellverbot formell weiterhin (Stand 12/08). Laut dem saarländischen Um­welt-Ministe­rium sollen aber nur noch Anforderungen an eine ausreichende Be- und Entlüftung gelten. Auch der Se­nator für Bau, Um­welt und Verkehr in Bremen hat darauf hingewiesen, dass in bau­rechtlicher Hinsicht keine Be­denken bestehen, wenn Gas betriebene Fahrzeuge abwei­chend von den For­derungen der derzeitigen Bremischen Garagenverordnung (BremGaVO) in Gara­gen abgestellt wer­den. Die BremGaVO soll jedoch novel­liert werden.

    Unabhängig davon kann ein Garagen­besit­zer bzw. -betreiber aber von seinem Hausrecht Gebrauch machen und selbst entscheiden, welchen Fahrzeugen er Einfahrt gewährt. In Streitfällen sollte man auf die Neu­fassung der Garagenverord­nung hinweisen, die noch nicht überall bekannt ist.

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