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Frühe Fernfahrten

Amanda Preuss im Oldsmobile, 1916

Amanda Preuss und ihr 1916 Oldsmobile, dessen V8-4 Liter-Motor insgesamt 951 Liter Benzin oder rund 18 l/100 km konsumierte. Der Schlachtschiff-grau lackierte Roadster soll mit Ausnahme von Suchscheinwerfer und 2 Reservereifen serienmäßig gewesen sein. 


Ein Blick zurück zeigt zwar die Dominanz der Männer in der Pionierzeit des Automobilismus, doch die Frauen waren keineswegs nur Zuschauerinnen. Einige wagten die Fahrt durch die amerikanische Landmasse – noch zu Indianerzeiten.

Ab etwa 1910 gerieten die einst abenteuerlichen Fahrten quer durch die USA mehr und mehr zu Publicity-Kampagnen. Daran beteiligten sich auch Frauen, die wie die Männer vor und nach ihnen haarige Situationen meistern mussten.
In unserem letzten Beitrag ging es um Anita King auf 1915 Kissel Kar 60 HP. 

Die coole Amanda

Und jetzt kommt Amanda Preuss (25) ins Spiel. Die auto- und schießeisenbegeisterte Kanzlei-Stenotypistin hatte von Anita Kings 48 Tage-Fahrt gelesen und sagte sich und den Olds Motor Works in Michigan: „I can beat that“. Nachdem Olds „every fact in my career“ geprüft hatte, ging sie mit dem soeben herausgebrachten Oldsmobile V8 ins Rennen, das sie bravourös gewann: Sie startete am 9. August 1916 in Auckland und erreichte New York City am 29. August, d.h. Amanda bewältigte den 3520 Meilen-Trip (5664 km) in 11 Tagen, 5 Stunden und 45 Minuten – allein. Damit hatte sie sogar den von Rennfahrer ‚Cannon Ball‘ Baker aufgestellten Solo-Rekord aus dem Vorjahr um 90 Minuten unterboten.

Wie das? Außer den Olds Motor Works und, merkwürdigerweise, der Young Women’s Christian Association YWCA hatte Amanda auch die Lincoln Highway Association als Sponsor im Boot, was heißt, dass sie über die Wegstrecke bestens informiert war und fast ausnahmslos den Lincoln Highway benutzte. In den Kommunen wurde sie von Lotsen-Autos in Empfang genommen und punktgenau und zeitsparend zum jeweiligen Ziel geführt – eine Praxis, die auch alle anderen Kontinent-Fahrer übten. Oldsmobile-Händler schließlich schraubten, falls nötig, nachts am Wagen, während Amanda im Hotel übernachtete.

Dennoch kam sie in Zeitverzug. Wegen mangelhafter Ausschilderung des Lincoln Highway verirrte sie sich in Colorado und kollidierte mit einem Pferd, was sie Arrest und 150 $ Kaution kostete – bei Pferden versteht der Cowboy keinen Spaß. Um die verlorene Zeit aufzuholen und die selbst vorgegebenen 300 Meilen (483 km) pro Tag abzureißen, fuhr Amanda auch nachts und kam so beispielsweise in Iowa auf 1230 km am Stück. Nicht mehr steile Pässe, regennasser Untergrund, Straßenauswaschungen, Staub und Hitze machten ihr zu schaffen, sondern die Müdigkeit, besonders im Osten. Dort waren nicht nur die Straßen besser, in Amandas Augen monoton und zum Einnicken über dem Lenkrad verführend, sondern auch frei von vagabundierenden Pferden. So fuhr sie mit ihrem Olds-V8 ohne weitere Kollision in New York City ein und beantwortete naheliegende Fragen der Männer mit „Just a Matter of Good Driving, Coolness and Nerve“. Den deutschen Autobahn-Piloten ins Roadbook geschrieben.

Text: Erik Eckermann

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