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Frühe Fernfahrten – Friedel Spada nach Asien (Teil 1)


Über die Weltumrundung von Clärenore Stinnes 1927-1929 auf Adler Standard 6 ist in Büchern, Radio, Film und Fernsehen oft berichtet worden. Doch wer war Friedel Spada, die auf einem dicken Mercedes zur gleichen Zeit eine Asienfahrt unternahm?  

Mit Revolver und Puderquaste
Genau genommen ging sie mit zwei Mercedes 28/95 PS und „Mit Flinte und Lippenstift“ auf Fahrt, wie sie ihre 1930 herausgebrachten Reiseerlebnisse betitelte. Aus dem Buch wird hier zitiert. Während Clärenore die Welt kennenlernen und, wie sie später angab, die Leistungsfähigkeit deutscher Fahrzeuge beweisen wollte, war Friedels Mission nach eigenem Bekunden Berichterstattung in Wort und Bild. Da stellt sich sogleich die Frage, warum denn Friedels Sponsor, der Münchner Zeitungsverlag Knorr & Hirth und dessen Ableger Emelka Lichtspielkunst AG, sich nicht mit Clärenore kurzgeschlossen hat. Denn die Aufgabe des Fotografen Carl-Axel Söderström, der Clärenore begleitete, war ebenfalls eine Reisereportage. Wie wir später sehen werden, verfolgte der Münchner Verlag jedoch ganz andere Zielsetzungen, die nicht mit denen von Clärenore Stinnes übereinstimmten.

Friedel Spada startet am 2. August 1927 
Clärenore startete ihre Weltumrundung am 27. Mai 1927 in Frankfurt, Friedel Spada ihre Asienfahrt am 2. August 1927 in München. Clärenore reiste in Begleitung von Söderström und zwei Mechanikern, Friedel begleitete der 19-jährige Monteur Walter Jarchow. Der Stinnes-Fuhrpark bestand aus der Adler Limousine mit 50 PS (1430 kg), schon in fortschrittlicher Ganzstahl-Bauweise, und einem 1,5 t Adler-LKW als Begleitfahrzeug, der Spada-Fuhrpark aus zwei schweren Mercedes (1800 kg) mit 95 PS, der eine ein Tourer, der andere zum Lieferwagen umgebaut.

Bürokratische Hürden 
Der eigentliche Teil von Friedels Asienfahrt begann nach einer Schiffspassage über das Mittelmeer in Beirut, damals Syrien. Doch schon in Genua „gerieten wir in ein abscheuliches, aufreibendes Gestrüpp von Zollschwierigkeiten, denn unser vielgeschmähter Amtsschimmel ist gegen den orientalischer Länder ein wahres Flügelroß“. Für Friedel mit dem italienischen Nachnamen Spada begann der Orient demnach schon in Italien. Der Amtsschimmel „sollte uns übrigens auf der ganzen Reise entsetzlich treu bleiben und viel Zeit und Kräfte kosten“. Auch hierzu mein Kommentar: Lieber einen Korral voller Amtsschimmel als die Arsenale von Kriegsbeilen, mit denen sich die damals durchfahrenen Länder seit einigen Jahren bewerfen und eine Wiederholung von Spadas (und Clärenores) Fahrt heutzutage unmöglich machen. Die Welt ein Dorf?

Technische Hürden
Auf der „Straße des Todes“ östlich von Beirut Richtung Damaskus wurde den Autos wegen der engen, steilen Kurven und wegen des niederoktanigen Benzins richtig schön warm ums Herz, aber sie hielten durch. Wie auch Friedel, die als „mäßige Reiterin“ (Selbsteinschätzung) bei einem erzwungenen Ritt auf einem feurigen, keilenden Araber eines Beduinen-Emirs Haltung bewahrte und ihm unwissentlich ein „Schleich Di, Hundsbua!“ an den Kopf warf, als sich dieser beim Fotografieren in den Weg stellte. Womit das Stichwort schon gefallen ist: Friedel fotografierte unentwegt und beschwor dadurch so manche brenzlige Situation herauf.

Hitze und schlechte Straßen setzen zu
Während die Straße zwischen Damaskus und Tadmur, heute Palmyra, nur schlecht war, verflüchtigte sie sich durch die Syrische Wüste in Richtung Bagdad zu einer kaum noch erkennbaren Fährte auf felsigem Untergrund. Hier fuhren Autos nur zweimal die Woche und nur im Konvoi, schon wegen der Banditen. Ausgerechnet hier verirrte sich Spadas Tross trotz Führer, „der draußen auf dem Notsitz hing. Er galt für den größten Wüsten-Experten, Entdecker der Spur Damaskus-Baghdad… Es kam der Moment, wo wir den letzten Reservereifen montiert hatten, wo Wasser und Proviant nahezu erschöpft waren. Zu allem Unglück wurde der Kühler des Personenwagens auch noch undicht“. Nur mit knapper Not entkamen Mensch und Maschine dem Hitzetod.  

Sechs Tage Quarantäne 
Das nächste Ziel nach Bagdad war das persische Kermanshah, doch „außer dem Zoll muß man auch gründlichst die Quarantäne durchmachen“, die sechs Tage dauerte, und alle „möglichen Arten von Kontrollstationen“ passieren, wobei „der fragende Beamte ein Prinz ist. Ein richtiger persischer Prinz…Wenn man bedenkt, daß jeder Schah gut und gern seine über hundert Frauen hat, und daß ihre Vermehrungsfreudigkeit ungefähr wie die der Kaninchen ist, dann kann man die Hausse in Prinzen verstehen, und – warum sie so tief im Kurs stehen“.

Auf den Spuren von Clärenore Stinnes 
Auf der Vorderasien-Route Beirut-Damaskus-Bagdad-Teheran bewegte sich Friedel Spada in der Region, die auch Clärenore Stinnes ein paar Wochen vorher passiert hatte. Wenn sie auch unterschiedliche Strecken befuhren – in den Städten dürften beide Teams in denselben Hotels übernachtet, mit denselben französischen und britischen Mandatsverwaltern und denselben deutschen Botschaftsangehörigen in Kontakt gekommen sein. Doch davon erwähnt Friedel nichts. 

Friedel Spada wählt alternative Route 
Während sich der Stinnes-Konvoi von Teheran in nordwestliche Richtung wandte und über Tiflis und Moskau nach Peking vordrang, schwenkten die Spada-Autos von Teheran nach Südost, um über Isfahan und Quetta zum indischen Subkontinent zu gelangen. 

Mit ihrem Interesse an ethnischen und gesellschaftlichen Gegebenheiten suchte Friedel weit abseits der Strecke lebende Beduinen auf, fand unter den Kurdinnen ein „Mädchen – eine wirkliche Schönheit!“ mit rotblondem Haar und blauen Augen, und bedauerte einen aufgeklärten, aber deprimierten Perser-Prinzen, dem die Familie unter Hinweis auf die „mohammedanische Religion“ ein Landwirtschaftsstudium in Paris verweigerte. Ihre Fahrten durch Morast, Geröllfelder und hitzeflimmernde Wüsten inklusive Fata Morgana erwähnt sie eher nonchalant, über ihre beiden Fahrzeuge und über ihren Mechaniker verliert sie so gut wie kein Wort. 

So hinterlässt ihr Buch eher den Eindruck, als wolle sie beim nächsten Kaffeekränzchen in München auffällig unauffällig ein paar Anekdoten einfließen lassen und die „Entzückensschreie“ ihrer Damenrunde genießen. Der Hintergrund für ihre strapaziöse, manchmal lebensgefährliche Reise ergibt sich erst aus ihren Reiseberichten, die die Münchner Illustrierte Presse etappenweise veröffentlichte. Darüber mehr im nächsten Beitrag.

Text: Erik Eckermann

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Abb. 1
Friedel Spada vor ihrem Mercedes Tourer, den sie selbst von Bayern nach Birma steuerte. Es handelt sich um den schweren (1800 kg) Typ 28/95 PS in der Ausführung ab 1923 (Vierradbremsen).
6 Zylinder, 7270 cm³, ca 95 PS/70 kW

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Abb. 2
Der blutjunge, mehrsprachige Monteur und Fahrer Walter Jarchow begleitete Friedel auf ihrer Asienfahrt von Anfang bis Ende. Walter, immer bescheiden und im Hintergrund, vor dem zweiten Mercedes 28/95 PS mit leichtem LKW-Aufbau.

Bildquellen: Emelka Lichtspielkunst AG, München


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