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Youngtimer – VW Golf GTI Mk2

Grösser, komfortabler, aber auch besser?


Der Golf II GTI hatte es nicht leicht, schließlich hatte sein Vorgänger eine neue Fahrzeugklasse initiiert und seine Fangemeinde war riesig. Doch der Nachfolger konnte fast alles besser, oder doch nicht?

Dass der VW Golf der zweiten Generation längst zum Oldtimer geworden ist, kann man eigentlich kaum glauben. Dank seiner Langzeitqualitäten sieht man ihn noch vergleichsweise oft im Straßenverkehr, auch als GTI. Bei dessen Präsentation vor 34 Jahren befürchteten viele GTI-Fans, dass die Dynamik des Vorgängers damit passé sein würde, schließlich war der Golf der zweiten Generation deutlich gewachsen. In zeitgenössischen Tests schnitt der “Neue” aber gut ab. 

Präsentation an der IAA 1983

Der 1974 erstmals gezeigte Golf 1 war für Volkswagen zur wichtigsten Modellreihe geworden. Sechs Millionen Exemplare waren in rund zehn Jahren verkauft worden. Entsprechend vorsichtig agierte man, als es darum ging, den Nachfolger zu entwickeln. Die Öffentlichkeit war vorgewarnt, denn schon 1982 machten erste inoffizielle Schnappschüsse die Runde. Die Rahmenbedingungen für den in Frankfurt im September 1983 offiziell vorgestellten zweiten Golf waren klar: Der “Neue” musste komfortabler werden, mehr Platz bieten und einige dem Vorgänger angekreidete Mängel beseitigen. 

Mit der Gestaltung wurde die interne Designabteilung beauftragt und schon damals gab es kritische Stimmen. Die praktische Vorzüge aber überwogen, schliesslich war nicht nur der Innenraum, sondern auch der Kofferraum etwas grösser geworden und dem Wind setzte die breitere und höhere Karosserie dank von 0,42 auf 0,34 gesenktem cw-Wert weniger Widerstand entgegen. 

Von Anfang an als GTI

Vom Start weg gab es den neuen Golf auch wiederum als GTI. Wie sein Vorgänger unterschied er sich durch mattschwarze Kotflügelverbreiterungen von den schwächeren Modellen. Auch den Motor übernahm er vom letzten GTI der ersten Generation. Allerdings sorgte etwas Feinschliff dafür, dass die Nennleistung von 112 PS nun bereits bei 5500 anstatt 5800 Umdrehungen anfielen und das max. Drehmoment von 153 auf 155 Nm anstieg. Schliesslich hatte es der neue Golf auf mit 70 kg mehr Gewicht zu tun, war dieses im Leerzustand doch von 890 auf 960 kg angewachsen. So liess sich der GTI zwar ein paar Zehntel mehr Zeit für den Spurt von 0 bis 100 km/h (8,9 Sekunden), lief dafür aber etwas schneller (193 km/h) und leiser (3 dBA bei 100 km/h). 

Die Befürchtungen, dass der gewachsene GTI seinem Vorgänger das Wasser nicht reichen könne, wurden damals schnell widerlegt. 
Die ADAC Motorwelt, die den GTI im Frühjahr 1984 testete, berichtete: “Ist der GTI beim Fahren noch ein GTI? Und wie! Die Art und Weise, wie der 1,8-Liter-Motor, der auch schon im Vorgänger eingebaut wurde, zur Sache geht, ist beeindruckend … Es ist immer genug Leistung da …Der Fahrspass, den der Motor bereitet, wird vom Fahrwerk nicht beeinträchtigt. Die Vermutung, der in der Neuauflage grössere und schwerere GTI könnte nun behäbiger und weniger agil als bisher sein, bestätigt sich nicht. Nach wie vor ist er das spontan auf die Lenkung reagierende, wendige Automobil, wobei die Fahrwerksabstimmung noch spürbar verfeinert wurde. Lastwechselreaktionen beim Gaswegnehmen sind fast völlig passé, und von den Einflüssen des Frontantriebs spürt man am Lenkrad nicht mehr und nicht weniger als bisher.”

Die Konkurrenz (Opel Kadett GTE, Ford Escort XR3) pulverisierte der überarbeitete GTI im Vergleichstest jedenfalls. Dabei war der neue GTI sogar noch komfortabler, was die Federung anging, sicherer, was die Bremsen (mit Scheiben hinten) anbelangte, und leiser (3 dBA bei Tempo 100 km/h), was man im Innenraum spürte. Nur teurer war er auch geworden, bei DM 19’725 fingen die Preise an, rund einen Tausender mehr als beim Vorgänger musste man in Deutschland bezahlen.

Gute Manieren

Kaum jemand wird in einem Zweitgenerations-Golf nach dem Handbuch suchen müssen, um das Fahrzeug erfolgreich in Betrieb zu nehmen und zu fahren. Alles geht einfach zur Hand. Der Golf startet zuverlässig, das Fünfganggetriebe mit Golfball-Schaltknopf lässt sich gut schalten, die Bremsen packen und alles ist dort, wo man es erwarten würde. 

Einmal in Fahrt würde man sich allerdings ab und zu das doch etwas knackiger agierende Fahrgestells des ersten Golfs und auch dessen sportlichen Klangäusserungen wünschen, der gesteigerte Komfort im zweiten Golf hat aus der Sicht eines vergangenheitsorientierten Klassikerfans auch Nachteile. 
Die Sitze sind aber immer noch hervorragend und spätestens, wenn man dann doch einmal ein paar Leute mitnehmen will, freut man sich über den verfügbaren Platz. Und auf der Autobahn schlägt der Neue den Alten summa summarum sowieso. 

Weitere Informationen, Bilder und ein Tonmuster gibt es auf www.zwischengas.com

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Definition Youngtimer

Im Rahmen des Parlamentskreis Automobiles Kulturgut (PAK) hat sich 2015 eine Arbeitsgruppe mit dem Begriff des Youngtimers befasst. Die Arbeitsgruppe empfiehlt nachfolgende Definition, die in
der Kommunikation, bei statistischen Auswertungen, in der Marktforschung, bei Veranstaltungen, bei Versicherungen und künftig gegebenenfalls auch in der Gesetzgebung eingesetzt werden kann:


Youngtimer-Fahrzeuge sind Fahrzeuge, die

  • vor mindestens 20 Jahren, jedoch vor weniger als 30 Jahren erstmals in Verkehr gekommen sind,
  • weitestgehend dem Originalzustand entsprechen,
  • in einem guten Erhaltungszustand sind und 
  • zur Pflege des kraftfahrzeugtechnischen Kulturgutes dienen.

Die Arbeitsgruppe Youngtimer des PAK ergänzt diese Youngtimer-Definition mit folgenden Erläuterungen:


Youngtimer-Fahrzeuge

  • sind Liebhaber-Fahrzeuge
  • werden intensiv gepflegt und gewartet
  • haben in der Regel geringe Jahres-Laufleistungen
  • werden in der Regel in der Freizeit genutzt
  • haben einen guten Erhaltungszustand
  • sollen für künftige Generationen bewahrt werden
  • bei Erreichen der 30 Jahres Grenze kann ein Youngtimer zum Oldtimer werden

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