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Youngtimer – Maserati Quattroporte IV

Die letzte kompakte GT-Limousine aus Italien


Er hatte einen edlen Namen, war von einem der begabtesten Designer gestaltet worden und hatte V8-Turbo-Power unter der Haube ... aber ob der Maserati Quattroporte IV der Neunzigerjahre deshalb zum Klassiker taugt?

Der Wagen stammt von Maserati, das Design von Marcello Gandini und er wurde in relativ geringen Stückzahlen gebaut - das tönt wie die richtigen Parameter für eine hohe Wertschätzung als Klassiker und stetig steigende Preise. Die Sache hat aber zwei Haken: Beim Maserati Quattroporte IV handelt es sich um eine Limousine und das Design wurde damals wie heute nicht zu den besten Arbeiten Gandinis gezählt.

Ein echter Youngtimer

1993 stellte Maserati den Quattroporte IV vor. Die Technik wurde weitgehend vom Coupé Ghibli übernommen, die Karosseriegestaltung überließ man wiederum Marcello Gandini. Dieser zeichnete eine keilförmige Limousine, die insgesamt etwas brav und fast unauffällig aussah. War Gandini, der unter anderem für Design-Meilensteine wie den Lamborghini Miura oder Countach verantwortlich war, altersweise und vorsichtig geworden? Wenn man den kurz vorher präsentierten Prototypen Maserati Chubasco anschaut, der ein imposantes und exaltiertes Äußeres aufweisen konnte und ebenfalls aus Gandinis Hand stammte, kann man dem Designer sicher keinen fehlenden Mut vorwerfen. Eher schon liegt auf der Hand, dass Maserati einen großen Markt ansprechen wollte und daher in Richtung schlichte Eleganz tendierte. 
Zugutehalten kann man Gandini, dass der Wagen auch heute, also 20 Jahre nach seiner Präsentation, immer noch fast zeitlos und attraktiv wirkt, auch wenn sein Design keineswegs nur Freunde hatte. Vor allem aber war sie kompakt, denn die Länge betrug nur gerade 4,55 Meter, während der Vorgänger Quattroporte III noch 4,91 Meter lang gewesen war. Auch Breite und Höhe von 1,81 respektive 1,38 Meter zeigten die sportive Ausrichtung. 

Ein Bild von einem Motor

Auf der Motorenseite der Limousine setzte man auf die bewährten V6-Motoren mit vier obenliegenden Nockenwellen und zwei Turboladern mit Ladeluftkühlung. Bereits die Zweiliter-Version brachte es auf 287 PS, die 2,8-Liter-Variante entwickelte 284 PS und die etwas später vorgestellte 3,2-Liter-Version leistete gar 335 PS. Über sechs manuell geschaltete Gänge oder eine Viergangautomatik wurde die Kraft an die Hinterachse geleitet. Optisch war der Motor ein Meisterwerk, nur sparsam war er definitiv nicht, im Testbetrieb einer 3,2-Liter-Limousine liefen im Schnitt 16,3 Liter pro 100 km durch die Einspritzung. 
Der Rest der Technik verzichtete auf Experimente und stellte mit Einzelradaufhängungen rundum, ABS und servounterstützter Zahnstangenlenkung auf das damals im oberen Segment Übliche. 
Das Gesamtpaket in V8-Konfiguration beschleunigte in rund 5,8 Sekunden auf 100 km/h und lief rund 270 km/h schnell. 

Schöner wohnen

Innen verwöhnte der Maserati Quattroporte IV mit edlen Materialien - Ulmenholz und Leder - und schönen Anzeigen, darunter u.a. eine analoge Uhr, die allerdings 1998 weichen musste. Götz Leyer schrieb dazu in der Zeitschrift «Auto Motor und Sport»: «Der Quattroporte pflegt einen Stil des Interieurs, der weitab liegt von den tristen Plastiklandschaften, die sich in vielen Autos selbst der gehobenen Preisklassen ausbreiten; ... in der italienischen Eleganz liegt zweifellos der größte Reiz des Maserati ..»

Qualitätsprobleme

Leider trübten sichtbare Qualitätsprobleme den Gesamteindruck. Der Autor kann sich daran erinnern, in den Neunzigerjahren nagelneue Maserati-Limousinen beim Importeur gesichtet zu haben, die nicht nur teilweise neu lackiert werden mussten, sondern sich auch andere Nachbesserungen erlauben mussten. 
Als Ferrari die Geschicke von Maserati übernahm, griff man durch und überarbeitete das viertürige Modell konsequent, als Ergebnis stieg die Verarbeitungsqualität, der Motorenlauf wurde ruhiger und die Autos trugen das Wort «evolutione» auf der Flanke. Teuer waren sie weiterhin, kosteten die Fahrzeuge doch deutlich über DM 130.000. 
Trotz der Verbesserungen entwickelte sich der Quattroporte nicht zu einem Mengengeschäft, dies war wohl mit ein Grund, warum dessen Produktion im Jahr 2001 nach 2400 gebauten Exemplaren gestoppt wurde. 

Schnell und elegant unterwegs im Ottocilindri

Er sieht edel aus und man besteigt den eleganten Maserati gerne. Das gediegene Interieur überzeugt auch heute noch, soviel Leder und Holz sieht man kaum einem Auto, das man teilweise sogar für vierstellige Euro-Beträge beim Gebrauchtwagenhändler kaufen kann. Die Ausstattung war bereits ab Werk sehr umfangreich, nur Navigationssysteme waren damals halt noch nicht üblich. 
Die rechte Hand startet den Motor durch Schlüsseldreh und sofort lässt der V8-Motor sein turbinenähnliches Lied erklingen. Fast hätte man sich etwas mehr «Dreck» im Sound gewünscht, der gleichmäßige und erstaunlich stark gedämpfte Motorenlauf passt nicht so ganz zum heißblütigen Italiener. 
Die Gänge lassen sich problemlos sortieren, die Bedienungskräfte für Lenkung, Kupplung, Bremse sind gering und generell zeigt sich die Fahrt im viertürigen Maserati als eine sehr lockere Angelegenheit. Auch heute beeindruckt die Leistungsentfaltung, 450 Nm Drehmoment liegen bereits bei 4400 U/min an, da geht es rasant vorwärts, egal welcher Gang eingelegt ist. Entsprechend lohnt sich der häufige Blick auf den Tacho, will man nicht allzu oft im Blitzlicht von Radaranlagen baden. 

Knapper Innenraum für eine Limousine

Die kompakten Außenabmessungen lassen es erahnen, ein Raumriese kann der Maserati nicht sein. Auf den Vordersitzen ist aber auch für größere Menschen genug Platz vorhanden und der Sitzabstand zum Hintersitz ist eigentlich groß genug. Nur nach oben fehlt für über 1,8 Meter hohe Passagiere auf der Fondsitzbank etwas Distanz, was aber bei einer Durchschnittsbelegung von 1,6 Personen nur selten zu Problemen führen dürfte. Als Familiengefährt taugt der elegante Südländer auf jeden Fall, denn 495 Liter Kofferraumvolumen schlucken auch grösseres Urlaubsgepäck. 
Am meisten Freude aber macht der Wagen bei schnellen Autobahnfahrten und gut ausgebauten Alpenüberquerungen, denn dann kommen Kompaktheit und Leistungsfähigkeit besonders gut zum Zug. Viel fahren sollte man den eleganten Maserati, denn als Investitionsobjekt ist er vermutlich noch nicht reif genug und zum Stehen zu schade. 

Weitere Informationen zum Maserati Quattroporte IV und seinen Artgenossen finden sich auf www.zwischengas.com


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Definition Youngtimer

Im Rahmen des Parlamentskreis Automobiles Kulturgut (PAK) hat sich 2015 eine Arbeitsgruppe mit dem Begriff des Youngtimers befasst. Die Arbeitsgruppe empfiehlt nachfolgende Definition, die in
der Kommunikation, bei statistischen Auswertungen, in der Marktforschung, bei Veranstaltungen, bei Versicherungen und künftig gegebenenfalls auch in der Gesetzgebung eingesetzt werden kann:


Youngtimer-Fahrzeuge sind Fahrzeuge, die

  • vor mindestens 20 Jahren, jedoch vor weniger als 30 Jahren erstmals in Verkehr gekommen sind,
  • weitestgehend dem Originalzustand entsprechen,
  • in einem guten Erhaltungszustand sind und 
  • zur Pflege des kraftfahrzeugtechnischen Kulturgutes dienen.

Die Arbeitsgruppe Youngtimer des PAK ergänzt diese Youngtimer-Definition mit folgenden Erläuterungen:


Youngtimer-Fahrzeuge

  • sind Liebhaber-Fahrzeuge
  • werden intensiv gepflegt und gewartet
  • haben in der Regel geringe Jahres-Laufleistungen
  • werden in der Regel in der Freizeit genutzt
  • haben einen guten Erhaltungszustand
  • sollen für künftige Generationen bewahrt werden
  • bei Erreichen der 30 Jahres Grenze kann ein Youngtimer zum Oldtimer werden

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