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Youngtimer – Lancia Thema 8.32

Ferrari-Pferdestärken für die ganze Familie


Ferrari-Fahren für einen knapp fünfstelligen EUR Betrag? Nun, nicht ganz, aber mit dem Lancia Thema 8.32 hatte man in den Achtzigerjahren zumindest den Ferrari-Motor unter der Haube. Und attraktiv ist die Sportlimousine bis heute geblieben.

Der Lancia Thema war der erste von vier Limousinen, basierend auf der durch die Hersteller Lancia, Fiat, Alfa Romeo und Saab gemeinsam entwickelte Limousinen-Plattform “Tipo 4”. Mit dem Thema brachte Lancia eine Oberklassen-Limousine, die gleichzeitig den Beta und den Gamma ersetzen konnte und zu einem bis 1995 in drei Serien gebauten Erfolgsmodell für den Turiner Hersteller wurde.
Den Lancia Thema gab es mit verschiedenen Motoren und dank Turbo bis zu 201 PS Leistung, an Pferdestärken mangelte es der italienische Limousine also nie. Auch das Design überzeugte mit Eleganz, Giugiaro verantwortete die Linienführung der klassischen Dreivolumenlimousine.

Eine Marketing-Idee

1986 präsentierte Lancia die Variante 8.32. Die sperrige Bezeichnung - lieber hätte man den Wagen wohl Lancia-Ferrari Thema genannt - deutete auf das neue Triebwerk hin, das aus dem Ferrari 308 GTB stammte und 2927 cm3 Hubraum und 32 Ventile aufwies. 
Vor der Transplantation hatte man allerdings intensiv in die Motormechanik eingegriffen, änderte Kurbelwelle und Zündfolge, was das Aggregat turbinenartiger und weniger aggressiv klingen ließ, womit es für den Limousineneinsatz tauglicher wurde. 
Auf 215 PS brachte es der kultivierte Sportwagenmotor in der ECE-Ausführung, auf 205 in der Katalysatorversion. Die Höchstleistung lag bei 6750 Umdrehungen an, so ganz abgelegt hatte der Motor seine Sportorientierung also trotz der Anpassungen nicht. 
Alleine wegen der Leistungssteigerung wäre der neue Motor sicher nicht nötig gewesen, hier ging es um Prestige.

Nobel ausgestattet

Dies zeigte sich auch an der Ausstattung, die sichtlich nobel und luxuriös daher kam. Mollige Teppiche, viel Leder und Edelholz verströmten Wohnzimmer-Atmosphäre. Eine vollautomatische Klimaanlage war genauso vorhanden wie elektrische Sitzverstellung, Fensterheber, Sitzheizung oder ein umfangreiches Überwachungsinstrumente-Inventar. Ein elektronisches Fahrwerk oder ein elektrisches Schiebedach konnten ebenfalls bestellt werden. 
Eine serienmäßige Besonderheit war der elektrisch ausfahrende Heckspoiler, der mittels Drehschalter am Lenkrad rechts aktiviert wird und die Kofferraumgröße von nun 470 Litern leicht reduzierte. Ein Erkennungszeichen der Spitzen-Limousine waren im Übrigen die von Hand aufgemalten Zierstreifen sowie Kühlergrill und Räder, die in Anlehnung an Ferrari konzipiert wurden. 

Schnell, aber nicht superschnell

72’600 DM (ECE-Ausführung 1987) oder rund doppelt so viel wie einfachere Varianten des Lancia kosteten 1,5 Tonnen 8.32. Heute reichen gut 15’000 Euro für einen «Lancia-Ferrari» Thema in gepflegtem Zustand und einen schlechten sollte man auch nicht kaufen.
Bei guter Gesundheit bereitet der Wagen nämlich richtig viel Fahrfreude. Er benimmt sich überraschend handzahm und wer je den Vergleich mit dem Ferrari 308 GTB machen konnte, ist überrascht über die gänzlich andere Tonkultur des 32-Ventilers, der vor allem im unteren Drehzahlbereich mehr an BMW-V8-Motoren als an von Ferrari erinnert.
Das Interieur strömt Wohlfühlatmosphäre aus und eigentlich möchte man gerne im Heck Platz nehmen, wo einst auch Enzo Ferrari in seinen letzten Tagen saß, um die Soundanlage mit den einzeln regelbaren Kopfhörern zu testen. 
Doch vorne macht der Lancia einfach mehr Spaß, und man genießt die überlegenen Fahrleistungen, die mühelose Bedienung und die gute Rundumsicht. Alleine die Anzeigen-Vielfalt macht ein wenig ratlos und die Entscheidung, ob man nun den etwas protzigen, aber eigentlich weitgehend nutzlosen Heckflügel elektrisch ausfahren soll oder ihn bescheiden im Kofferraum ruhen lässt, nimmt einem niemand, auch keine Automatik, ab. 

Weitere Informationen und Bilder sowie ein Tonmuster finden sich auf www.zwischengas.com

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Definition Youngtimer

Im Rahmen des Parlamentskreis Automobiles Kulturgut (PAK) hat sich 2015 eine Arbeitsgruppe mit dem Begriff des Youngtimers befasst. Die Arbeitsgruppe empfiehlt nachfolgende Definition, die in
der Kommunikation, bei statistischen Auswertungen, in der Marktforschung, bei Veranstaltungen, bei Versicherungen und künftig gegebenenfalls auch in der Gesetzgebung eingesetzt werden kann:


Youngtimer-Fahrzeuge sind Fahrzeuge, die

  • vor mindestens 20 Jahren, jedoch vor weniger als 30 Jahren erstmals in Verkehr gekommen sind,
  • weitestgehend dem Originalzustand entsprechen,
  • in einem guten Erhaltungszustand sind und 
  • zur Pflege des kraftfahrzeugtechnischen Kulturgutes dienen.

Die Arbeitsgruppe Youngtimer des PAK ergänzt diese Youngtimer-Definition mit folgenden Erläuterungen:


Youngtimer-Fahrzeuge

  • sind Liebhaber-Fahrzeuge
  • werden intensiv gepflegt und gewartet
  • haben in der Regel geringe Jahres-Laufleistungen
  • werden in der Regel in der Freizeit genutzt
  • haben einen guten Erhaltungszustand
  • sollen für künftige Generationen bewahrt werden
  • bei Erreichen der 30 Jahres Grenze kann ein Youngtimer zum Oldtimer werden

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