DruckenPDF

Youngtimer – Honda NSX

Harmonischer Ferrari-Gegner aus Fernost


Honda schickte sich 1989 mit dem NSX an, den Sportwagen-Platzhirschen Ferrari, Porsche und Lamborghini gehörig an den Karren zu fahren, mit einem innovativen, schnellen und trotzdem nicht kompromisslosen Mittelmotor-Sportwagen. 

Wer in den Achtzigerjahre an Autos von Honda dachte, stellte sich den kompakten Civic oder den familientauglichen Accord vor, aber keinen Sportwagen. Zwar hatte es bereits in den Sechzigerjahren durchaus sportliche Hondas wie den S800 gegeben, aber an einen prestigeträchtigen Mittelmotor-Zweisitzer, der es mit Ferrari oder Porsche aufnehmen würde, wagte sich damals kaum jemand vorzustellen. Außer die Honda-Leute selber.

Vorstellung in Chicago

Bereits Mitte der Achtzigerjahre hatte Pininfarina einen Honda-Mittelmotorsportwagen als Prototypen gezeigt, eine seriennahe Version namens «Acura NS-X» aber wurde dann erst 1989 an der Chicago Motor Show vorgestellt. Im Gegensatz zum Vorläufer hatten die Honda-Leute den Sportwagen selber gestaltet und dabei stark auf Praxisorientierung geachtet.

Produktionsversion Ende 1990

Es sollten nochmals über ein Jahr vergehen, bis erste Kunden ihren eigenen NSX - den Bindestrich vor dem X hatte man wegfallen lassen - übernehmen konnten. Zuerst wurden die USA mit dem Acura NSX beliefert, hierzulande wurde es Januar 1991, bis die ersten Honda NSX auf der Straße zu sehen waren, die meisten ferrarirot gespritzt, als wollte man verdeutlichen, wen man als Hauptkonkurrenten sah.

Nur sechs Zylinder … 

Ein Makel des mit 130.000 DM nicht gerade wohlfeilen Honda NSX war die Beschränkung auf sechs Zylinder. Zwar wirkte sich der Mangel an zwei oder auch sechs zusätzlichen Kolben weder leitungsmäßig noch akustisch aus, prestigeorientierte Käufer aber bevorzugten eine größere Anzahl Verbrennungseinheiten. Konstruktiv war der Motor mit vier obenliegenden Nockenwellen und der drehzahlabhängigen Steuerung der vier Ventile pro Zylindern auf der Höhe der Zeit. 

... aber mit Zutaten vom Feinsten

Und der Rest des Wagens durfte manchem anderen Sportwagenbauer als Benchmark dienen. Viel Leichtmetall, innovative Technologien, die umfangreiche Serienausstattung und eine separierte Fertigung bezeugten seinen Sonderstatus. 

Zwischen Civic-Charme und Spitzenklasse

Trotzdem haftete auch dem NSX ein wenig der Charme der kleineren Honda-Modelle an, vielleicht lag dies am wenig exotischen Lenkrad oder den relativ minimalistisch gezeichneten Armaturen. Englisches Ausstattungsflair und italienische Eleganz jedenfalls strömte das schlichte japanische Ambiente nicht aus. Dafür zeichnete es sich durch Alltagstauglichkeit und Langstreckenkomfort aus.

In Europa eine Rarität geblieben

Der Absatz harzte allerdings schon bald, nachdem die erste Euphorie abgeklungen war. Dies führte sogar dazu, dass 1991 produzierte Exemplare erst Jahre später erstmals zugelassen werden konnten. Die Japaner aber perfektionierten ihren Sportwagen weiter, auch die handgeschaltete Variante erhielt ab 1993 die Servolenkung, 1997 stockte man den Hubraum von drei auf 3,2 Liter auf.
2002 erhielt der NSX Xenon-Leuchten statt der Klappscheinwerfer und auch einige weitere Anpassungen an der Karosserie, der Export nach Zentraleuropa war aber schon lange vorher gestoppt worden. Der letzte NSX wurde dann 2005 gebaut. Dann war Schluss. 
Von den rund 19’000 produzierten NSX-Modellen wurden nur ungefähr 1400 nach Europa ausgeliefert, der größte Teil bis 1995. Die Überlebensrate dürfte hoch sein, trotzdem gehört man mit dem NSX zu den Exoten auf der Straße, vor allem, wenn er im Originalzustand überlebt hat.


Unprätentiös

Tatsächlich, den Japanern ist es geglückt, einen handzahmen Spitzensportwagen zu bauen. Selbst das Einsteigen erfordert keine überdurchschnittliche Gelenkigkeit, die Rund-umsicht ist für ein Mittelmotorauto passabel. Allerlei elektrische Helferlein unterstützen den Fahrer bei bequemen Unterkommen. Ein Handbuch braucht der Honda-NSX-Fahrer nicht zu konsultieren, selbst das Radio kann auf Anhieb bedient werden. 
Der Motor ist leiser als bei anderen Autos dieser Gattung, zumindest solange man sich in zivilen Drehzahlbereichen unter 6000 Umdrehungen befindet. Gegen oben wird es lautet, und oben bedeutet beim NSX halt bis zu 8200 U/min. So richtig will dieses aggressive An-saugen dann gar nicht zum eigentlich komfortabel ausgelegten Coupé passen und mancher Fahrer ertappt sich dabei, diesen Drehzahlbereich gar nie aufzusuchen. Muss er auch nicht, denn auch unten heraus sind genug Reserven für fast alle Verkehrssituationen problemlos da. 
Man kann gut mit ihm leben und auch der Gepäckraum reicht für das Wochenende zu Zweit. Und mit seiner sorgfältigen Bauweise ist er fast das perfekte Langzeitauto. Und selten ist er noch dazu. Die Preise halten sich aber trotzdem noch in irdischen Bahnen, ganz im Gegensatz zu einigen seiner damaligen Konkurrenten.  

Weitere Informationen, viele Bilder und ein Originalprospekt zum Honda NSX gibt es auf www.zwischengas.com 

Fahren Sie selbst auch einen Youngtimer oder einen noch jung gebliebenen Oldtimer dann empfehlen wir Ihnen einen besonderen Event. Im Youngtimer durch die Hauptstadt cruisen: Das ist die ADAC Youngtimer Tour. Rund 50 Fahrzeuge im besten Alter starten 2017 erneut in Berlin bei dem neuen Youngtimer-Event von ADAC Klassik. Hier gibt es mehr Infos!

Definition Youngtimer

Im Rahmen des Parlamentskreis Automobiles Kulturgut (PAK) hat sich 2015 eine Arbeitsgruppe mit dem Begriff des Youngtimers befasst. Die Arbeitsgruppe empfiehlt nachfolgende Definition, die in
der Kommunikation, bei statistischen Auswertungen, in der Marktforschung, bei Veranstaltungen, bei Versicherungen und künftig gegebenenfalls auch in der Gesetzgebung eingesetzt werden kann:


Youngtimer-Fahrzeuge sind Fahrzeuge, die

  • vor mindestens 20 Jahren, jedoch vor weniger als 30 Jahren erstmals in Verkehr gekommen sind,
  • weitestgehend dem Originalzustand entsprechen,
  • in einem guten Erhaltungszustand sind und 
  • zur Pflege des kraftfahrzeugtechnischen Kulturgutes dienen.

Die Arbeitsgruppe Youngtimer des PAK ergänzt diese Youngtimer-Definition mit folgenden Erläuterungen:


Youngtimer-Fahrzeuge

  • sind Liebhaber-Fahrzeuge
  • werden intensiv gepflegt und gewartet
  • haben in der Regel geringe Jahres-Laufleistungen
  • werden in der Regel in der Freizeit genutzt
  • haben einen guten Erhaltungszustand
  • sollen für künftige Generationen bewahrt werden
  • bei Erreichen der 30 Jahres Grenze kann ein Youngtimer zum Oldtimer werden

Hinweis


War dieser Artikel für Sie hilfreich?
43 von 43 Nutzern fanden diesen Artikel hilfreich

Dieser Beitrag wurde im 14tägig erscheinenden ADAC Oldtimer-Newsletter veröffentlicht. Den elektronischen Newsletter können Sie unter www.adac.de/newsletter kostenlos abonnieren.
Gerne erhalten wir Ihr Feedback zu unseren Beiträgen - senden Sie uns hierzu bitte eine E-Mail an klassik@adac.de 

Vielen Dank, Ihre ADAC Oldtimer-Newsletter Redaktion!


Weitere interessante Themen für Sie

Oldtimerclubs

Informieren Sie sich über die Oldtimerclubs im ADAC Mehr

ADAC Oldtimer-Ratgeber NEU!

Aktualisierte Neuauflage 2017/2018 jetzt erschienen - hier geht's zur Online Version  Mehr

– ANZEIGE –

ADAC-AutoVersicherung

Neues Auto? Neue Kfz-Versicherung! Nutzen Sie Ihre Chance und machen Sie gleich den ADAC-AutoVersicherungs-Check. Mehr





Ihr Kontakt zum ADAC: Hilfe, Rat und Schutz für Ihre Mobilität