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Elektronik

Problemstellung bei Youngtimer-Fahrzeugen


Entwicklung der Elektronik ist rasant

Seit der zweiten Hälfte der 1960er Jahre, als die ersten Motorsteuergeräte (Bosch "Jetronic", eingeführt im VW 1600) großserientauglich wurden, hielt eine neue Technologie Einzug ins Fahrzeug, die bis heute einen fulminanten Entwicklungssprung hingelegt hat und deren weitreichende Konsequenz nicht absehbar ist. Die Elektronik steuert neben klassischen Leistungsparametern auch Komfort-, Sicherheits- und vielerorts Assistenzfunktionen für Fahrer und Insassen, Fahrzeug und begleitende Infrastruktur.
 

Fehlerquellen der Elektronik

Die erste Generation dieser Geräte, seinerzeit Analogrechner, basiert noch auf diskreten Bauelementen - Transistoren, Dioden, Kondensatoren und Widerstände regeln Parameter und Kurven. Leider unterliegen diese Halbleiterbauteile jedoch einem Alterungsprozess. Mechanische (z.B. Vibration), elektrische (z.B. Kurzschlüsse), chemische (z.B. Freisetzung von Halogeniden auf der Platine), thermische (z.B. Motorwärme) und witterungsbedingte Einflüsse (z.B. Korrosion) verkürzen die Lebenszeit der Komponenten. Das führt dann zu einem Zeitpunkt zu teil- oder vollständigen Ausfällen der "Black Box" (ECU - Electronic Control Unit), von denen eine Handvoll bis hin zu 100 Einheiten pro Fahrzeug integriert sind. 
 

Problemstellung „Source-Code“

Bei den frühen Gerätegenerationen, bei denen Bauteile noch einzeln identifizierbar sind, gibt es mittlerweile in vielen Clubs Schaltpläne und Stücklisten, und ein versierter Elektronikbastler oder Rundfunk- und Fernsehtechniker kann schnell den Fehlerteufel ausfindig machen, und das entsprechende Bauteil auslöten und ersetzen. Schwieriger wird es hingegen bei Fahrzeugen der späten 1980er Jahre und jünger: hier kommen erstmalig integrierte Schaltkreise (IC's), PROM's und später auch Mehrschicht-Platinen zum Einsatz, meist hoch integriert, sodass ein Austausch der Komponenten schwer fällt wenn nicht unmöglich wird. Auch wird es schwierig, dann passenden Ersatz im Elektronik-Shop zu finden: wie war denn der Speicherbaustein programmiert? Der "Source-Code" zur Programmierung steht herstellerseitig i.d.R. Dritten nicht zur Verfügung, oder ist schlichtweg nicht mehr vorhanden, weil er nicht aufbewahrt wurde, oder die Speichermedien zur Aufbewahrung des Codes sind nicht oder nur teilweise lesbar sind.
 

„New old stock“ bereits ab Werk defekt?

Abhilfe schafft hier nur die Neubeschaffung der gesamten "Black Box" (ECU). Aber auch hier liegen die Tücken im Detail, weil z.B. die chemische Zersetzung auf der Platine bereits "im Karton" stattfindet - viele ältere elektronische Neuteile sind dann schon beim Auspacken nicht funktionsfähig. Derzeit sind bei Fahrzeugen der 1970er Jahre nahezu 50% des "new old stock" bereits "ab Werk" defekt.

„Wer rastet, der rostet“ gilt auch bei Elektronik

Wie kann man diesem Problem geeignet begegnen? Zunächst gilt eine wichtige Regel insbesondere für Youngtimer: die Fahrzeuge müssen öfters bewegt werden, und möglichst viele elektronische Komponenten dann bei der Fahrt oder im Stand in Betrieb genommen werden. Klimaanlage, Sitzverstellung und -heizung, elektrische Außenspiegel, Radio, Innen- und Außen-Beleuchtung, Rückfahrhilfen, Assistenten etc. sollten mehrfach aktiviert werden. "Wer rastet, der rostet" - das gilt hier auch im übertragenen Sinn!
 

Tipps zur Lagerung von Elektronik-Komponenten

Wer darüber hinaus elektronische Komponenten eingelagert hat, und diese über viele Jahre wenn nicht Jahrzehnte für seinen Youngtimer funktionsfähig aufbewahren will, sollte diese regelmäßig auspacken und ggf. einbauen - empirische Untersuchungen empfehlen, das alle 3-5 Jahre zu tun, damit noch lange Freude bleibt. Dunkle und kühle Lagerung ist optimal, am besten auch noch Sauerstoff-entzogen. Schon ein Folienschweißgerät mit hochwertigen Tüten hilft, das Ausfallrisiko weiter zu minimieren.

Ersatzteil-Versorgung 

Clubs wird empfohlen, sich frühzeitig beim regionalen "Auto-Händler des Vertrauens" zu melden und ggf. mit diesem die Übernahme von Elektronikkomponenten auszuhandeln. Vielerorts sind noch Altläger vorhanden, weil sich der Händler bzw. die Werkstatt scheut, den "Elektronikschrott" teuer zu entsorgen. Hier kann der Club vielleicht auch Diagnosegeräte übernehmen, die helfen, Fehler weiter einzugrenzen. Auch kann der Club hier Expertise aufbauen, und so neue Mitglieder gewinnen. Mittlerweile gibt es für wichtige Komponenten Fachunternehmen, die eine Aufbereitung von z.B. Motorsteuergeräten durchführen. Darüber hinaus entwickelt derzeit die Industrie entsprechende Konzepte, die sich dieser Problematik annehmen, um möglichst lange noch Freude mit dem Young- und Oldtimer auch mit elektronischen Komponenten gewährleisten zu können.

Text: Stephan Joest

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