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Youngtimer – BMW 325i Cabriolet (E30)

Langlebige Freude am Offenfahren


Unglaublich, obwohl man die BMW 325i Cabriolets noch heute im Alltagsverkehr sieht, sind die ältesten von ihnen schon zum Oldtimer gereift, also bereits 30 Jahre alt. Das E30 Cabrio ist ein echter Evergreen. 

1985, als BMW auf der IAA die offene Variante zum Dreier vorstellte, war das Angebot an Voll-Cabriolets ziemlich übersichtlich. Neben dem Alfa Romeo Spider, dem Mercedes-Benz SL (R107) und dem Porsche Carrera gab es kaum Volumenmodelle, wenn man einmal von den Bügelcabrios wie VW Golf oder Fiat (Bertone) Ritmo oder offenen Amerikanern absah. Die Cabriolet-Renaissance hatte damals noch gar nicht richtig begonnen, aber die BMW-Ingenieure begannen schon 1982, an einem komplett offenen E30 zu tüfteln.

Die lange Pause

BMW hatte in der Vor- und Nachkriegszeit viele schöne Cabriolets gebaut, darunter die Typen 328, 503, 507 oder die offenen Varianten des 501/502. Auch vom BMW 700 gab es ein Cabriolet und auch der Vorläufer des Dreiers, der BMW 1600/1602 war Ende der Sechzigerjahre noch als komplett offene Variante erhältlich. Doch dann drohten die Amerikaner mit strengen Sicherheitsbestimmungen und BMW überließ das Bauen offener Autos der Firma Baur, die nicht auf stabile Karosseriestrukturen und Überrollbügel verzichten wollte. Vom E30-Vorläufer E21 gab «nur» das Baur-Cabriolet, rund 15 Jahre sollte es schließlich dauern, bis mit der Baureihe E30 wieder ein komplett offener BMW erschien. 

Vorstellung an der IAA in Frankfurt

An der Internationalen Automobil Ausstellung des Jahres 1985 zündete BMW ein wahres Neuheiten-Feuerwerk für die Dreierreihe. Vorgestellt wurden gleichzeitig der 2,5-Liter-Reihensechszylinder, der den 323i-Motor ablösen sollte, eine Allradvariante, der M3 und das Cabriolet. Die Messebesucher waren begeistert, die Bestellungen ließen nicht auf sich warten. Allerdings konnte man sich erst ab Frühjahr 1986 einen offenen Dreier in die Garage stellen, wenn man schnell genug war. 

Aufwändig umgebaut

Das Cabriolet war nicht einfach ein zweitüriger E30 mit abgeschnittenem Dach, die Umbauarbeiten waren deutlich aufwändiger gewesen. Die Rohkarosse musste von Grund auf neu berechnet werden. Immerhin konnte die Technik von der neuen 325i-Limousine übernommen werden. 
Im Bug saß der nun 2494 cm3 große Reihensechszylinder, dem im Katalysatormodell eine digital gesteuerte Einspritzung zu 170 PS bei 5800 U/min verhalf. Das höchste Drehmoment von 222 Nm fiel erst bei 4300 U/min an, dafür konnte der Motor problemlos mit bleifreiem Benzin der Sorte 95 ROZ betrieben werden. 
Im Normalfall wurde die Kraft via ein Fünfganggetriebe auf die Hinterachse übertragen, auf Wunsch gab es auch eine Automatik. 


Das besonders clevere Dach

«Übertotpunktkinematik» war ein Wort, das BMW-Interessenten immer wieder lasen. Dank diesem technischen Kniff war ein Dach möglich, das hinten im geschlossenen Zustand nicht verankert werden musste, sondern das sich sozusagen selber anpresste. Womit es auch schneller zu öffnen und schließen war, selbst ohne die Hilfe von Elektromotoren. 
Offen wie geschlossen macht der Dreier mit Stoffdach eine gute Falle und für Temperaturempfindliche gab’s für teures Geld ein Hardtop zu kaufen. 

Für jeden Tag

Wer mit dem vierplätzigen, kompakten BMW 325i Cabriolet (Länge 4,33 Meter, Breite 1,65 Meter, 1305 kg Leergewicht) nicht zurechtkommt, wird sich wohl in kaum einem älteren Auto wohlfühlen. Die Sitzposition ist für große Fahrer perfekt, der Schalthebel sitzt genau dort, wo er hingehört, das Getriebe lässt sich exakt und zielsicher schalten. Die nicht besonders direkt übersetzte Servolenkung vermittelt viel Gefühl für die Straße, die Bremse verzögert erwartungsgemäß. Die großen und übersichtlichen Instrumente lassen einen nie im Unklaren und die Rundumsicht ist zumindest bei offenem Dach formidabel, es gibt kaum übersichtlichere Autos. 
Doch das Sahnehäubchen ist natürlich auch bei diesem Wagen aus München der Motor, der mit turbinenartigem und wohltönendem Geräusch zeigt, dass eben nichts über einen Reihen-Sechszylinder geht. 
Man kann sich kaum einen angenehmeren Begleiter für eine lange Urlaubsfahrt vorstellen. Und auch die längste Oldtimer-Rallye, zu denen der E30 inzwischen vielerorts auch startberechtigt ist, verliert mit dem 325i ihren Schrecken. 

Weitere Informationen, viele Bilder und der Originalprospekt von damals sind neben einem Tonmuster auf www.zwischengas.com zu finden.

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Definition Youngtimer

Im Rahmen des Parlamentskreis Automobiles Kulturgut (PAK) hat sich 2015 eine Arbeitsgruppe mit dem Begriff des Youngtimers befasst. Die Arbeitsgruppe empfiehlt nachfolgende Definition, die in
der Kommunikation, bei statistischen Auswertungen, in der Marktforschung, bei Veranstaltungen, bei Versicherungen und künftig gegebenenfalls auch in der Gesetzgebung eingesetzt werden kann:


Youngtimer-Fahrzeuge sind Fahrzeuge, die

  • vor mindestens 20 Jahren, jedoch vor weniger als 30 Jahren erstmals in Verkehr gekommen sind,
  • weitestgehend dem Originalzustand entsprechen,
  • in einem guten Erhaltungszustand sind und 
  • zur Pflege des kraftfahrzeugtechnischen Kulturgutes dienen.

Die Arbeitsgruppe Youngtimer des PAK ergänzt diese Youngtimer-Definition mit folgenden Erläuterungen:


Youngtimer-Fahrzeuge

  • sind Liebhaber-Fahrzeuge
  • werden intensiv gepflegt und gewartet
  • haben in der Regel geringe Jahres-Laufleistungen
  • werden in der Regel in der Freizeit genutzt
  • haben einen guten Erhaltungszustand
  • sollen für künftige Generationen bewahrt werden
  • bei Erreichen der 30 Jahres Grenze kann ein Youngtimer zum Oldtimer werden

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