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Fahrzeuge und ihre Spitznamen

Suzuki GT 750 – Der Wasserbüffel


1970 stellte Suzuki auf der Tokyo Motor Show die GT 750 vor, die ab 1972 auch bei uns zu haben war. Der wassergekühlte Dreizylinder-Zweitakter mit 67 PS und großem Durchzugsvermögen sorgte schon bald für einen markanten Spitznamen: der Wasserbüffel war geboren. 

Es ist der Rückblick in eine interessante Zeit. Das Motorradfahren war Ende der 60er Jahre seit mehr als zehn Jahren keine Selbstverständlichkeit mehr.
Zum Ausgang der 50er Jahre war das Zweirad als Fortbewegungsmittel für Erwachsene praktisch komplett vom Automobil verdrängt worden. Ganze Industrien brachen damals zusammen, bei uns vor allem in den deutschen Zweiradstädten Nürnberg und Bielefeld. Lediglich die Engländer, die ja schon immer etwas treuer zu ihren Traditionen standen, hielten mit BSA, Norton und Triumph die Stellung. Dazu kam der besondere Bereich der Behördenfahrzeuge, was für BMW oder auch Moto Guzzi eine lebenswichtige Bedeutung behielt. 

Mit immer schneller werdenden PKW musste auch bei diesen Maschinen an Leistung nachgelegt werden. Die italienische Polizei erhielt daher 1965 mit der V7 die erste Zweizylinder-Guzzi mit 700 Kubikzentimetern. Erst zwei Jahre später wurde sie auch an erste Zivilisten verkauft.
Also gab es wieder einen Markt für Motorräder? Der Lifestyle der 60er Jahre hatte sich breit gemacht. Man fuhr zum Spaß, nicht mehr zur Arbeit, denn dafür hatte man ja ein Auto in der Garage.
Ein Trendsetter wie Gunter Sachs räuberte bald mit seiner Münch TT ohne Helm in weißer Hose an der Côte d´Azur herum. Seine Maschine hatte die Kleinseriennummer 11, und 1967 gab es nichts Vergleichbares auf dem Markt. Ein gigantisches Motorrad mit Reihenvierzylinder auf Basis des NSU-Automotors mit 100 PS. (Alle nennen die Münch bis heute „Mammut“, aber offiziell durfte sie so nicht heißen.)

Der Markt für große Sport- und Spaßmaschinen war plötzlich da.

Ebenfalls 1967 brachte Norton die Commando 850, 1968 erschienen die BSA Rocket 3 und Triumph Trident mit 750-Kubik-Dreizylinder, in Italien die Laverda 750.
Dann grollte es in Fernost. Honda hatte bereits 1965 auf der IAA in Frankfurt mit dem S600 ein kleines Sportcoupé vorgestellt, dessen Vierzylinder damals ungeheure 8500 Umdrehungen realisierte. 

1969 nun kamen die Japaner mit der Honda CB 750 Four auf den Zweirad-Markt. Günstig, schnell und zuverlässig, mit satten 67 PS. Der Meilenstein und Welterfolg erschütterte auch den europäischen Markt. BMW brachte die R 75/5, Ducati die 750 GT, aber an die „Four“ war nicht heranzukommen.
Erst Kawasaki, ebenfalls aus Japan, legte 1972 mit der 900 Z1 die Latte noch einmal höher. Mit 79 PS ging der Vierzylinder locker 210, im Windschatten des damals aktuellen Porsche 911S 2,4 bei Vollgas auch noch ein bisschen schneller. 

Und Suzuki?
Heute hinter Honda der größte Motorradexporteur weltweit, war das 1909 in Hamamatsu gegründete Unternehmen auch damals schon ein internationaler Konzern. Ab 1952 hatte man kleine Mopeds gebaut. In den 60er Jahren war Suzuki in den kleinen Hubraumklassen bis 125 ccm mit mehreren Weltmeistertiteln erfolgreich. Mit der Nachfrage wuchs der Hubraum, und bereits ab 1968 gab es die Suzuki T500 zu kaufen, ein Zweitakt-Zweizylinder mit 47 PS, günstig und leicht, der bereits eine Höchstgeschwindigkeit von 170 km/h ermöglichte.

Dann kam die GT 750, um ganz oben mitzuspielen. Wie gesagt, 1970 vorgestellt, war sie ab 1972 auch bei uns zu haben. Die Wasserkühlung schützte wirksam den sonst stets thermisch gefährdeten mittleren der drei Zylinder. Das 215 Kilogramm schwere Motorrad ging mit 67 PS gute 190 Stundenkilometer, genehmigte sich allerdings auch gerne mal zehn bis zwölf Liter Kraftstoff auf 100 Kilometern, angereichert mit Zweitaktöl per Getrenntschmierung.

Die ab 1972 ständig verschärften Abgasbestimmungen in den USA wurden allerdings schon bald zum großen Problem. Der „Wasserbüffel“ wurde zwar noch bis 1977 gebaut, dann allerdings wechselte auch Suzuki mit der nachfolgenden GS 750 ins effizientere Viertaktlager.

Die GT 750 ist heute ein gesuchter Klassiker mit treuer Fangemeinde.


Text und Foto: Achim Gandras

Bild:
Ein früher „Wasserbüffel“, erkennbar an der vorderen Duplex-Trommelbremse, ist diese GT 750 im phantastischen Museum „PS.Speicher“ in Einbeck.  

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