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Fahrzeuge und ihre Spitznamen

Die Spitznamen-Spitztüte: Ardie Minimax


Nürnberg war eines der großen Zentren der deutschen Zweiradindustrie. Eine legendäre Marke aus der Dürerstadt war Ardie, und die erste Serie ab 1919 hatte noch keine Modellbezeichnung. Ein Motorrad mit Einzylinder-Zweitakter von rund 300 Kubikzentimetern und standfesten drei PS. ARno DIEtrich lieferte sie in einer auffälligen roten Lackierung mit einem sich konisch nach hinten verjüngenden, damals sehr modernen Tank.

Diese „Spitztüte“ sah allerdings genauso aus wie ein anderes feuerrotes Erfolgsprodukt, das bereits 1904 patentiert worden war: Der Handfeuerlöscher von Wilhelm Graaff aus Neuruppin, längst ein Welterfolg und aller Welt als „Minimax“ ein Begriff. Arno Dietrichs erste Ardie hatte keinen Namen, und der Volksmund kommt da schnell zur Sache. Das war die Geburtsstunde der Ardie Minimax. In unserem Bild aus dem Nürnberger Museum für Industriegeschichte liegt der Löscher dem Motorrad zu Füßen. Mal ehrlich, wie hätte sie sonst auch heißen sollen?

Aber zurück zu den Anfängen. Arno Dietrich war ein Mann vom Fach. 1870 geboren, hatte er früh schon als Obermeister bei den Nürnberger Triumph-Werken gearbeitet und erlebte mit, wie die kleine englische „Triumph Junior“ von der deutschen Schwesterfirma ab 1913 als „Triumph Knirps“ sehr erfolgreich im Kaiserreich verkauft wurde.

Dann kam der Erste Weltkrieg und anschließend versuchte Arno Dietrich sein Glück als Hersteller. Mit dem Konzept der Triumph Knirps im Hinterkopf entwickelte er 1919 die erste Ardie, die wir heute als „Minimax“ kennen. Die kleine Firma sorgte schnell in Wettbewerben für Aufsehen, Ardie war bald in aller Munde.

Arno Dietrich kam leider 1922 bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Sein Geschäftspartner Leo Bendit führte das Unternehmen erfolgreich weiter.
Bald schon wurden immer größere Viertaktmotoren aus England verwendet, bis hin zu dicken V2-JAP mit 1000 Kubikzentimetern.
Anfang der 30er Jahre kam jedoch ein nationalistischer Gedanke auf, und das Reichswehrministerium definierte kurzerhand Motorräder mit ausländischen Motoren als keine deutschen Produkte. Dieser Gedanke wurde natürlich ab 1933 durch die Nazis rigoros forciert, allein schon, um keine Devisen aus dem Land zu lassen. Auch Ardie verbaute nun keine englischen JAP-Motoren mehr, sondern setzte auf deutsche Aggregate von Bark oder Küchen, die mit bis zu 600 Kubik-Viertaktern auch ordentliche Brummer waren.

Leo Bendit, jüdischer Herkunft, ahnte wohl die finstere Zukunft und verkaufte bereits 1933 das Unternehmen an die Familie Barthel, Besitzer der Motorradfirma Dürkopp in Bielefeld. Beide Unternehmen gehörten ab da zusammen.

Ab 1936 war die Zeit der Einbau-Viertakter bei Ardie vorbei und es wurden nur noch eigene kleine Zweitakt-Konstruktionen verbaut. Nach dem Zweiten Weltkrieg produzierte Ardie noch bis 1958 Motorräder, danach entstanden bis 1981 nur noch Hydraulikgeräte.

Ach ja, und Minimax: Nach dem Zweiten Weltkrieg wagte die Neuruppiner Firma den Neuanfang im Westen und gründete in Bad Oldesloe ein Werk, das bis heute im Weltmarkt sehr erfolgreich ist. Was aber auch geblieben ist, das ist ein alter Kalauer: „Hast Du Minimax im Haus, dann breitet sich kein Unheil aus!“ So ein alter Werbespruch. Und nun wieder die Ergänzung des Volksmunds: „Minimax ist großer Mist, wenn Du nicht zu Hause bist...“ Das allerdings ist Vergangenheit in vollautomatisierten Zeiten des Computers.


Text und Foto: Achim Gandras

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