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Spitznamen – Singende Säge

DKW RM 350

Foto: Die DKW RM 350 im Audi Forum in Ingolstadt ist die originale Rennmaschine, mit der Gustl Hobl 1956 Vizeweltmeister wurde. 


Hört man heute den Namen DKW, denkt man meist an Mopeds oder Autos der unteren Mittelklasse. Nur wenigen ist noch bewusst, dass die einst größte Motorradfirma der Welt gerade im Rennsport riesige Erfolge gefeiert hat. Von 1925 bis 1956 erreichten die Motorräder aus dem sächsischen Zschopau und später aus dem bayerischen Ingolstadt allein 38 Deutsche Meisterschaften in verschiedenen Klassen.

1921 hatte Firmengründer Jörgen Skafte Rasmussen die Produktion von Armaturen auf Motorräder umgestellt. Von Anfang an setzte man bei DKW auch auf den Rennsport, denn das war die beste Werbung, so man dort erfolgreich war.
1931 wurde aus DKW, neben Horch, Audi und Wanderer, einer der vier Ringe der neu geschaffenen Auto Union. Zwar baute man inzwischen auch erfolgreich Kleinwagen, aber der Schwerpunkt lag doch auf der Motorradproduktion. Allen gemeinsam war indes der Zweitaktmotor, der bei DKW ausschließlich Verwendung fand, was später auch für den Untergang der Marke sorgen sollte. In den Sechzigern wollte man keine Zweitakter mehr fahren. Die ersten Viertakter bekamen daher 1965 das Audi-Emblem, weil DKW untrennbar mit dem blauen Ölfähnchen verbunden war.

Aber zurück zu den Rennmotorrädern. In der Vorkriegszeit baute man bei DKW ab 1935 Maschinen mit Ladepumpe, die das Kurbelgehäuse als Vorverdichter nutzten, also ähnlich dem Kompressor, der dem Motor die Arbeit des Ansaugens von Frischgas abnimmt. Ewald Kluge wurde 1937 und 1938 mit so einer DKW ULD 250 nicht nur Europameister, sondern gewann überlegen die Tourist Trophy auf der Isle of Man mit dem ersten Motorrad überhaupt, das nicht aus englischer Produktion stammte: Shocking! 

Dann aber kam der Krieg und Zschopau versank 1945 hinterm Eisernen Vorhang. DKW wagte den Neuanfang in Ingolstadt. Auch Rennen wurden ab 1946 wieder reihenweise gewonnen, allerdings auf Vorkriegsmaschinen. 1951 wurde endlich die neue Rennabteilung eröffnet. Nur waren die erfolgreichen Ladepumpen inzwischen nicht mehr regelkonform. Das war die Geburtsstunde einer technischen Sensation. Erich Wolf konstruierte den Motor der neuen DKW RM 350, Ein V3-Zweitakter, bei dem die äußeren Zylinder bis auf 15 Grad fast senkrecht standen, der mittlere jedoch waagerecht nach vorne zeigte, wodurch die Maschine sehr schmal gebaut und auch thermisch stabil blieb. Im Juni 1952 debütierte die RM 350 beim Eilenriederennen in Hannover. Ewald Kluge und Siegfried Wünsche erreichten gleich einen Doppelsieg. 1956, inzwischen leistete die Maschine 45 PS bei damals ungeheuren 13.000 Umdrehungen, erreichte der mehrfache Deutsche Meister August „Gustl“ Hobl den Titel des Vize-Weltmeisters. Allerdings lag die Motorradindustrie inzwischen am Boden und so wurde der DKW-Rennstall geschlossen. Die RM 350 ist heute legendär. Die hohen Drehzahlen in Verbindung mit der eigentümlichen Zylinderanordnung zuzüglich eines speziellen Resonanz-Auspuffs sorgten für ihren unverwechselbaren, kreischenden Klang. Schnell hatte sie daher auch ihren Spitznamen weg: Die Singende Säge.


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