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Fahrzeuge und ihre Spitznamen

Das Hanomag Kommissbrot


Man kann sie fast hören, die Gören aus den „Miljöh“-Zeichnungen des guten alten Heinrich „Pinselheini“ Zille, wie sie rotznäsig auf dem Trottoir wie die Orgelpfeifen stehen und feixen. Die Mädels mit Zöpfen und verwaschenen Schürzen, Die Jungs in kurzen Hosen mit Schiebermütze und Kruste am Knie, und dahinter rauchen die Kamine über den Mietskasernen der wuchernden Vorstädte; Deutschland in den Zwanzigern. Und am Eck vor der Litfaßsäule steht ein kleiner großer Erfolg aus Hannover und nun singen vorlaut die Kinder: „Ein bisschen Blech, ein bisschen Lack und fertig ist der Hanomag!“

So vielleicht ist es gewesen, irgendwo ab 1925, als die Hannoversche Maschinenbau Aktiengesellschaft, die weltberühmte Hanomag, ihren Kleinwagen 2/10 PS als erstes deutsches Auto im Schrumpfformat auf dem Fließband fertigte. Ein revolutionäres Konzept, wegweisend auch in der Konstruktion: Der kleine Wagen mit 500ccm-Einzylinder-Viertakter und 10 PS wurde über ein Dreiganggetriebe mit Antriebskette auf das rechte Hinterrad angetrieben und erreichte bei einem Benzinverbrauch von etwa vier Litern eine Höchstgeschwindigkeit von gut und gerne 60 Stundenkilometern.

Zwischen 370 und 430 Kilo wog das kleine Mobil, abhängig davon, ob der Kunde eine Limousine, ein Cabriolet, Roadster oder gar einen Landaulet mit hinterem Dachteil als Cabrioverdeck bestellte. Aber in welcher Ausführung auch immer, der Herrenfahrer oder auch die rasante Dame mussten sich aus Gründen der Stabilität mit lediglich einer Türe auf der linken Seite zufrieden geben. Hinzu kam aus Gründen der Sparsamkeit lediglich ein Scheinwerfer in der Mitte, weil das bis 1931gesetzlich noch zulässig war.

Bis 1928 sollten fast 16.000 Hanomag 2/10 ihren Käufer finden. Aber zurück zu den Gören auf dem Trottoir... Revolutionär am kleinen Mobil war die Ponton-Form mit in die Karosserie integrierten Kotflügeln! Dergleichen wurde erst fast fünfundzwanzig Jahre später, nach dem Zweiten Weltkrieg modern. Aber lästerlich ist des Volkes Schnauze, erst recht, wenn es bei einem selbst nur für ein Fahrrad reicht, und das vielleicht. Wie ein Klötzchen sah er aus, der kleine Hanomag, wie das Brot des Militärs, so kurz und knapp und günstig, ganz einfach gemacht aus Roggen und Weizen mit Sauerteig und Hefe, eben ganz ähnlich wie ein bisschen Blech, ein bisschen Lack... Seit dem 16. Jahrhundert wurden die Heeresvorräte „Kommiss“ genannt. Und so wurde der Hanomag 2/10 zum gern belächelten „Kommissbrot“, eine Bezeichnung, unter der ihn bis heute wohl jeder Oldtimer-Fan kennt.

Für uns vom ADAC ist er übrigens ein ganz besonderer Klassiker: Damals erwarben wir sieben Kommissbrote für den ADAC-Straßen-Hilfsdienst, den Vorläufer der ADAC-Straßenwacht. Mit diesen kleinen Fahrzeugen waren die ersten Gelben Engel auf vier Rädern unterwegs!

Text und Foto: Achim Gandras

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