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Fahrzeuge und ihre Spitznamen

VW Rometsch Beeskow – die Banane


Auf der Internationalen Automobilausstellung von 1950 war er eine Sensation. Der elegante Roadster der Berliner Karosseriefirma Friedrich Rometsch stand mit so glatter Linie da, dass die vielen Vorkriegskonstruktionen im Umfeld wahrlich alt dagegen aussehen mussten. Die gestreckte Pontonkarosserie mit den „Radpfeifen“, langen Zierblenden über den Radläufen, sollte stilbildende Wirkung auf den Sportwagenbau in Deutschland haben und fand sich später gar beim Mercedes 300 SL wieder.

Allerdings folgte die berühmt-berüchtigte Berliner Schnauze auch gleich der markant gebogenen seitlichen Linie und schon war die „Banane“ geboren.
Die Karosseriebauer aus Halensee im Westen Berlins, nah dran an Funkturm und Avus, hatten in den Zwanziger Jahren mit Taxi-Aufbauten begonnen. Friedrich Rometsch und Johannes Beeskow waren zuvor schon Kollegen bei Erdmann&Rossi gewesen, einer der berühmtesten Karosseriemanufakturen ihrer Zeit. 1924 jedoch schied Rometsch aus und gründete seine eigene Firma. Die Beziehung zu VW begann in den ganz frühen 50ern, als Johannes Beeskow für Rometsch das Chassis des Käfers verlängerte und viertürige Taxen daraus machte.

Von 1951 bis 1956 entstand schließlich, ebenfalls auf der Käferplattform, das Sportmodell, das als Coupé und Cabriolet ausgeliefert wurde. Beeskow ging später zu Karmann nach Osnabrück und wurde einer der Väter des Karmann-Ghia, ein Welterfolg. Auch der „Große Karmann“, der Typ 34, entstammte seiner begnadeten Feder.

Das Nachfolgemodell des „Rometsch Beeskow“ wurde von 1957 bis 1961 der „Rometsch Lawrence“, ebenfalls benannt nach dem Designer, Bert Lawrence, der zuvor Möbel gestaltet hatte. Der sehr gelungene Entwurf errang 1957 die Goldene Rose auf dem Genfer Automobilsalon.  Aber die aufwändige Handarbeit warf kaum Gewinne ab, zudem musste Rometsch nun für die benötigten Fahrgestelle über Strohmänner ganze VW zum Zerlegen kaufen, weil Volkswagen-Boss Heinrich Nordhoff kein Interesse an Konkurrenz zum eigenen Karmann-Ghia hatte, der ab 1955 gebaut wurde.

Das Ende des Automobilbaus bei Rometsch ist eine echte deutsch-deutsche Tragödie. Als 1961 über Nacht die Berliner Mauer gebaut wurde, konnte plötzlich die Hälfte der gut 90 Mitarbeiter nicht mehr ihren Arbeitsplatz erreichen, weil sie in Ost-Berlin festsaßen. Somit war abrupt Schluss für diese mit schönsten Autos der deutschen Nachkriegszeit.

Die Firma Rometsch existierte bis ins Jahr 2000. Zuletzt wurden Busse umgebaut und Unfallwagen instand gesetzt.

Text und Foto: Achim Gandras

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