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Pebble-Beach Auktionen

Es ging nicht nur um Millionen

Alljährlich trommeln die großen Auktionshäuser die PR-Trommel. Von Rekordergebnissen ist die Rede und wenn der Concours d´Elegance im kalifornischen Pebble-Beach stattfindet, müssen es schon zweistellige Millionenergebnisse sein, die man vermeldet. In diesem Jahr war es ein fantastischer Aston Martin DBR1 aus den Fünfzigern, der rund 22 Mio Dollar erzielte.

Doch die schöne bunte Auktionswelt hat seit 2014 ein wenig an Glanz verloren. Über 1000 Klassiker wurden von 6 Anbietern in der Woche angeboten, aber nur etwas mehr als die Hälfte fanden auch einen Käufer. Der Umsatz der großen Auktionatoren ging von mehr als 400 Mio. Dollar in 2014 auf rund 320 zurück. Auch die Preise bewegen sich seitwärts. Das weist auch der HAGI-Top Index der Historic Automobile Group International aus, der im Juli 2017 gegenüber dem Jahresanfang um 3,25 Prozent nachgab. Im langjährigen Mittel seit 1980 legte der immer knapp zweistellig zu. Das erreichte der Mercedes-Benz Classic Index by HAGI nicht ganz, aber in diesem Jahr hat er bisher um rund 6,5 Prozent zurücklegt.

Aber das ist auch bei anderen Marken zu beobachten. Audis, insbesondere Quattros aus den Achtziger und Neunziger Jahren erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Selbst S-Klassen geraten in den Focus und ordentliche BMW 7er der E32 Reihe schlagen auch schon mit über 10.000 Euro zu Buche.

Eines der preiswerteren Angebote in Pebble Beach gab es “ohne Reserve” beim Massenversteigerer Mecum zu besichtigen. Ein BMW 535iA mit ordentlicher Lederpolsterung wurde für 2000 (!) Dollar verkauft. Das erwartet man in dem vornehmen Umfeld weniger. 


Text: Carl Christian Jancke, Der Autor ist Analyst für die deutschen Märkte bei der Historic Automobile Group International

Die meisten wissen nicht, welchen Ursprung die heutigen Glamour-Auktionen in Paris, Monte Carlo, Goodwood, Pebble Beach oder der Villa Erba hatten: Sie waren anfangs vor allem ein bequemer Markt für Händler, sich mit einem Schlag mit frischer Ware zu versorgen, die sie dann anderweitig verwerteten. Noch heute sitzen viele Wiederverkäufer im Publikum, die sich interessante Occassionen wie einen Mercedes 230 SL (Pagode) für rund 45.000 Dollar nicht entgehen lassen. Der Preis weist auf ein Restaurierungsobjekt hin, denn Autos in tadellosem Zustand sind mindestens doppelt so teuer. Für einen Restaurator ist der Wagen aber auch ein Schnäppchen. Und wenn ein 1957er 190 SL für nur 99.000 Dollar den Besitzer wechselt, ist leicht vorstellbar, dass der Wagen für 125.000 wieder angeboten wird.

Das hat auch den Grund, dass sich das Interesse der Nachfrager zunehmend zu jüngeren Fahrzeugen verlagert, die HAGI im Mercedes-Benz Classic Index als Emerging Classic-Index misst. Fahrzeuge wie die Mercedes SL (R107) aus den Siebziger und Achtziger Jahren erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Aber auch der Nachfolger R129 rückt langsam in den Blickpunkt des Klassiker-Liebhabers. Ihr Einfluss auf den Gesamtindex steigt.

Da wundert es kaum, dass die US-Ausgabe des 107er, ein 560 SL aus 1989, also einer der allerletzten, bei Bonhams für 66.000 Dollar verkauft wurde. Den Preis würde der Wagen hierzulande wohl nicht erzielen. Der Motor hat weniger Leistung als der hier verkaufte 500er, das Auto hat eine Hinterachse, die auf die schlechten Highways in den USA ausgelegt ist und nicht auf die Autobahn und die Glubschaugen und dicken Stoßstangen machen den SL ja auch nicht eleganter. Eine Stelle weniger rangiert ein 12 Zylinder Jaguar XJS Cabrio, das bei Mecum gerade mal 6.000 Dollar brachte. Nachweislich auch in der US-Version mit den gleichen auf den US-Markt verweisenden vorgeschriebenen Verschandelungen.

So bietet die Pebble-Beach-Woche jedes Jahr eine Vielzahl von Autos, die deutsche Beobachter dort gar nicht vermuten. Auch bei Mecum gab es einen relativ neuen Aston Martin DB9, der 44.000 Dollar bringen sollte. Die wollte niemand bezahlen. Oder ein seltener Alpina Z8, der bei Bonhams immerhin 200.000 Dollar brachte. Ein breites Angebot.

In Deutschland ist die Auktionskultur leider nicht weit verbreitet. Außer zwei Versteigerungen des englischen Hauses “Coys” bei der Technoclassica und beim Oldtimer Grand Prix hat es immer wieder Versuche gegeben, auch diesen Vertriebsweg in Deutschland für Autos zu etablieren. Es gab mit “Auctionata” selbst die Gründung eines neuen Auktionshauses, das insbesondere Autos online versteigern wollte. Die Firma ging im Frühjahr 2017 pleite.

So wird man auch weiter den Weg nach Paris, Pebble Beach, Goodwood oder Monaco antreten müssen, wenn man auch das mit der Versteigerung verbundene Spektakel live erleben will.




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