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Oldtimer quo vadis?

 

Über 30 Jahre alte Fahrzeuge gelten als automobiles Kulturgut - sofern Sie die Voraussetzungen für die Zulassung mit einem H-Kennzeichen erfüllen. Oldtimer und deren nachfolgende Generationen in der Politik zu vertreten, hat sich der ‚Parlamentarische Arbeitskreis Automobiles Kulturgut‘ zur Aufgabe gemacht.

Im Rahmen der regelmäßig stattfindenden Sitzungen im Bundestag standen am 9. Mai 2012 die neuesten Entwicklungen rund um das Thema Oldtimer auf der Tagesordnung.


  • Diskutiert wurden Wachstumsraten im Oldtimersegment

    Besonders intensiv wurde dieses Mal das Wachstumspotenzial von Fahrzeugen mit H-Kennzeichen diskutiert. Ist ein Fahrzeug mindestens 30 Jahre alt, kann es von einer der amtlich anerkannten Prüfstellen ein Gutachten für eine H-Zulassung erhalten. Entscheidend dabei ist, ob das Fahrzeug weitestgehend original erhalten ist und sich in einem erhaltenswürdigen Zustand befindet.

    Ein gut erhaltener VW Golf I kann also durchaus mit einem H-Kennzeichen gefahren werden, ebenso die ersten produzierten Exemplare des Mercedes 190, des sogenannten Baby-Benz. Doch ist durch Autos, die in großen Stückzahlen in den 80er und 90er Jahren gebaut wurden, eine übermäßig steigende Zahl an Oldtimern mit H-Kennzeichen zu erwarten?


  • Anteil der Oldtimer gerade mal bei 0,5 %

    Die von der Classic Data Marktbeobachtung GmbH (www.classic-data.de) aufgearbeiteten Zahlen des Verbands der Automobilindustrie (VDA) belegen, dass nur wenige von ihnen den Status des historischen Automobils mit H-Kennzeichen erreichen.

    Am 01.01.2008 verzeichnete die Statistik rund 1.183.706* Pkw mit einem Alter zwischen 20 und 30 Jahren, die sogenannten Youngtimer. Pkw mit H-Kennzeichen wurden am selben Tag mit einer Anzahl von 164.225* verzeichnet. Vier Jahre später, am 01.01.2012, lag die Zahl der Youngtimer bei 1.700.000*, die der H-Kennzeichen tragenden Pkw bei rund 231.064*. In den letzten 10 Jahren betrug die Zunahme an Pkw mit H-Kennzeichen jährlich durchschnittlich 9 %*. Der Anteil von Oldtimern am Gesamtbestand von 42,9 Millionen Pkw (Quelle: KBA, 01.01.2012) liegt damit bei lediglich 0,5 %*.

    Auch die starken Jahrgänge weit verbreiteter Modelle und die verbesserte Haltbarkeit von Fahrzeugen aus den 80er Jahren sind nicht als Anzeichen für eine von zahlreichen Medien heraufbeschworene ‚Oldtimerschwemme‘ zu deuten. Politische Hürden zur Erreichung der 30-Jahres-Grenze – wie beispielsweise verschärfte Emissionsstandards und damit einhergehende höhere Steuern, Konjunkturimpulse wie Abwrackprämien und Steuererleichterungen für Neufahrzeuge als Kaufanreize – verhindern diesen Effekt erfolgreich.


  • Angst vor Oldtimerschwemme unbegründet

    Verantwortlich für das Ausscheiden von über 20jährigen als potentielle Oldtimer ist darüber hinaus laut Classic Data auch ihr vergleichsweise geringer Marktwert. Da ein Unfallschaden oder eine größere Reparatur schnell den Fahrzeugwert des entsprechenden Youngtimers überschreiten können, entscheiden sich viele Besitzer im Zweifelsfalle gegen den kostspieligen Erhalt. Der Oldtimer-Nachwuchs hingegen rekrutiert sich entweder aus gut erhaltenen, unverbastelten Originalen, relativ teuren Exoten wie BMW Z1 oder De Lorean oder eben selteneren, restaurationswürdigen Sondermodellen. In großen Stückzahlen gebaute Autos – sogenannte Brot- und Butterautos – sind aufgrund ihres Gebrauchtwagendaseins sogar stärker vom Aussterben bedroht, da ihnen der „natürliche Artenschutz“ der hochpreisigen Youngtimer eben nicht zugedacht wird.

    Dass sich Geschichte oftmals wiederholt erkennt man allein schon daran, dass auch vor 30 Jahren eher ein Ford 15M Turnier das Zeitliche segnete als eine sternenbewehrte Pagode. Beispiele aus der Vergangenheit wie die „Ente“, der Renault 4 oder ein Fiat 500 sind mittlerweile hoch gehandelte Raritäten, wobei „hoch gehandelt“ relativ ist und nichts mit den Preisspekulationen auf Hochpreisauktionen zu tun hat, die häufig in den fachfremdem Medien dargestellt werden. Die Frage nach einer bevorstehenden Welle von „neuen“ Oldtimern ist also ganz klar mit nein zu beantworten, die Angst vor einer „Oldtimerschwemme“ somit unbegründet.


  • Fachfremde Medien zeichnen oftmals ein verzerrtes Bild

    Kritisch zu betrachten ist dagegen die Berichterstattung der Publikumsmedien – wohlgemerkt nicht der Fachpresse - zum Thema Oldtimer. Nicht nur Motor- sondern auch Wirtschaftsredaktionen interpretieren die Zahlen gern tendenziös und führen teils unrealistische Beispiele an: Hohe Renditen aus einem Oldtimer-Verkauf und eine „drohende Oldtimerschwemme“ können schnell zu einem verzerrten Bild in der Öffentlichkeit – Oldtimer als Hobby der Reichen - führen.

    Wer Oldtimer lediglich als Renditeobjekt oder Youngtimer als inflationären Nachwuchs vor dem Hintergrund einer Steuererleichterung betrachtet, macht es sich zu einfach und verfehlt das Ziel. Laut Studie des Oldtimerweltverbandes FIVA liegt der Wert jedes einzelnen Oldtimers in 78 % der Fälle unter 15.000 Euro und stellt daher mitnichten ein Hobby ausschließlich für reiche Herrenfahrer dar. Darüber hinaus wird der, wenn überhaupt vorhandene Wertzuwachs eines Oldtimers durch notwendige Wartungs- und Unterbringungskosten aufgefressen, sodass von „Garagengold“ nur in wenigen Fällen die Rede sein kann.

    Im Vordergrund der meisten Oldtimerenthusiasten stehen die emotionalen Gründe für das geliebte Hobby – eben der Aspekt, dass ein Oldtimer Kulturgut ist, den es als technisches und kulturelles Erbe zu erhalten gilt.

     

    *Quelle: VDA


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