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Charta von Turin wird auch politisch diskutiert

Parlamentskreis Automobiles Kulturgut

 

Beim Parlamentskreis Automobiles Kulturgut (PAK) trafen sich am 6. Februar 2012 mehr als 50 Oldtimer-Experten aus Wirtschaft, Industrie und Clubszene.


Auf der Agenda der dreistündigen Sitzung im Berliner Paul-Löbe-Haus des Deutschen Bundestags standen neben dem Tagesordnungspunkt „Antragsstatus Sonderkennzeichen“ die Präsentation einer Allensbacher Studie im Auftrag des VF-Verlags und die Vorstellung der aktuellen Version der „Charta von Turin“, ins Leben gerufen von der Fédération Internationale des Véhicules Anciens (FIVA).


  • Status Sonderkennzeichen
    Der Vorsitzende des drei bis vier Mal jährlich tagenden Parlamentskreises, Thomas Jarzombek MdB, eröffnete die Gesprächsrunde und erläuterte den Status zum Thema Sonderkennzeichen. Ursprung dieses Vorgangs bildet die Forderung des Veteranen-Fahrzeug-Verbands auf Wiedereinführung einer fast 50 Jahre lang ohne Probleme praktizierten Regelung.

    Dieser bei der Überführung der von der StVZO in die FZV verloren gegangene Passus ermöglichte Motorrädern, die älter als Baujahr 1959 sind, das sogenannte Leichtkraftrad Kennzeichen (130 mm Höhe und 255 mm Breite). Mittlerweile ist diese Thematik als Antrag auf die Einführung von Kennzeichen mit Sonderformat auf andere Kennzeichen wie Klebekennzeichen ausgedehnt worden.

    Nach der Diskussion der Sitzung des PAK am 7. November 2011 (der ADAC Oldtimer-Newsletter berichtete darüber) wurden verschiedene Stellen um eine Einschätzung gebeten, wie eine Lösung des Problems herbeigeführt werden könnte. Auf Grundlage dieser Ergebnisse soll das Thema weiter verfolgt werden, was jedoch einige Zeit beanspruchen könne.

  • Allensbacher Studie
    Im nächsten Tagesordnungspunkt präsentierte Michael Kaiser vom VF-Verlag die Ergebnisse aus einer Allensbacher Studie zum Thema „Old- und Youngtimer“, die mit Unterstützung des Verbands der Deutschen Automobilindustrie (VDA) durchgeführt wurde.

    Aus den Ergebnissen von 760 Befragungen wurde die Affinität zu Old- und Youngtimern sowie das dieser Thematik innewohnende Verbraucherverhalten auf die Gesamtbevölkerung Deutschlands hochgerechnet. Dass 4,42 Millionen Interessierte eine Fachzeitschrift lesen oder gar einen Old- oder Youngtimer im Haushalt haben, überraschte dabei nicht.

    Zahlenmäßige Unterschiede ergaben sich durch die Definition „Oldtimer“, bei der differenziert wurde zwischen Fahrzeugen, die bereits den Status mit H-Kennzeichen haben oder lediglich über 30 Jahre alte Gebrauchtwagen sind.
    Die anschließende Diskussion drehte sich um die Zukunft der Oldtimerszene – den Nachwuchs. Die Studie ergab u.a., dass Besitzer von Fahrzeugen mit einem Alter von bis 25 Jahren noch kein ausgeprägtes Interesse zeigen, ein Fahrzeug bis zur Erlangung des Oldtimerstatus und darüber hinaus zu begleiten.

    Was ebenfalls zum Nachdenken anregen könnte ist die Tatsache, dass das Durchschnittsalter der Inhaber klassischer und historischer Fahrzeuge relativ hoch liegt: Der Youngtimerbesitzer ist mit rund 47 Jahren unwesentlich jünger als der Oldtimerbesitzer, der gut 52 Lenze zählt. Doch letztlich vermag eine Studie nicht mehr zu reflektieren als hochgerechnete Zahlen. Eine verbindliche Prognose für die Zukunft der Oldtimerszene lässt sich daraus nicht ableiten.

  • FIVA Charta von Turin
    Bereits mit Spannung erwartet, stand als abschließender Tagesordnungspunkt die „Charta von Turin“ der FIVA auf der Agenda.

    Die FIVA vertritt als Weltverband momentan mehr als 1,5 Millionen Oldtimerbesitzer aus 62 Ländern und möchte gewährleisten, dass historische Fahrzeuge auch in der Zukunft ohne Restriktionen auf öffentlichen Straßen fahren können. Horst Brüning, Präsident der FIVA, reiste aus Schweden zur Sitzung des PAK an, und erläuterte einleitend, dass seit 2009 eine Arbeitsgruppe an der Charta arbeitet und mittlerweile den zweiten Entwurf zur Diskussion gestellt hat. Nun sind die Vertretungen der jeweiligen Länder erneut um Anmerkungen und Feedback gebeten worden, bevor das Dokument auf der Generalversammlung der FIVA in München im Herbst 2012 zur Verabschiedung vorgelegt wird.

    Von der ADAC Oldtimer-Sektion, der nationalen Vertretung der FIVA für Deutschland, ist die aktuelle Version wunschgemäß erneut überarbeitet worden. Der ADAC nutzte hierbei die Chance, die zusammengefassten Verbesserungswünsche im Rahmen des PAK vorzustellen und die Motivation für die vorgenommenen Umgestaltungen zu erläutern.

    Die Überarbeitung konnte bereits im Vorfeld mit einigen anderen Clubs und Verbänden (u.a. VDA, ZDK, ASC und DAVC) abgestimmt werden. Für die Mehrheit der anwesenden Teilnehmer war diese Version jedoch noch unbekannt, während der derzeit offiziell gültige Entwurf der FIVA Arbeitsgruppe bereits im Vorfeld der Sitzung des Parlamentskreises Automobiles Kulturgut an die Teilnehmer verteilt wurde.

    In der anschließenden, teilweise kontroversen Diskussion, konnten die Vertreter des ADAC aber größtenteils plausibel machen, dass die angesprochenen Problempunkte im offiziellen Entwurfspapier bereits erkannt wurden und im vorgestellten Entwurf der ADAC Oldtimer-Sektion berücksichtigt sind. So war der Tenor am Ende der der Sitzung fast einheitlich: Falls eine Charta für den korrekten Umgang mit historischen Fahrzeugen benötigt wird, muss sie so verständlich und präzise sein, dass sie auch von der Mehrheit der Oldtimerbesitzer mitgetragen werden kann.

    Die ADAC Oldtimer-Sektion wird ihre Vorschläge sowie alle Anmerkungen aus der deutschen Oldtimerszene an die FIVA Arbeitsgruppe zur Prüfung weiterleiten. Inwieweit die Änderungswünsche in die endgültige Charta von Turin einfließen können, wird sich im Laufe des ersten Halbjahres 2012 zeigen, wenn auch das Feedback der anderen Länder vom Oldtimerweltverband gesichtet und beurteilt worden sind.

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