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Fahrverbot und Wirtschaftskrise

Ölkrise von 1973


Es ist ein bis dato unbekanntes Bild, das sich den ungläubigen Schaulustigen von den Autobahnbrücken am 25. November 1973 bietet: kein Auto weit und breit, dafür Fahrradfahrer auf der Überholspur und abenteuerlustige Spaziergänger dort, wo an jedem anderen Sonntag bislang die Blechlawine der Ausflügler rollte.

Es ist der erste von vier autofreien Sonntagen, die als Reaktion auf die Ölkrise 1973 verhängt worden war.


  • Ölpreisschock

    Die Organisation der Erdöl exportierenden Länder (OPEC) kündigt damals aus politischem Kalkül an, die Fördermengen um etwa fünf Prozent zu drosseln. Damit wollen die OPEC-Staaten den ölabhängigen Westen unter Druck setzen, sich im so genannten Jom-Kippur-Krieg, dem vierten arabisch-israelischen Krieg im Rahmen des Nahostkonflikts, von Israel zu distanzieren.

    In der Folge steigt am 17. Oktober 1973 der Ölpreis von rund drei US-Dollar pro Barrel (159 Liter) auf mehr als fünf US-Dollar – ein Plus von rund 70 Prozent. Im Verlauf des kommenden Jahres klettert der Weltölpreis dann weiter auf mehr als zwölf US-Dollar. In der Bundesrepublik Deutschland verstärken die um rund 17 Milliarden D-Mark höheren Kosten für die Erdölimporte im Jahr 1974 die Wirtschaftskrise, die zu einem deutlichen Anstieg von Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit, Sozialausgaben und Insolvenzen von Unternehmen führt.


  • Auswirkungen auch in den europäischen Nachbarländern

    Doch auch die Auswirkungen auf den Verkehr im allgemeinen und die Automobilindustrie im besonderen sind gravierend. Neben dem Sonntagsfahrverbot werden in der Bundesrepublik Deutschland neue Geschwindigkeitsbegrenzungen eingeführt: Tempo 80 auf den Landstraßen und 100 Stundenkilometer auf der Autobahn. Der Spareffekt ist jedoch so gering, dass die Tempolimits bereits nach vier Monaten wieder aufgehoben werden.

    Auch in unseren Nachbarländern zeigt der Ölpreisschock seine Wirkung: So verhängt Österreich von Mitte Januar bis Mitte Februar 1974 einen autofreien Tag pro Woche, der per „Wochentags-Pickerl“ auf der Windschutzscheibe dokumentiert wird. Tempolimits und Energieferien flankieren die Spritspar-Aktivitäten in der Alpenrepublik. Und Italien führt gar die Benzingutscheine wieder ein, aus Angst vor dem Ausbleiben der Urlauber. Ebenfalls als Folge der ersten Ölkrise verabschiedet der amerikanische Kongress im Jahr 1975 strenge Flottenverbrauchgesetze, um den Energieverbrauch der Mobilität zu senken.


  • Beispiele der Auswirkungen auf die Autohersteller

    Das alles bleibt natürlich nicht ohne Auswirkungen auf die neuen Modelle der Automobilindustrie. So steht die Entwicklung des Mercedes 190 (W 201) ganz im Zeichen der ökologischen und ökonomischen Gegebenheiten der späten 1970er Jahre – und die sind immer noch geprägt von den Nachwehen der ersten Ölkrise von 1973.

    Ergo beschränkt sich die Motorenpalette bei Markteinführung des „Baby-Benz“ Ende 1982 zunächst ausschließlich auf zwei Liter große Vierzylinder, die in Verbindung mit den anderen Konstruktionsmerkmalen des Typ 190 – wie Leichtbau und Aerodynamik – sparsam im Verbrauch sind und trotzdem ansprechende Fahrleistungen ermöglichen.

    Bei Jaguar beeinflussen die Nachwehen der Ölkrise die Entwicklung der Neuauflage der XJ-Limousinenbaureihe. Beim 1986 debütierenden XJ 40 setzen die englischen Entwickler ebenfalls auf Motoren-Downsizing und verzichten konsequenterweise auf die Möglichkeit, ihr größtes Triebwerk, den V12-Zylinder unter der Motorhaube zu integrieren.

    Doch mit maximal sechs Zylindern in der Luxusklasse wollen sich die Herrenfahrer rund um den Globus nicht zufrieden geben und fordern nachdrücklich das prestigeträchtige V12-Triebwerk zurück. Nur leider passt dieses nicht in den Motorraum des XJ 40 und so muss Jaguar nachbessern: Die Briten konstruieren den Vorderwagen neu und bringen 1993 dann endlich die ersehnte V12-Version ihrer Oberklasse-Limousine.


    Text: Theo Gerstl


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