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Fahrzeugmuseum Suhl

Simson - viel mehr als nur die Schwalbe


Fahrzeugmuseum Suhl

Die Stadt Suhl kann auf eine mehr als 120-jährige Tradition im Fahrzeugbau zurück blicken. Anhand von etwa 240 Fahrrädern, Mopeds, Kleinrollern, Mokicks, Motorrädern und Automobilen wird diese Entwicklungsgeschichte im Fahrzeugmuseum Suhl auf 1100 m² anschaulich präsentiert.

Vom Holzkohlestahl zum Automobil

Bereits 1856 wurde die Firma Simson & Co, hervorgegangen aus einem Stahlhammer, gegründet. Sie fertigte zunächst Holzkohlestahl, Gewehre und Gewehrläufe bis schließlich im Jahre 1896 mit der Fahrradproduktion begonnen wurde. Von 1911 bis 1934 widmete sich die Firma auch dem Automobilbau. Der erste vorgestellte PKW, ein Simson A, wurde nur in sehr geringer Stückzahl produziert. Der ab 1924 gebaute Wagen Simson-Supra hatte einen Königswellenantrieb, obenliegender Nockenwelle und 4-Ventiltechnik. Die vielen Erfolge im Motorsport überzeugten die Käuferschaft, sodass der Simson-Supra in verschiedenen Ausführungen bis 1934 gebaut wurde. Mehrere Modelle dieses wichtigen Teils der Suhler Automobilgeschichte sind in der Ausstellung vertreten. 
Mit der Enteignung der jüdischen Familie Simson wurde in Suhl der Automobilbau beendet und bis Kriegsende das Leichtmotorrad BSW mit einem 98 ccm Zweittaktmotor von Fichte & Sachs gebaut.

DDR-Wirtschaftsführung beendete den Motorradbau

Nach dem Ende des 2. Weltkrieges wurden Teile des Werkes als Reparationsleistungen demontiert. Ab 1950 wurde dann die AWO 425 (ab 1952 Simson 425) gebaut, die im Volksmund “Dampfhammer“ hieß. 1956 begann dann zusätzlich die Produktion der Touren-AWO (12 PS) und des Sportmodells Simson 425S (14 bzw. 15,5 PS). 1961 beschloss die DDR-Wirtschaftsführung schließlich die Motorradproduktion landesweit in Zschopau bei MZ zu konzentrieren, sodass nach etwa 212.000 Motorrädern die Produktion in Suhl eingestellt wurde. 
Neben diesen in Suhl gebauten Motorrädern stehen in der Ausstellung viele Zweiräder weitere Suhler Hersteller wie BWS, Rennsteig, Henkel. Aber auch Motorräder der Marken DKW (Werk Zschopau), BMW, MZ, ABC, JAWA, um nur einige zu nennen, komplettieren die überaus  sehenswerte Motorradausstellung. 

Die Vogelserie

Bereits 1955 wurde bei den Simson - Werken, parallel zur Motorradproduktion, das erste Moped der DDR, die SR1 (Simson Rheinmetall) gebaut. Bis 1957 wurden von diesem Modell immerhin 152.000 Stück gefertigt. Vom Nachfolgemodell Simson SR2 und SR2 E (das E steht für Export) wurden bis 1964 insgesamt etwa 900.000 Mopeds produziert. Bis heute bekannter sind aber vor allem die Mopeds aus der „Vogelserie“ (Schwalbe, Spatz, Star, Sperber und Habicht). Sie wurden ab 1964 in dem Thüringer VEB Fahrzeug- und Jagdwaffenwerk Simson Suhl hergestellt. Dank der ausgestellten Fahrzeuge lässt sich die Entwicklungsgeschichte im Moped- und Kleinkraftradbau in der Stadt Suhl sehr gut nachvollziehen. 

Simson Motorsport

Auf Befehl des sowjetischen Generaldirektors wurde 1952 mit dem Bau von Straßenrennmaschinen begonnen. Große Erfolge sollten sich aber vor allem mit den Simson Geländemaschinen einstellen. Neben vielen nationalen und internationalen Erfolgen ist der größte Erfolg wohl der Gewinn der Enduro-Weltmeisterschaft im Jahre 1990 auf einer Simson GS80 zu nennen.  Alle ausgestellten Sportmotorräder von umgebauten Serienmaschinen bis hin zu Kleinstserien der Marken  AWO, MZ und Simson zeigen den technischen Fortschritt der Sportmaschinen der 1950er bis 1980er Jahre. 

Greifzu-Rennwagen

Paul Greifzu, ein deutscher Automobil- und Motorradrennfahrer, arbeitete ab 1920 - nach der Lehre als Werkzeugmacher und Mechaniker -  in der Kraftfahrzeugwerkstatt seines Vaters. Ab 1921 nahm er an Autorennen teil und war in den 1940er und 1950er Jahren einer der besten deutschen Rennfahrer. Im Jahre 1952 verstarb er bei einem Trainingsunfall. Neben Informationen zu seinem bewegten Leben ist auch der von ihm gebaute Rennwagen, auf Basis eines BMW 328, ausgestellt. 

Sonderschauen, Entwicklungsabteilung und Autokino

Eigene Ausstellungsbereiche zu den Themen Suhler Fahrräder, Automobile aus Thüringen und Sonderausstellungen mit den Themen “Six Days“ und “45 Jahre Silbervase“ bereichern das Museum. Interessant anzuschauen ist auch der Nachbau der Simson Entwicklungsabteilung mit den DDR-Besonderheiten in der Zweiradentwicklung. Ein kleines Autokino komplettiert die Ausstellung. 


Fahrzeugmuseum Suhl
Friedrich-König-Straße 7
98527 Suhl
Öffnungszeiten: täglich 10 - 18 Uhr, 24.12. und  31.12. von  10 - 14 Uhr


Weitere Informationen zu Oldtimermuseen gibt es hier: www.Oldtimermuseen.de  oder www.deutsche-museumsstraße.de 

Text: Dieter Lammersdorf 
Bildquelle: Fahrzeugmuseum Suhl

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