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Moving Stars – Autos der Filmgeschichte

DeLorean DMC-12







Eine späte Kultkarriere in der Zukunft

Im realen Autoleben floppte er nach nur einem Jahr Serienproduktion, erst durch seine Leinwandkarriere in der Trilogie „Zurück in die Zukunft“ erreichte er Kultstatus: Der DeLorean DMC-12. Unser Autor Egbert Schwartz blickt in den cineastischen Rückspiegel.

Es ist kurz nach ein Uhr in der Nacht, als der 17-jährige Marty McFly mit seinem Skateboard auf dem Gelände des Einkaufszentrums „Twin Pine Mall“ von Hill Valley eintrifft. Weit und breit keine Spur von dem Wissenschaftler Doc Emmett Brown, der ihn hierher beordert hat. Nur dessen Hund „Einstein“ sitzt mit treuem Blick vor einem mitten auf dem Parkplatz geparkten Truck mit großem Kofferaufbau. Als sich dessen Heckklappe öffnet und daraus zischend und dampfend ein flacher Sportwagen rückwärts auf den Asphalt rollt, kriegt Marty vor Staunen den Mund nicht mehr zu. Dann schwingt die Fahrertüre der Alukarosserie auf und Doc Brown schält sich aus dem mit allerlei futuristischen Zusatz-Displays und Extra-Schaltern gespickten Cockpit. Jetzt findet Marty seine Sprache wieder: „Wahnsinn! Ein DeLorean!“ 
Es ist eine der frühen Schlüsselszenen in dem mittlerweile zum Kultstreifen avancierten Film „Zurück in die Zukunft“, der 1985 abgedreht wurde und noch im selben Jahr weltweit in die Kinos kam. Noch keinen Kultstatus hatte zu diesem Zeitpunkt der von Doc Brown zur Zeitmaschine umgebaute DeLorean DMC-12 – wie es Marty's bewundernde Äußerung vermuten lässt.

Hop und Flop: Das kurze Leben des DMC-12

Das mit knapp 1,14 Meter ultraflache Coupé hatte seine reale Produktionskarriere bereits knapp drei Jahre hinter sich, als es für den Film entdeckt wurde: Nur 8.583 Exemplare sind von März 1981 bis Ende 1982 in Dunmurry nahe der nordirischen Hauptstadt Belfast montiert worden. Es ist das kurze Leben eines geträumten Langzeitprojekts, das der ehemalige GM-Manager John DeLorean 1975 im Alter von 50 Jahren mit der Gründung der „DeLorean Motor Company“ angekurbelt hat. Sein Ziel: Die Entwicklung und Produktion eines „sicheren, ethischen und ökologisch korrekten Automobils“. Den ersten Entwurf der zweisitzigen Karosserie, die von Beginn an in nachhaltig rostfreiem Edelstahl geplant ist, zeichnet Giorgetto Giugiaro: Dabei adapatiert er eine nicht realisierte Vorlage für den Porsche 928, verfeinert sie mit der Linienführung seiner Maserati-Studie Medici II und ergänzt diese mit Elementen der Modelle Bora und Merak. Ein erster Prototyp des bereits mit Airbags ausgerüsteten „DSV“ (DeLorean-Safety-Vehicle) wird Anfang 1977 mit einem 102 PS schwachen Vierzylinder aus dem Citroën CX bestückt, ein zweiter nur wenige Monate später mit einem 2,7-Liter V6 Alu-Triebwerk. Dieser so genannte PRV-Europa-Motor, eine Gemeinschaftsentwicklung von Peugeot-Renault-Volvo – vor der Ölkrise ursprünglich als V8 geplant – erfordert aufgrund seiner Größe ein neues Antriebslayout: Das Aggregat muss nun hinter der Hinterachse statt in der Mitte installiert werden. Ein Katalysator kastriert die Leistung in der späteren Serienversion auf 97 kW (132 PS) – und beschleunigt damit letztlich den  Verkaufsflop des knapp 1,4 Tonnen schweren (Un-)Sportwagens. Ein Grund für das hohe Gewicht ist die aufwändige Technik in den spektakulären Flügeltüren, die mittels Gasdruck- und Torsionsfedern aufschwingen. Das unter Erfolgs- und Zeitdruck schließlich von Colin Chapmann und seiner Sportwagenmanufaktur Lotus auf Basis des Esprit zum DMC-12 fertig entwickelte Projekt krankt Zeit seines kurzen Lebens an Qualitätsmängeln. Als die britische Regierung ihre Kredite für den Aufbau der DeLorean-Fabrik einstellt und John DeLorean nach einem fingierten Drogendeal in USA der Prozess gemacht wird sowie darüber hinaus in Großbritannien eine Anklage wegen Veruntreuung droht, muss sein Unternehmen Insolvenz anmelden und Ende 1982 zusperren. Zu diesem Zeitpunkt stehen noch mehrere hundert DMC-12 in Dunmerry auf Halde. Schon bald stiegen Nachfrage und Preise sprunghaft an, die letzten Exemplare gingen für über 50.000 Dollar weg.

Von Flop zu Top: Filmkarriere als Zeitmaschine

Es ist allerdings ein 1981er Exemplar, in dem kurz nach dessen erstem Film-Rollout auf dem Twin Pine Mall-Parkplatz zunächst einmal Doc Browns Labrador „Einstein“ sitzt. Sein Herrchen schickt Hund und Auto per Fernbedienung für eine spektakuläre Minute auf Zeitreise in die Zukunft. Was Marty zu der Frage bringt: „Moment mal Doc – Wollen Sie mir weißmachen, Sie bauen eine Zeitmaschine aus einem DeLorean?“ Doc's Antwort darauf klingt wissenschaftlich logisch: „Tja, ich sehe das so: Wenn man schon eine Zeitmaschine in einen Wagen einbaut, dann bitteschön mit Stil. Abgesehen davon: Die rostfreie Stahlkarosserie macht die Dispersions…“ Seine begonnene Auführung wird vom fulminanten Gegenwart-Wiedereintritt des komplett vereisten DeLorean unterbrochen. 

Ein DMC-12 als Zeitmaschine. Diese Idee kam Produzent Steven Spielberg und Regisseur Robert Zemeckis erst mit einer späten Version des Drehbuchs von „Zurück in die Zukunft“. Ursprünglich war ein Kühlschrank für diese „Rolle“ vorgesehen. Bedenken, junge filmbegeisterte Nachahmer könnten sich in so einem Gerät einschließen und ersticken, führten schließlich zur finalen Rollenbesetzung mit einem DeLorean. Der überzeugte durch seine futuristisch anmutenden Elemente: die Keilform, das Konzept der Flügeltüren sowie die unlackierte Edelstahl-Karosserie. Spielbergs Filmgesellschaft konnte mehrere DMC-12 günstig erwerben und bestückte den „Hauptdarsteller“ mit technisch effektvoll wirkendem Equipment wie beispielsweise dem legendären „Fluxkompensator“, der laut Doc Brown „Reisen durch die Zeit erst möglich macht“ oder einem rot-grün-gelben Zeitdisplay. Den Energieschub von 1.21 Gigawatt für den Zeitsprung liefert ein Atomreaktor im Heck, der im ersten Teil der Trilogie mit Plutonium arbeitet. In den beiden folgenden ist an seiner Stelle ein Fusionsgenerator („Mr. Fusion Home Energy Reactor“) eingebaut, den der Doc von seiner Zukunftsreise mitgebracht hat und der beliebige Materie (z.B. Abfall) in Energie wandeln kann. Er wurde aus dem Gehäuse einer elektrischen Krups-Kaffemühle des Typs Coffina 223 gebaut. Weil der serienmäßige V6-Motor des DMC-12 auch den Filmemachern zu schwerfällig agierte und zu „brav“ klang, wurde dem Leinwand-Exemplar ein Chevy-V8-Triebwerk mit 5,0 Liter Hubraum implantiert. Alle weiteren Stunt-Double-Fahrzeuge – darunter auch jenes, das am Ende des letzten Teils komplett zerstört wird – hatten das Serienaggregat im Heck. Der Film-DeLorean soll sich seit langem im Besitz eines kalifornisches Sammlers befinden, ein Exemplar steht im Petersen Automotive Museum in Los Angeles, die übrigen Stunt-Doubles werden in den Universal-Filmstudios präsentiert – alle anderen DMC-12 im Zeitmaschinen-Outfit, die heutzutage in der Szene auftauchen, sind Replikas. 

Text und Fotos: Egbert Schwartz 

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