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Moving Stars – Autos der Filmgeschichte

Ford Mustang 390 GT Fastback


Aus dem Jahr 1928 stammt dieses Foto, das Peter Patz als Vorlage zur Restaurierung seiner Universelle sehr hilfreich war.




Jagdszenen in San Francisco

Sie gilt als eine der spektakulärsten Sequenzen der Filmgeschichte: Die rund zehn Minuten lange Verfolgungsjagd zwischen einem Ford Mustang und einem Dodge Charger durch die Straßen von San Francisco im Actionstreifen „Bullit“. Unser Autor Egbert Schwartz blickt in den cineastischen Rückspiegel.

Ein Mann steigt in einen dunkelgrün-metallic lackierten Ford Mustang 390 GT, fixiert einen schwarzen Dodge Charger 440 Magnum R/T auf der gegenüberliegenden Straßenseite, startet seinen V8 und fädelt sich dann in den Straßenverkehr der Fisherman's Wharf Area von San Francisco ein. Am Lenkrad des Mustang Fastbacks: Steve McQueen als Police-Lieutenant Frank Bullit im gleichnamigen Action-Krimi („Bullit“) von 1968. Das Dodge Coupé, besetzt mit zwei auf den ersten Blick durchaus seriös wirkenden Herren, folgt ihm mehr oder weniger gemächlich.

Bei der Premiere des knapp zwei Stunden langen Streifens am 3. Januar 1969 ahnen die Zuschauer noch nicht, dass sich diese relativ entspannt wirkende Auftaktszene rasant zu einer 10:53 Minuten langen Verfolgungsjagd auswachsen und in einem fulminanten Feuerunfall enden wird. Mittlerweile haben „Bullit“, „Mr. Cool“ McQueen und der Ford Mustang längst absoluten Kultstatus. Ebenso wie die spannungsgeladene Hatz der Protagonisten, die zunächst durch die mit knapp 31 Grad Gefälle bzw. Steigung sprunghügeligen Häuserschluchten um die Filbert und Union Street sowie Van Ness Avenue im Stadtteil Russian Hill, die Bernal Heights und den Mission District führt. Sie setzt sich dann aus der Stadt heraus über den kurvenreichen Guadalupe Canyon Parkway fort und endet im kleinen Vorort Brisbane: Nach einem heftigen Karosserie-Schlagabtausch und drei Schüssen, die einer der beiden Gangster aus dem Charger heraus mit seiner Pumpgun auf den Mustang abfeuert, crasht der Dodge in eine Tankstelle. Bullit fängt seinen schleudernden Mustang nur halb ein und bleibt dann mit den Vorderrädern in einem Straßengaben hängen. Aus dem Seitenfenster blickt er zurück auf den Feuerball einer Explosion.

Pony- gegen Muscle-Car

Sowohl der Ford Mustang als auch der Dodge Charger waren brandaktuelle Modelle ihrer Zeit, also jeweils 1968er Jahrgang. Automobil-Experten von damals konstatierten nach der Uraufführung des Streifens allerdings, der Mustang 390 GT Fastback hätte mit dem serienmäßigen Motor leistungsmäßig eigentlich keine Chance gegen den Charger R/T gehabt: Unter der charakteristischen Front des bereits in den 60er-Jahren legendären US-Ponycar Mustang wummerte ein klassischer V8-Zylinder mit – der Modellbezeichnung entsprechend – 390 cubic inches. Das Triebwerk, in europäischen Maßbechern also 6,4 Liter groß, war mit einem Holley-Einfach-Vergaser bestückt und leistete knapp 330 PS bei 5.600 Umdrehungen. Die Kraftübertragung erfolgte beim Bullit-Modell über ein Viergang-Schaltgetriebe, das in den fast elf Minuten der Jagdszene insgesamt 16-mal hoch-, aber nie hörbar heruntergeschaltet wird. Der Dodge Charger, ein typisches Muscle Car seiner Zeit, schöpfte dagegen aus einem mit Zweistufen-Vergasern bestückten, 440 cubic inches (7,2 Liter) großen V8 rund 380 PS bei 4.700 U/min. Die Fahrwerke der Filmautos – Ford und Dodge hatten jeweils zwei Exemplare beider Modelle gestellt – wurden für die Sprunghügel und schnellen Kurven mit einer härteren Federung und Dämpfung (Konis beim Mustang) modifiziert und mit Unterbodenplatten für den Asphaltaufschlag gewappnet. 

Um das Unfallrisiko in den für den öffentlichen Verkehr stundenweise abgesperrten Straßen der Ortsteile zu minimieren, sollten die Autos bei ihrer Verfolgungsjagd mit maximal rund 120 bis 130 km/h unterwegs sein. Tatsächlich wurden dann auf dem Highway Geschwindigkeiten bis zu 180 km/h gefahren. 

Ein Oscar für den Schnitt

Die über einen Zeitraum von fünf Wochen gedrehten Sequenzen der Verfolgungsjagd wurden am Ende von Filmeditor Frank P. Keller zu jener nun legendären Elf-Minuten-Szene zusammengeschnitten, für die er 1969 dann auch den „Oscar“ erhielt. Allerdings konnte selbst Keller einige logische Schnitzer nicht mehr eliminieren, die sich im Laufe des Drehs der Autohatz eingeschlichen hatten. So werden dem Dodge Charger in zackig eingelenkten Kurven sowie bei unsanften Kontakten mit Bordsteinkanten offensichtlich insgesamt fünf (!) Radkappen weggesprengt. Und an vier gleichen Stellen wird von beiden Protagonisten immer wieder derselbe grüne VW Käfer – allerdings aus verschiedenen Perspektiven – überholt.

In einigen Szenen saß Steve McQueen – neben der Schauspielerei bekanntermaßen auch als Rennfahrer aktiv – selbst am Lenkrad des Mustang. Die heikleren Passagen übernahmen abwechselnd Stunt-Koordinator Carey Loftin, die Stuntfahrer Bud Eskins und Loren James sowie Stuntman Bill Hickman, der dann im Film selber aktiv in der Rolle des Dodge-Fahrers zu sehen ist. McQueen schätzte ihn als „wohl einen der weltbesten Stuntdriver“, sich dagegen als „den schlechtesten“ ein. In Vorbereitung auf die Action-Szenen, für die zudem acht weitere Stuntfahrer für die Komparsen-Autos eingesetzt wurden, hatten beide zusammen auf einer Rennstrecke nördlich von San Francisco das enge Parallelfahren miteinander trainiert. 

Einer der beiden Ford Mustang-Exemplare erwies sich nach dem Abschluss der Dreharbeiten als irreparabel und wurde verschrottet. Der andere soll sich unbestätigten Gerüchten zufolge in einer privaten Scheune irgendwo im Tal des Ohio River befinden. Allerdings gibt es zahlreiche, von Mustang- und „Bullit“-Fans aufgebaute Replicas. Ford selbst lancierte 2001 sowie 2008 je ein GT-Sondermodell unter der Bezeichnung „Mustang Bullit Edition“ mit dem Zusatz 1 bzw. 2. Für die Werbekampagne der ersten Ausgabe wurde eine Sprunghügel-Sequenz aus „Bullit“ an Originalschauplätzen nachgestellt – mit Steve McQueens Sohn Chad hinter dem Lenkrad eines im authentischen „Highland Green“ lackierten Mustang Edition.

Text und Fotos: Egbert Schwartz 

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