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Motorrad-Magie – Wanderer, Baujahr 1918


Vorkriegs-Oldtimer haben etwas Magisches. Wer einmal vom gutartigen Veteranen-Bazillus befallen ist, der zieht ihn unweigerlich in seinen Bann, löst vielfach eine Sammelleidenschaft aus. Viele restaurieren die alten Schätzchen selbst, denn die alte Technik ist im wahrsten Sinne des Wortes noch begreifbar und damit verständlich. Um die meisten Oldies ranken sich spannende Geschichten: Angefangen von immer seltener werdenden Scheunenfunden, über Unikate bis hin zu Absonderlichkeiten, die sich aus dem Steuerrecht früherer Tage ergeben. In einer Serie stellen wir im ADAC-Oldtimer-Newsletter einige dieser tollen Vorkriegsmotorräder und ihre Besitzer vor. Aber Vorsicht! Es besteht Ansteckungsgefahr.

„Virus Veteranen“ erwischte Markus Grafe schon früh 

Inzwischen hat der 39-Jährige die ganze Familie angesteckt
Diesen Satz können nur Insider verstehen – doch die verstehen ihn allzu gut: „Wenn es gutartige Viren gibt, ist Ibbenbüren einer“, sagt Markus Grafe aus Westerkappeln ganz im Norden Nordrhein-Westfalens. Mit Ibbenbüren ist die Int. Ibbenbürener Motorrad-Veteranen-Rallye gemeint, bei der sich der heute 39-Jährige bereits in jungen Jahren den „Virus Oldtimer“ eingefangen hat. Inzwischen hat er seine ganze Familie angesteckt.  
Schon als Teenager war Markus Grafe von den tollkühnen Männer in ihren knatternden Kisten fasziniert. Mit dem Fahrrad fuhr er die knapp 10 Kilometer von Westerkappeln nach Ibbenbüren. Hier war er an jedem Pfingstwochenende Dauergast im Fahrerlager. Bald reifte die Entscheidung: So ein altes Motorrad willst Du auch haben. Sein erster Oldtimer war eine Miele K20, Baujahr 1939, den Markus Grafe 1996 aus weiten Kreise der Familie erwerben konnte. Im Jahr 2000 kaufte sich der junge Westfale in Weil am Rhein eine Wanderer K500. Er hatte sie im Internet entdeckt und zugeschlagen. Es war einiges dran zu schrauben, doch die Fertigstellung musste aus verschiedenen Gründen immer weiter aufgeschoben werden. Und so wartet die K500 auch heute noch auf ihren ersten Einsatz. 
Dann ein Glücksfall, der die Restauration der K500 noch weiter in die Ferne rücken ließ: Markus Grafe konnte nur zwei Jahre nach dem Ausflug an den Rhein im Ibbenbürener Fahrerlager eine fahrbereite Wanderer kaufen. Baujahr 1918, 327 ccm, 2,5-Steuer-PS, in der Realität 6 PS. Der Zwei-Ventil-Motor ist seitengesteuert. Das Motorrad war das erste von Wanderer, das alternativ mit Ketten- und Riemenantrieb verkauft wurde. Grafes Neuerwerb hat Kettenantrieb mit einem besonderen Detail: Die Kette lässt sich mit einer kleinen Schraube – ganz ohne Werkzeug – spannen. Der ganze Oldtimer ist praktisch im Originalzustand, nur der Sattel musste inzwischen erneuert werden. Und ein Vorbesitzer hatte ein Luftsieb auf dem Vergaser montiert. 
ST-W1918 ist das treffende Kennzeichen, das ihm eine pfiffige Dame von der Kfz-Zulassungsstelle des Kreises Steinfurt vorgeschlagen hatte. Grafes Initialen MG hätten nicht auf ein kleines Nummernschild gepasst. Im geliehenen Wohnwagen und mit Freundin Ilona begann 2003 Grafes Zeit als 24-jähriger „Veteran“, denn um wirklich dazuzugehören, muss man auch im Fahrerlager campieren, selbst wenn das eigene Bett nur einen Steinwurf entfernt ist. 
Freundin Ilona ist längst Frau Grafe, und das Paar hat inzwischen drei Kinder. Markus kann inzwischen auf 15-Ibbenbüren-Starts zurückblicken, fährt aber im Rahmen des ADAC-Classic-Revival-Pokals auch bei anderen Veranstaltungen. Vater Rainer (67) war nur einmal am Start und Ilona dreimal. Seine jüngeren Geschwister Karsten (32) und Christina (24) hat Markus dagegen gründlich angesteckt. Beide gehören inzwischen auch zu den Dauergästen in Ibbenbüren. Christina fährt dabei übrigens die Miele K20 ihres großen Bruders. 
Die nächste Generation steht schon in den Startlöchern. Zwar sind Tamina (9), Lotta (7) und Ghia (6) noch weit davon entfernt, zumindest mit einem Mofa auf die Straße zu dürfen. Beim Kidscup auf der Aschenbahn des Stadions bei der Ibbenbürener Veteranenrallye können sie sich aber auf Kindercross-Motorrädchen schon mal im Gleichmäßigkeitsfahren beweisen. Mit Erfolg: In diesem Jahr belegten die drei Grafe-Mädels die ersten drei Plätze von 13 Startern. Ghia landete mit einer Yamaha PW50 als Jüngste des Trios ganz oben auf dem Treppchen – bei einem vorgegebenen Schnitt von 15 km/h mit einer Abweichung von 0,89 Sekunden auf die Idealzeit.  

Text und Foto: Gregor Mausolf

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