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Motorrad-Magie – Ostner Dresden

Neuerwerb nach rund 20 Jahren


Vorkriegs-Oldtimer haben etwas Magisches. Wer einmal vom gutartigen Veteranen-Bazillus befallen ist, der zieht ihn unweigerlich in seinen Bann, löst vielfach eine Sammelleidenschaft aus. Viele restaurieren die alten Schätzchen selbst, denn die alte Technik ist im wahrsten Sinne des Wortes noch begreifbar und damit verständlich. Um die meisten Oldies ranken sich spannende Geschichten: Angefangen von immer seltener werdenden Scheunenfunden, über Unikate bis hin zu Absonderlichkeiten, die sich aus dem Steuerrecht früherer Tage ergeben. In einer Serie stellen wir im ADAC-Oldtimer-Newsletter einige dieser tollen Vorkriegsmotorräder und ihre Besitzer vor. Aber Vorsicht! Es besteht Ansteckungsgefahr.

Von Ostner Dresden gibt es nur 40 „aktive“ Maschinen

Mitunter dauert es lange, bis man den Wunsch-Oldtimer sein eigen nennen kann. Manchmal sogar sehr lange. Bei Hans-Jürgen Schiffner aus Königsbronn in Baden-Württemberg waren es zwei Jahrzehnte, bis ihm die OD (Ostner Dresden) SS50, Baujahr 1930, gehörte. „Die OD  ist eine Neuerwerbung für mich, obwohl ich die Maschine schon seit 20 Jahren kenne“, berichtet der 58-Jährige. „Sie hatte bei mir den Oldtimer-Bazillus ausgelöst, und im Oktober 2015 konnte ich die Maschine kaufen.“ Auch seine Frau Susanne hatte schon einige Male dieses Motorrad als Leihgabe gefahren. Es ist in den Proportionen für sie wie maßgeschneidert. Da brauchte der Gatte keine große Überzeugungsarbeit leisten. „Wenn die Ehefrau erst mal überzeugt ist, ist der Rest ein Kinderspiel“, schmunzelt Hans-Jürgen Schiffner.

Weniger als 1000 Motorräder gebaut

Motorräder von Ostner Dresden sind relativ unbekannt. Willi Ostner kam aus Dresden und baute zusammen mit seinem Bruder seit Mitte der 1920-er Jahre Motorräder in Dresden. Daher stammt auch der Name OD. Nach Schiffners Recherchen wurden insgesamt weniger als 1000 Motorräder mit einem Hubraumbereich von 200 bis 1000 ccm produziert. Bei den meisten kamen MAG- oder Bark-Motoren zum Einsatz. Rund jedes zehnte aller gebauten Motorräder hat „überlebt“ und ist bekannt. Hiervon sind rund 40 Maschinen regelmäßig bei Oldtimer-Veranstaltungen in ganz Deutschland am Start. Lange dauerte die Ära OD nicht. Schon Mitte bis Ende der 1930-er Jahre wurde die Motorradfabrikation bei Ostner wieder eingestellt.  
SS 50 ist die Typenbezeichnung von Schiffners unrestaurierter OD. Der 58-Jährige ist erst der vierte Besitzer dieses Motorrades, dessen gesamte Historie sauber dokumentiert ist. Alle relevanten Papiere sind noch vorhanden. „Unrestauriert ist natürlich eine relative Bezeichnung, denn das Motorrad wurde über seine 87 Jahre hin immer in einem technisch guten Zustand gehalten“, weiß Hans-Jürgen Schiffner. Zuletzt hat er Zünder, Vergaser und Armaturen überarbeitet – so wie es schon alle Vorbesitzer getan haben, um die OD technisch in Schuss zu halten.

Neupreis lag 1930 bei 1450 Reichsmark 

Aus einem Hubraum von 500 ccm holt die OD eine Leistung von 22 PS mit der eine Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h möglich sind. Neu kostete das Motorrad aus Dresden im Jahr 1930 genau 1450 Reichsmark. Über seinen Kaufpreis im Oktober 2015 schweigt sich Hans-Jürgen Schiffner aus. Und verrät nur soviel: „Sie war nicht billig!“

Text: Gregor Mausolf, Foto: Privat

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