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Motorrad-Magie – NSU OSL 251

Mit dem Jugendweihegeld eine Vorkriegs-NSU gekauft


Vorkriegs-Oldtimer haben etwas Magisches. Wer einmal vom gutartigen Veteranen-Bazillus befallen ist, der zieht ihn unweigerlich in seinen Bann, löst vielfach eine Sammelleidenschaft aus. Viele restaurieren die alten Schätzchen selbst, denn die alte Technik ist im wahrsten Sinne des Wortes noch begreifbar und damit verständlich. Um die meisten Oldies ranken sich spannende Geschichten: Angefangen von immer seltener werdenden Scheunenfunden, über Unikate bis hin zu Absonderlichkeiten, die sich aus dem Steuerrecht früherer Tage ergeben. In einer Serie stellen wir im ADAC-Oldtimer-Newsletter einige dieser tollen Vorkriegsmotorräder und ihre Besitzer vor. Aber Vorsicht! Es besteht Ansteckungsgefahr.

Robin Lewe erwarb bereits mit 17 eine NSU OSL 251, Baujahr 1937
Mit 15 Jahren darf man schon bei vielen traditionsreichen Motorrad-Oldtimerveranstaltungen an den Start gehen. Eigens wird meist eine so genannte Jugendklasse mit ermäßigtem Startgeld eingerichtet. Denn die Szene hat ein riesiges Problem: Es fehlt der Nachwuchs. Je früher man also Teenager für alte Zweiräder begeistert, desto besser. Und mit 15 darf man ja – nach entsprechender Prüfung –Mofas fahren, die sich gerade auch in den 1950-er und 1960-er Jahren großer Beliebtheit erfreuten. Wer hier Blut geleckt hat, will schnell mehr: ein richtiges Motorrad, wenn möglich sogar ein Vorkriegsfahrzeug, kaum dass die 18 Kerzen am Geburtstagskuchen ausgepustet sind. Leider gibt es von diesen jungen Veteranen zu wenige.
Einer der sich für altes Blech schon sehr früh begeistern konnte, ist Robin Lewe aus Sommerfeld in Brandenburg. Das liegt bei den Lewes wohl im Blut. Vater Ronny sieht man auf einer BSA G25 Colonial Vtwin, Baujahr 1925, oder einer DKW LS200, Baujahr 1929. Mutter Yvette und Schwester Linda sind sporadisch ebenfalls hinter dem Lenker klassischer Motorräder zu entdecken. Robin gab sein Debüt bei einer großen Oldtimerveranstaltung mit 17 Jahren. Mit einer Simson SR2 E, Baujahr 1960, mit zarten 50 ccm war in der Jugendklasse dabei. Doch bereits damals stand  für ihn fest, dass das Moped nur eine Übergangslösung auf dem Weg zum richtigen Vorkriegsmotorrad sein würde. Er „vererbte“ die Simson an seine jüngere Schwester, bis auch diese 18 Jahre alt war und auf Vaters Simson AWO 425T, Baujahr 1955, wechselte.

Vorteil: Lehre als Lkw-Mechatroniker
Eine NSU OSL 251, Baujahr 1937, war das Objekt der Begierde für den jungen Brandenburger. „Die NSU hab' ich Mitte 2010 gekauft“, erzählt der inzwischen 24-jährige Robin Lewe. „Ich wollte ein Motorrad, das Sound hat, ein Vorkriegsmodell ist und noch bezahlbar war.“ Schließlich ging er damals noch zur Schule, und sein „Etat“ für den Motorradkauf war sein Jugendweihegeld. Da er wenig später eine Lehre als Lkw-Mechatroniker anfing, machte sich der Teenager vor der Restaurierung nicht bange. Und die Lehre hatte noch einen zweiten Vorteil: Monatlich kam etwas Geld auf sein Konto, schließlich musste ja auch das eine oder andere Ersatzteil gekauft werden. „Mein Papa hat mir geholfen, denn alles konnte ich natürlich noch nicht wissen“, schmückt sich Robin nicht mit fremden Federn. Sein Vater hatte schließlich schon ein paar Motorräder zurück auf die Straße gebracht.
Auf die beiden wartete eine Menge Arbeit, denn Robin Lewe hatte die OSL 251 in Einzelteilen und nicht etwa in fahrbereitem Zustand erstanden. Also erst mal im Internet recherchieren. „Da haben wir dann festgestellt, dass eine Menge fehlte“, muss Robin Lewe einräumen. Zum Glück konnte er in Neuruppin auf dem Teilemarkt viel Brauchbares bekommen.
Der Vorbesitzer hatte schon mit der Restauration begonnen, sie aber nur schlecht umgesetzt. Also mussten Vater und Sohn unter anderem den alten Lack gründlich abschleifen. „Die Lackierung habe ich machen lassen, weil es richtig schön glänzen sollte, es sollte ja alles sehr gut aussehen,“ erzählt Robin Lewe. Mit viel Geduld polierte er die Seitenteile am Tank dagegen selbst und brachte auch sie auf Hochglanz.

Motor musste komplett überholt werden
Auch am Motor gab es viel zu tun. Er musste komplett überholt werden. Nahezu alles musste erneuert werden: Zylinderkopf, Ventile, Ventilsitze, Ventilführungen, Federn.  Der Zylinder hatte einige Krater, und daher ließen die Lewes ihn neu schleifen und eine Laufbuchse einziehen. Das Getriebe musste ebenfalls zerlegt werden, weil hier einige Teile fehlten.
Zwei Jahre nach dem Kauf war es im Frühjahr 2012 endlich soweit. Die NSU OSL 251 sollte erstmals wieder gestartet werden. „Was soll ich sagen: Dreimal treten und sie lief,“ erinnert sich Robin Lewe. „Ich hab gestrahlt und alle Mühen waren vergessen, als ich die Klänge des Auspuffs gehört habe. Einfach geil“.
Dann kam der „Feinschliff“ für die technische Abnahme. Noch am Abend davor brannte in der Werkstatt in Sommerfeld sehr lange das Licht, damit die letzten Arbeiten fertig wurden. „Ich habe dann noch in der Nacht die erste Fahrt bei uns in der Straße gemacht und war einfach nur glücklich,“ blickt Robin Lewe begeistert zurück. „Es ist einfach ein tolles Gefühl mit dem Sound durch Tunnel, unter Brücken oder durch enge Gassen in Wohngebieten zu fahren. Jeder dreht sich um und schaut, weil man so etwas ja nicht alle Tage sieht und hört.“
Inzwischen sitzt Robin Lewe auf einer NSU 501T – nochmal neun Jahre älter und doppelt so viel Hubraum. Die 251 OSL – man ahnt es fast – darf jetzt seine Mutter fahren.

Zusatzinfos:
Die NSU OSL 251 von Robin Lewe wurde 1937 gebaut. Sie hat einen Hubraum von exakt 239 ccm und eine Leistung von 10,5 PS bei 5000 min-1. Damit kann eine Höchstgeschwindigkeit von rund 95 km/h erreicht werden. Die NSU 251 OSL wurde von 1933 bis 1952 gebaut. Bis 1943 wurden rund 35.000 Stück produziert und nach dem Krieg noch knapp 32.500.

Text und Foto: Gregor Mausolf

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