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Motorrad-Magie – Moser

Seltene Motorräder aus der Schweiz: Moser


Vorkriegs-Oldtimer haben etwas Magisches. Wer einmal vom gutartigen Veteranen-Bazillus befallen ist, der zieht ihn unweigerlich in seinen Bann, löst vielfach eine Sammelleidenschaft aus. Viele restaurieren die alten Schätzchen selbst, denn die alte Technik ist im wahrsten Sinne des Wortes noch begreifbar und damit verständlich. Um die meisten Oldies ranken sich spannende Geschichten: Angefangen von immer seltener werdenden Scheunenfunden, über Unikate bis hin zu Absonderlichkeiten, die sich aus dem Steuerrecht früherer Tage ergeben. In einer Serie stellen wir im ADAC-Oldtimer-Newsletter einige dieser tollen Vorkriegsmotorräder und ihre Besitzer vor. Aber Vorsicht! Es besteht Ansteckungsgefahr.


Seltene Motorräder aus der Schweiz: Moser

Tradition wird in der Schweiz großgeschrieben. Die Eidgenossen schaffen in beeindruckender Weise den Spagat zwischen dem Erhalt des Bewährten und der Moderne. Stolz trägt die Moser 500 Luxe von 1933 das Schweizer Wappen auf den Seiten des Benzintanks. Sie gehört Rolf Steiner, der damit auf Oldtimerrallyes manche Wissenslücke füllen kann: Jawohl, auch in der Schweiz wurden einst Motorräder gebaut. Und nicht mal wenige. 18 Marken listet Wikipedia auf, und die Liste ist nicht einmal vollständig. Neben Moser kommen unter anderen Motosacoche, Allegro, Condor, Egli, Zehnder und Moto Reve aus der Alpenrepublik. Zürcher und Lüthi baute die (nicht bei Wiki aufgeführte) Zedel und stellte in erster Linie Motoren her, die zum Beispiel in frühe Modelle von Terrot, NSU, Peugeot, Enfield und Triumph eingebaut wurden. 


Rolf Steiner ist Stammvater im Kanton Aargau
 „Vor mehr als 20 Jahren begann mich der Virus Oldtimer in den Bann zu ziehen“, berichtet Rolf Steiner aus Lupfig im Kanton Aargau. 1996 wurde der heute 59-Jährige Mitglied im zweitgrößten Schweizer Oldtimerclub „Freunde alter Motorräder“ (FAM). Seit 1998 engagiert er sich im Vorstand und ist zugleich Stammverantwortlicher (Stammvater) im Kanton Aargau mit seinen etwa 350 Mitgliedern.


Nur noch rund 25 ,große‘ Moser-Motorräder
Selbst in der Schweiz sind Moser heute sehr, sehr selten. „Im Frühling 1999 konnte ich mit viel Glück eine Moser ergattern“, freut sich Steiner auch heute noch. „Ich spreche hier von Motorrädern mit 350 ccm und mehr“, schränkt der Oldtimerfreund ein, denn kleinere Moser-Mopeds gibt´s dann doch noch einige. „Nach unseren Kenntnissen existieren noch rund  25 ,große‘ Motorräder“, macht Rolf Steiner die aktuellen Stückzahlen deutlich. Die meisten Moser stehen in Sammlungen oder Museen, nur etwa sechs werden hin und wieder auf der Straße bewegt. Kaum überraschend daher, dass sich im Segment oberhalb von 350 Kubikzentimetern alle Moser-Fahrer kennen. Und natürlich auch ihre Motorräder: „Es gibt eine mit einem 750 ccm-V-Zweizylinder-Motor, zwei Motorräder mit 600 ccm (davon eines mit nur einem Auspuff) einige 500-er und auch einige 350-er,“ zählt Steiner auf. „Wir sind heute eine kleine, fast verschworene Gemeinschaft“.   
Schon beim Kauf 1999 war Steiners Moser in einem sehr guten Zustand. Er musste nicht mal etwas restaurieren. „Im Laufe der Zeit habe ich lediglich den Sattel, das  Hinterrad und die Kupplung erneuert. Viele dieser Arbeiten habe ich selber gemacht, oder wenigstens versucht zu machen“, erzählt der 59-jährige, der seit 25 Jahren als Bauführer im Sportbelagsbau in der Baubranche im technischen Innendienst tätig ist, mit Fahrzeugen und deren Instandhaltung also wenig zu tun hat. 


Eigenkonstruktionen von Moser
Steiners Moser 500 hat einen Einzylinder-Motor mit einer Bohrung von 79 mm bei einem Hub von 100 mm. Damit ergab sich eine Leistung von 18 PS. Mit einem Gewicht von etwa 145 kg erreicht sie eine Geschwindigkeit von 130 km/h. Motor und der Rahmen waren komplette Eigenkonstruktionen der Firma Moser, die Fritz Moser in 1902 St. Aubin am Neuenburger See gegründet hatte. Zuvor war er bei Zedel beschäftigt. Von 1902 bis 1935 wurden Motorräder produziert, von 1914 bis 1924 auch Kleinwagen. Fritz Moser zog sich allerdings schon 1930 aus dem Geschäft zurück und verkaufte sein Unternehmen an Allegro. 1947 starb er. 


Präzision war für die Schweizer immer schon ein Thema und so finden sich in der Moser 500 Luxe interessante Komponenten wie  Pilgrim-Doppel-Ölpumpe, Bosch Magnet verstellbar, AMAL-Vergaser und Brampton-Federgabel. Eigentlich ist es überflüssig zu erwähnen, dass sich im Armaturenbrett neben einem Kilometerzähler auch eine Uhr befindet.
2000 Schweizer Franken mussten 1933 für die Moser Luxe zusammengespart werden. 40 Schweizer Franken kamen noch dazu, wenn der Käufer ein Burmann-Viergang-Getriebe mit Handschaltung haben wollte. Aber egal wie viel Kaufkraft damals dahinter steckte, verglichen mit 2000 Franken für das gesamte Motorrad sind 40 Franken nun wirklich nicht der Rede wert...


Wer die Moser de Luxe von Rolf Steiner einmal live und in Aktion sehen möchte, sollte sich das Pfingstwochenende (18. Bis 20. Mai 2018) vormerken. Hier ist der Schweizer bereits seit 17 Jahren regelmäßiger, aktiver Teilnehmer der Internationalen Ibbenbürener Motorrad-Veteranen-Rallye. Doch schon bevor Rolf Steiner und seine Moser ein Gespann wurden, war der Lupfiger zweimal in Ibbenbüren. „Ich besaß damals noch kein Vorkriegs-Motorrad“, meint Steiner, der „nur“ eine Matchless G12 mit 650 ccm von 1959 hatte. Doch die Begeisterung seiner Freunde steckte ihn an, und er machte sich 1997 und 1998 mit ihnen zusammen auf die ziemlich genau 700 Kilometer lange Reise gen Norden. 1999 konnte er dann endlich selbst mit einem Vorkriegsmotorrad starten.   

Infos:  www.fam-amv.ch  und  www.veteranenrallye.de




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