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Motorrad-Magie – Douglas 1912

Mit internationaler Hilfe eine uralte Douglas zusammengebaut

Fleißarbeit: Irgendwann kam beim Abschmirgeln der alten Farbe die Original-Lackierung zum Vorschein. Foto: privat
In der Werkstatt von Hans Overveld nahm die Douglas langsam Gestalt an. Doch bis zur Fertigstellung war es noch eine Menge Arbeit. Foto: privat
Erst mit einem Motor von 1912 war die altersgerechte Restaurierung der Douglas überhaupt möglich. Foto: privat
Nach zehn Monaten Arbeit glänzte die Douglas wieder wie am ersten Tag. Foto: privat
Die Premiere für Overvelds Douglas von 1912 war natürlich die Ibbenbürener Veteranenrallye – schließlich hatte er hier die Hinweise auf wichtige Ersatzteile bekommen. Foto: Gregor Mausolf


Motorrad-Magie: Vorkriegs-Oldtimer haben etwas Magisches. Wer einmal vom gutartigen Veteranen-Bazillus befallen ist, der zieht ihn unweigerlich in seinen Bann, löst vielfach eine Sammelleidenschaft aus. Viele restaurieren die alten Schätzchen selbst, denn die alte Technik ist im wahrsten Sinne des Wortes noch begreifbar und damit verständlich. Um die meisten Oldies ranken sich spannende Geschichten: Angefangen von immer seltener werdenden Scheunenfunden, über Unikate bis hin zu Absonderlichkeiten, die sich aus dem Steuerrecht früherer Tage ergeben. In einer Serie stellen wir im ADAC Oldtimer-Newsletter einige dieser tollen Vorkriegsmotorräder und ihre Besitzer vor. Aber Vorsicht! Es besteht Ansteckungsgefahr. 


Niederländer fand Rahmen von 1912 in einer Scheune

Da gehört Mut zu: Geld ausgeben für einen verrosteten Rahmen, von dem man nicht mal weiß, was für ein Motorrad sich dahinter verbirgt. Hans Overveld aus dem niederländischen Halle hatte diesen Mut. Der wurde belohnt, denn der heute 65-jährige hatte die Basis für eine rund hundert Jahre alte Douglas gefunden. 
Eigentlich war Hans Overveld zu einer Scheune nahe Enschede gefahren, weil er eine TWN (Triumph Werke Nürnberg) mit 98-er Sachsmotor kaufen wollte. Tat er auch und entdeckte dabei besagten Motorradrahmen. Den musste er haben – ohne genau zu wissen, was er da kaufte. 

Aber wozu hat man Oldtimerfreunde. Es könnte ein Douglas-Rahmen sein, spekulierte Overveld und rief einen Bekannten im Nachbarort an, der sich mit der englischen Motorradmarke bestens auskennt. Als Overveld bei ihm auf den Hof fuhr, hatte der seine Expertise schon durch das Küchenfenster gemacht: „Das ist eine Douglas von 1912 mit Direktantrieb“. Es folgten längere Ausführungen über Douglas im Allgemeinen und diese im Speziellen. Und der Bekannte gab ihm noch ein paar Teile aus seinem Douglas-Fundus mit auf den Weg, damit er diese in seiner Werkstatt in Halle nachbauen konnte.

Wie in jedem Jahr ging’s Pfingsten nach Ibbenbüren zur Int. Motorrad-Veteranen-Rallye. Der Niederländer packte den verrosteten Rahmen mit ein, denn sicher gibt es im Fahrerlager den einen oder anderen Rat. Geballtes Oldtimer-Wissen, was man es nur auf großen Veteranentreffen findet. Ein solcher Tipp kam von einem Landsmann – ebenfalls ein Douglas-Sammler. Er kannte einen weiteren Oldtimerfreund, der einen Tank für die englische Maschine hat. „Einen Original-Tank von 1912 bekommt man nicht jeden Tag“, meint der Hans im Glück, dachte nicht lange nach und fuhr am nächsten Tag los, um den Tank abzuholen.

Auch englischen Oldtimerfreunden erzählte Hans Overveld im Fahrerlager von seinem Neuerwerb. Vier Wochen später klingelte daheim in Halle das Telefon. „Hi Hans, this is Philip. I think, I ’ve found an engine for your Douglas“. Die englische Oldtimer-Zeitschrift „The Old Bike Mart“ war noch druckfrisch, dennoch war bei einer solchen Rarität Eile geboten. Einen Original-Antrieb für die Douglas, passendes Baujahr, Motornummer 5101, Zweizylinder mit 340 ccm Hubraum – das konnte sich der Holländer einfach nicht entgehen lassen. Ein schnelles zweites Telefonat mit dem Inserenten. „Innerhalb von fünf Minuten war ich Eigentümer von einem Douglasmotor von 1912“, berichtet Overveld stolz. Als der Verkäufer hörte, dass der Anrufer bereits den passenden Rahmen hatte, bot er sofort noch einen original Sattel an.

Was dann kam, ist eine Geschichte, die so nur bei echten Oldtimerfreunden funktioniert. Sein britischer Freund hatte ihm versprochen, sich bei Bedarf um den Transport zu kümmern. „Hans, es ist alles geregelt“, gab der Engländer schon eine Stunde nach dem telefonischen Kauf die Rückmeldung. Seine Tochter musste ran, schließlich wohnte die in Schottland, und da lag auch der Motor. Drei Tage später schon war das Aggregat in England, wo Overveld es zwei Monate später anlässlich seiner Tour zu Europas größtem Auto-Teilemarkt Beaulieu Autojumble (nahe Southampton) abholte. 

Zu diesem Zeitpunkt hatte der Holländer schon kräftig angepackt. Der Rahmen war ebenso restauriert wie die Vordergabel. Den Einlassstutzen fertigte er komplett neu – aus Aluminium. Eine zeitraubende Fleißarbeit war das sorgfältige und behutsame Abschmirgeln des Tanks. Nach zwei Farbschichten kam das Original zutage. So also war er vor rund 100 Jahren lackiert worden. 

Etwa 300 bis 400 Stunden Arbeit, so schätzt Overveld, stecken in der Douglas. Sie haben sich auf jeden Fall gelohnt. Nach zehn Monaten ist die „alte Dame“, wie er sie zärtlich nennt, wieder wie aus dem Ei gepellt. Ein wahres Prachtstück, zusammengesucht mit internationaler Unterstützung. „Ohne die Hilfe meiner Freunde wäre mir das nie gelungen“, weiß Hans Overveld.

Text: Gregor Mausolf

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