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Motorrad-Magie – DWK NZ 350

Yannick Otten restaurierte mit väterlicher Hilfe eine DKW NZ 350

Vor der Restaurierung sah die DKW NZ350 wenig attraktiv aus.
Ein stolzer Teenager mit damals 18 Jahren: Yannick Otten auf seiner selbst restaurierten DKW.
Schon als Vierjähriger war Yannick Otten von alten Motorrädern begeistert. Hier dreht er einige langsame Runden im Fahrerlager in Ibbenbüren als Beifahrer auf dem Tank der DKW SB350.
Das Stöbern in der Geschichte ermöglichen alte Bedienungsanleitungen. Dies beginnt gleich auf der Titelseite. Wer weiß schon, dass die Auto Union AG – zu der DKW gehörte – ihre Hauptverwaltung in der Bernd-Rosemeyer-Straße in Chemnitz hatte. Eine Bernd-Rosemeyer-Straße sucht man heute in Chemnitz vergeblich. Sie hat wieder ihren ursprünglichen Namen Scheffelstraße.


Vorkriegs-Oldtimer haben etwas Magisches. Wer einmal vom gutartigen Veteranen-Bazillus befallen ist, der zieht ihn unweigerlich in seinen Bann, löst vielfach eine Sammelleidenschaft aus. Viele restaurieren die alten Schätzchen selbst, denn die alte Technik ist im wahrsten Sinne des Wortes noch begreifbar und damit verständlich. Um die meisten Oldies ranken sich spannende Geschichten: Angefangen von immer seltener werdenden Scheunenfunden, über Unikate bis hin zu Absonderlichkeiten, die sich aus dem Steuerrecht früherer Tage ergeben. In einer Serie stellen wir im ADAC-Oldtimer-Newsletter einige dieser tollen Vorkriegsmotorräder und ihre Besitzer vor. Aber Vorsicht! Es besteht Ansteckungsgefahr.

Stolzer Oldtimer-Besitzer mit nicht mal 18 Jahren

Wie stellt man sich eine „alten Hasen“ unter den Oldtimerfahrern vor? Ergrautes Haar, wahrscheinlich schon Rentner mit ausreichend Kleingeld für altes Blech. In unserem Fall völlig falsch. Yannick Otten aus Nettetal am Niederrhein ist noch nicht einmal 24 Jahre alt, kann aber durchaus mit manchem alten Hasen der „Oldtimerei“ mithalten. Dank eines passenden familiären Umfeldes hat er die Begeisterung für klassische Zweiräder quasi schon mit der Muttermilch aufgesogen. Als er als Teenager endlich selbst motorisierte Zweiräder fahren durfte, waren das nicht etwa moderne Mofas sondern eine NSU Quick, Baujahr 1949, und die NSU Quickly, Baujahr 1958. 
Und er fieberte dem Tag entgegen, an dem er endlich 18 werden sollte. Führerschein Klasse A und damit mehr Hubraum. Aus gutem Grund, es wartete schon eine DKW NZ 350 auf den jungen Mann – nicht etwa fix und fertig dank reicher Eltern, vielmehr selbst mit väterlicher Hilfe von Grund auf renoviert. Das Motorrad war mit Baujahr 1939 viermal so alt wir ihr Besitzer.
„Der Weihnachtsmann hat mir soeben Folgendes gebracht“ postete Yannick Otten Weihnachten 2011 im Forum des Veteranen-Fahrzeug-Verbandes (VFV), einem Korporativclub des ADAC. Auf dem daneben stehenden Foto ist eine alte, leicht speckige „Betriebsanleitung für DKW-Motorräder – Modelle NZ 250 und NZ 350“ zu sehen. Damit kann man heutzutage sicher kaum einen Heranwachsenden begeistern. Yannick Otten schon! Warum, das belegen weitere angehängte Bilder: In seinem ganzen Zimmer verteilt warteten Teile der DKW auf ihren Zusammenbau. Ganz klar, der Junge hat Benzin im Blut. 
Für den damals 17-Jährigen gab es nur ein Ziel. Bis Pfingsten musste seine NZ 350 fertig sein. Da treffen sich traditionell Oldtimerfreunde aus verschiedenen Ländern zur Ibbenbürener Motorrad-Veteranen-Rallye – der größten Veranstaltung ihrer Art in Europa, ausgerichtet vom Automobilclub Ibbenbüren e.V. im ADAC. Pfingsten war in dem Jahr – genau wie jetzt 2017 – erst im Juni. Nur so konnte Yannick dort mit einem großen Motorrad starten, denn er feierte ganze drei Tage vor der ersten Ausfahrt seinen 18. Geburtstag. Optimistisch hatte er sich aber schon im Januar mit der NZ 350 angemeldet. Die DKW wurde natürlich erst auf den letzten Drücker fertig, und so musste Vater Norbert Otten für seinen noch minderjährigen Sohn die ersten Erprobungsfahrten machen.
Anfang des Jahres erst hatte Yannick Otten die DKW bekommen. Ein Freund seines Vaters hatte das Motorrad erworben, doch irgendwann war die Lust an den Oldtimern vorbei. Teilzerlegt fristete die DKW ihr Dasein und wartete auf einen neuen Frühling. „Der Motor war schon gemacht und einige Teile verchromt“, erzählt Otten, „der Rest war zwar schon sandgestrahlt, lag aber zehn Jahre lang im Keller.“  
Zehn Jahre sind eine lange Zeit für unbehandelte Metallteile, und so stand für die meisten Komponenten eine erneute Oberflächenbehandlung an. Erst dann konnten die Lackierung und das Auftragen der Lineaturen in Angriff genommen werden. 100-prozentig fertig war die NZ350 bei ihrem Debüt nach der Restaurierung noch nicht. Das vordere Schutzblech fehlte. „Es war noch beim Lackierer, also habe ich ein altes rausgekramt und mit der Dose lackiert, damit ich nicht ohne Schutzblech fahren musste“, schmunzelt der Nettetaler heute über den Wettlauf mit der Zeit. Ach ja, auch der Tacho war leider auch nicht rechtzeitig da. Macht nichts, den braucht man bei den gemütlichen Touren einer Veteranenrallye ohnehin nicht.
Der Auspuff war für die größte Schwierigkeit bei der Restaurierung. Die Halterung war verrostet und musste komplett neu gebaut werden. Auch der Schalldämpfer selbst war recht marode. Yannick Otten zerlegte ihn, und er wurde teilweise neu geschweißt. 
Ganz ungetrübt verlief die Jungfernfahrt trotz der 100-Kilometer-Probefahrt nicht. Eine rutschende Kupplung machte Yannick Otten zu schaffen, und er musste einen ganzen Tag lang ohne den vierten Gang fahren. Im Ziel angekommen ist er trotzdem.

Infos:

Die DKW NZ 350 hat – wie die Typenbezeichnung schon sagt – einen Hubraum von 350 ccm. Der Zweitaktmotor leistet 11,5 PS bei 4000 Umdrehungen pro Minute. Damit wird eine Höchstgeschwindigkeit von 105 km/h erreicht. Das Fahrzeug hat ein Viergang-Getriebe mit Fuß- und Handschaltung. Von der DKW NZ 350 wurden von 1938 bis 1943 inklusiv Wehrmachtsmodell rund 45300 Fahrzeuge produziert.


Text: Gregor Mausolf, Foto: privat

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