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Motorrad-Magie – Bleha

Zwei Sauerländer gemeinsam unterwegs

Stilecht gekleidet: Frans Dransfeld mit seiner Bleha.

Vorkriegs-Oldtimer haben etwas Magisches. Wer einmal vom gutartigen Veteranen-Bazillus befallen ist, der zieht ihn unweigerlich in seinen Bann, löst vielfach eine Sammelleidenschaft aus. Viele restaurieren die alten Schätzchen selbst, denn die alte Technik ist im wahrsten Sinne des Wortes noch begreifbar und damit verständlich. Um die meisten Oldies ranken sich spannende Geschichten: Angefangen von immer seltener werdenden Scheunenfunden, über Unikate bis hin zu Absonderlichkeiten, die sich aus dem Steuerrecht früherer Tage ergeben. In einer Serie stellen wir im ADAC-Oldtimer-Newsletter einige dieser tollen Vorkriegsmotorräder und ihre Besitzer vor. Aber Vorsicht! Es besteht Ansteckungsgefahr.

Bleha von Franz Dransfeld ist 36 Jahre älter als ihr Besitzer
Aus, weg, für immer vorbei. Da wo früher große Produktionshallen standen, rollt heute der Verkehr. Und kaum ein Auto- oder Motorradfahrer auf der Autobahn A46 ahnt, dass er über geschichtsträchtiges Terrain fährt. Einer indes weiß es ganz genau: Franz Dransfeld aus Neheim im Sauerland, das heute zu Arnsberg gehört. In Neheim erblickte er 1960 das Licht der Welt, wohnt auch heute noch hier. Zu dem Zeitpunkt war die Bleha, mit der er gerne auf Veteranentreffen fährt, bereits 36 Jahre alt, also damals schon ein Oldtimer. Sie wurde nämlich 1924 gebaut. Wo denn? Na, in Neheim. So sind heute – 93 Jahre später – noch zwei Sauerländer gemeinsam unterwegs.

Bleha steht für die Namen der Firmengründer Daniel Blecher und Karl Haardt. Wie viele andere Unternehmen auch produzierten sie zunächst Fahrräder. 1922 wagten sie sich zusätzlich an den Bau von Motorrädern. Anfangs kamen die Motoren von DKW. Der Hubraum war mit 143 ccm recht bescheiden, aus ihm wurde eine magere Leistung von 1,5 PS erreicht.

Franz Dransfelds Bleha hatte indes schon einen 170-ccm-Motor mit einer Leistung von 3 PS. Damit ist eine Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h möglich. Die Kraftübertragung erfolgt mittels Riemenantrieb auf das Hinterrad. Beworben wurden die Bleha-„Leichtkrafträder“ in jenem Jahr mit den Attributen „schnittige Form“, „stabile Ausführung“ und „sofort lieferbar“. Bei der Ortsangabe Neheim/Ruhr wurde Wert auf den Zusatz gelegt, dass es sich um unbesetztes Gebiet handelte – ganz im Gegensatz zum ab Anfang 1923 bis 1925 okkupierten Ruhrgebiet durch Truppen Frankreichs sowie Belgiens. Gekostet hat die Bleha damals 500 Reichsmark. Sie wurde 2002 restauriert. „Das Motorrad ist heute sehr selten, es sind insgesamt nur noch drei Stück bekannt“, erzählt Franz Dransfeld.

Firmengründer Daniel Blecher starb 1926 bereits in jungen Jahren. Karl Haardt strukturierte anschließend das Unternehmen um und nannte es fortan Ruhrtal-Motorradwerke. Zu der daraus resultierten Abkürzung RMW gesellte sich als zweite Marke „Phönix“. Zeitweise wurden bis zu 50 Motorräder pro Woche gefertigt. Die Ruhrtal-Motorradwerke hatten in besten Zeiten rund 200 Beschäftigte.

Während des Zweiten Weltkrieges durften die RMW keine Motorräder bauen, sondern mussten Fallschirme für die Armee produzieren. Nach Kriegsende wurden zwar wieder Motorräder gefertigt, doch kam die Produktion nie mehr richtig in Schwung und wurde bereits im Jahre 1957 eingestellt. 1982 kam dann auch das Aus für die Produktionshallen zugunsten der neuen Autobahn. Die A46 verläuft genau über das Areal der ehemaligen Bleha-/RMW-Fabrik.

Text: Gregor Mausolf; Foto: privat


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