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Motorrad-Magie – AJS

Bernd Adler kaufte spontan einen Oldtimer auf der Insel


Vorkriegs-Oldtimer haben etwas Magisches. Wer einmal vom gutartigen Veteranen-Bazillus befallen ist, der zieht ihn unweigerlich in seinen Bann, löst vielfach eine Sammelleidenschaft aus. Viele restaurieren die alten Schätzchen selbst, denn die alte Technik ist im wahrsten Sinne des Wortes noch begreifbar und damit verständlich. Um die meisten Oldies ranken sich spannende Geschichten: Angefangen von immer seltener werdenden Scheunenfunden, über Unikate bis hin zu Absonderlichkeiten, die sich aus dem Steuerrecht früherer Tage ergeben. In einer Serie stellen wir im ADAC-Oldtimer-Newsletter einige dieser tollen Vorkriegsmotorräder und ihre Besitzer vor. Aber Vorsicht! Es besteht Ansteckungsgefahr.

AJS aus Norwich in England steht jetzt in Dortmund 

Bernd Adler aus Dortmund hat einen Fable für alte englische Motorräder. Und so klickt er im Internet nicht nur auf deutsche Seiten, sondern hin und wieder auch auf englische. Darunter auch die Seite des im Internet-Auktionshaus e-bay Großbritannien. Hier entdeckte er an einem Sonntag eine AJS aus dem Jahre 1936. Doch der Gedanke daran war schnell verworfen. Schließlich stand das Teil weit weg auf der Insel und außerdem ist die Konkurrenz nahezu weltweit und damit riesig. Am Mittwoch dann erinnerte ihn sein Sohn Tim-Alexander per Mail nochmal an das Angebot. „Am Abend beim Fernsehen habe ich 100 Pfund mehr geboten – in der sicheren Überzeugung, dass das keinesfalls reichen wird“, erinnert sich der 59-Jährige. Zwei Tage später belehrte ihn Tims erneute Mail eines Besseren: „3 – 2 – 1 Deins...“ 


Verkäufer wohnte nur 130 km vom Fährhafen entfernt 

Damit hatte Bernd Adler nun wirklich nicht gerechnet und musste spontan handeln. Am Samstag folgte die erste Kontaktaufnahme mit dem Verkäufer. Der lebte zum Glück nicht in Schottland oder Wales, sondern wohnte nur rund 130 Kilometer vom Fährhafen Harwich entfernt. Bereits am Sonntag hatte Adler für sich und seine Frau Claudia Plätze auf der Fähre von Hoek van Holland nach Harwich nebst Zugwagen und Anhänger gebucht. „Montag war Geldorganisationstag. Da England nicht Euroland ist, mussten Pfunde her. Nicht so einfach bei einer größeren Summe ohne Vorbestellung“, so Adler. Doch es klappte, und damit stand dem Einschiffen abends um 18 Uhr nichts mehr im Wege. 


Ankunft in Harwich am Dienstagmorgen um 7 Uhr. „Wie zuvor verabredet, schellten wir um exakt 9.00 Uhr beim Verkäufer, einem Klempner aus Norwich. Der hatte einer jüngeren Velocette den Vorzug vor der AJS gegeben“, freut sich Bernd Adler. Der Wunsch des Verkäufers nach einer Jüngeren war sein Glück. Bereits eine Stunde später war der Kauf perfekt und das neue „Moped“ schon verladen. Somit blieb noch jede Zeit und es folgte ein wunderschöner Tag in Merry Old England. „Ich konnte die Landschaft, die ich 2014 und 2015 bei Rallyes in der Nacht durchfahren hatte, endlich mal bei hellem Sonnenschein ansehen – lohnenswert“, stellte der Dortmunder bei seinem Spontantrip auf die Insel zufrieden fest. Um 20 Uhr ging’s wieder zurück Richtung Festland, und am Mittwoch um 14.30 Uhr war die heimische Garage wieder erreicht. 


Zu seinen Neuerwerb bekam Bernd Adler in England relativ wenig Informationen. Das Baujahr 1936 ist verbrieft, aber das Motorrad ist nicht 100-prozentig original. Einige Teile stammen aus den 1940-er Jahren. 1989 war die AJS wohl letztmals auf der Straße unterwegs. Das belegt die englische Steuerplakette, die der Dortmunder vom Verkäufer mitbekam. Danach, so berichtete der Engländer, wurde die AJS ab 1991 einer längeren Restaurierung unterzogen. Rechnungen zeigen, dass unter anderem ein Kolben erneuert wurde ein Zylinder geschliffen wurde. Dazu gibt es Quittungen über Ersatzteilkäufe aus jener Zeit. 


350 ccm Hubraum hat Adlers AJS, die für eine Leistung von 16 PS und eine Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h reichen. Der 59-Jährige fährt sie mit einem 07-er-Kennzeichen, sodass er alternativ auch seine Norton N15CS, die Matchless G15 CSR und seine AJS 18 bewegen kann. 


Claudia und Bernd Adler fahren seit Jahren im ADAC Classic Revival Pokal und auch im Oldtimer-Cup-Westfalen-Lippe, der von den beiden ADAC-Regionalclubs Westfalen und Ostwestfalen-Lippe ausgerichtet wird. Erst war er mit Nachkriegsmodellen unterwegs. Doch angesichts der Vielzahl von tollen Vorkriegsfahrzeugen bei der zu beiden Pokalserien zählenden Int. Ibbenbürener Motorrad-Veteranen-Rallye kam schnell der Wunsch auf, in der Vorkriegsliga mitzumischen. Das tat Bernd Adler dann auch – zunächst mit einer geliehenen Norton ES2, Baujahr 1938, und jetzt mit der eigenen AJS. 



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