DruckenPDF

Motorrad-Magie – Ariel Square Four


Vorkriegs-Oldtimer haben etwas Magisches. Wer einmal vom gutartigen Veteranen-Bazillus befallen ist, der zieht ihn unweigerlich in seinen Bann, löst vielfach eine Sammelleidenschaft aus. Viele restaurieren die alten Schätzchen selbst, denn die alte Technik ist im wahrsten Sinne des Wortes noch begreifbar und damit verständlich. Um die meisten Oldies ranken sich spannende Geschichten: Angefangen von immer seltener werdenden Scheunenfunden, über Unikate bis hin zu Absonderlichkeiten, die sich aus dem Steuerrecht früherer Tage ergeben. In einer Serie stellen wir im ADAC-Oldtimer-Newsletter einige dieser tollen Vorkriegsmotorräder und ihre Besitzer vor. Aber Vorsicht! Es besteht Ansteckungsgefahr.


Vier Zylinder zum Quadrat: Ariel Square Four hat ungewöhnliches Motorkonzept

Es ist immer wieder erstaunlich, auf welche Lösungen Ingenieure bereits in der Vorkriegszeit gekommen sind. Vierzylindermotoren bei Motorrädern waren selten, denn sie hatten einen Nachteil. Als Reihenmotoren wurden sie längs eingebaut, wodurch sich ein langer Radstand und damit zumindest der teilweise Verlust an Handlichkeit ergab. Daran, den Motor quer einzubauen, traute man sich damals nicht. Aber schon 1930 sorgte die Ariel 500 Square Four auf der Olympia Motorcycle Show für Furore. Die Besonderheit: Ihre vier Zylinder sind im Quadrat angeordnet.

Motorenentwickler Edward Turner hatte die verwegene Idee: Warum soll man nicht die Zylinderbohrungen wie bei einem Würfel im Quadrat anordnen? Von der Idee bis zur Umsetzung zeigten sich einige Schwierigkeiten, die durch unkonventionelle Entwicklungen gelöst werden mussten. So gab es zwar zwei Kurbelwellen aber eine einzelne, zentrale Schwungmasse. Gesteuert wurden die Ventile durch eine obenliegende zentrale Nockenwelle. Gegenläufige Kurbelwellen mit 180 Grad Hubzapfenversatz sorgten für eine Vibrationsminderung. Die vier Zylinder erhielten das Kraftstoff-Luftgemisch von einem zentralen Vergaser. Ein weiteres modernes Element bei diesem innovativen Motorenkonzept war die Trockensumpf-Umlaufschmierung. 


Motor schnurrte wie ein Kätzchen 

61 mm Hub bei einer Bohrung von 51 mm stellten sich als ein gutes Verhältnis heraus. Dadurch ergaben sich ein ordentliches Drehmoment und eine gute Drehzahlfestigkeit. Der Motor schnurrte dabei wie ein Kätzchen. Er erinnerte vom Sound mehr an einen Sportwagen als an ein Motorrad. 20 PS aus 500 ccm konnten sich für die damalige Zeit durchaus sehen lassen und waren eine wettbewerbsfähige Ansage an den ambitionierten Tourenfahrer. 

Das Jahr 1930 war allerdings alles andere als ein günstiger Zeitpunkt für ein neues Motorrad. Die Weltwirtschaftskrise nach dem „Schwarzen Freitag“ im Oktober 1929 hatte bereits unzählige Existenzen ruiniert und war längst noch nicht überstanden. Noch vor Beginn der Serienfertigung waren außerdem bereits erste kleine Korrekturen an der abenteuerlichen Konstruktion nötig. Das integrierte Getriebe wurde durch die Burmann-Schaltbox ersetzt, die auch bei anderen Ariel-Modellen im Einsatz war.


Hubraum auf 600 ccm erhöht 

1932 erhöhte Ariel den Hubraum auf 600 ccm und damit die Leistung auf 24 PS. Die Herstellungskosten jedoch konnten nicht durch den am Markt erzielbaren Preis gedeckt werden. Die Square Four war ein finanzieller Flop für das Unternehmen mit Sitz in Birmingham. 1937 später präsentierte Ariel das Modell 4G mit 1000 ccm Hubraum und einer Leistung von 36 PS, dazu gab die kleine 4F mit 601-ccm-Motor, die bei gleichem Hub von 75 mm eine Reduzierung der Bohrung von 65 auf 50,4 mm erfuhr. 23 PS bei 5600 Touren leistete diese „Baby Squariel“. Nach dem Krieg wurde bei Wiederaufnahme der Produktion jedoch ausschließlich die 1000-ccm-Variante aufgelegt. 

Die beiden hinteren Zylinder hatten thermische Probleme, da sie naturgemäß ungünstig im Luftstrom lagen. 1949 wurden daher die Zylinder und -köpfe einer Revision unterzogen. Ein Leichtmetallmotor trieb jetzt die Square Four an, der neben der besseren Wärmeableitung auch ein geringeres Gewicht mit sich brachte. 


Insgesamt knapp 15.600 Stück produziert

Eine Ironie der Geschichte ist das Ende der Square Four. Der britische Mitbewerber BSA hatte inzwischen Ariel gekauft. Und der Konzernchef bei BSA hieß ab 1956 Edward Turner. Als eine seiner ersten Amtshandlungen ordnete er aus Kostengründen den Produktionsauslauf seines ehemaligen Babys an. Immerhin: Bis 1958 waren insgesamt etwa 15.600 Motorräder mit der exotischen Zylinderanordnung gebaut worden. 


Text: Gregor Mausolf


Hinweis


War dieser Artikel für Sie hilfreich?
50 von 50 Nutzern fanden diesen Artikel hilfreich

Dieser Beitrag wurde im 14tägig erscheinenden ADAC Oldtimer-Newsletter veröffentlicht. Den elektronischen Newsletter können Sie unter www.adac.de/newsletter kostenlos abonnieren.
Gerne erhalten wir Ihr Feedback zu unseren Beiträgen - senden Sie uns hierzu bitte eine E-Mail an klassik@adac.de 

Vielen Dank, Ihre ADAC Oldtimer-Newsletter Redaktion!


Weitere interessante Themen für Sie

Oldtimerclubs

Informieren Sie sich über die Oldtimerclubs im ADAC Mehr

ADAC Oldtimer-Ratgeber NEU!

Aktualisierte Neuauflage 2017/2018 jetzt erschienen - hier geht's zur Online Version  Mehr

– ANZEIGE –

ADAC-AutoVersicherung

Neues Auto? Neue Kfz-Versicherung! Nutzen Sie Ihre Chance und machen Sie gleich den ADAC-AutoVersicherungs-Check. Mehr





Ihr Kontakt zum ADAC: Hilfe, Rat und Schutz für Ihre Mobilität