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Interview

Kleine Motorrad-Kennzeichen

 

Die Debatte um eine angemessene Kennzeichengröße für Oldtimer-Motorräder geht weiter. Der ADAC sprach hierzu im Interview mit Willy Hof, Vorstandsmitglied des Veteranen-Fahrzeug-Verbandes (VFV).


  • Worum geht es?

    Die 2007 in Kraft getretene Zulassungsverordnung ist für die meisten Besitzer historischer Krafträder eine ärgerliche Hürde, die es zu meistern gilt. Motorrad-Kennzeichen werden in einer Standardgröße zugeteilt und einige Zulassungsstellen bestehen darauf, dass auch alte, kleinere Motorräder dieses Kfz-Kennzeichen anbringen.

    Im Rahmen der vor 2007 geltenden Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) war die Beantragung eines kleineren Nummernschildes für Oldtimer-Motorräder klar festgelegt. In der Regel wurde dies von allen Zulassungsstellen ohne Antrag zugeteilt, da alte Maschinen keinen Platz für die Anbringung großer Standardkennzeichen haben.

    Doch seit der Neugestaltung der Fahrzeugzulassungsverordnung (FZV) legen immer mehr Zulassungsstellen den Gesetzestext streng aus und machen keine Ausnahmen. Die Motorradbesitzer fühlen sich schikaniert. Auch Sachverständige der Prüforganisationen sind in vielen Fällen ratlos: selbst deren Gutachten werden von den Zulassungsstellen ignoriert.

    Das Verkehrsministerium verweist auf eine neue Kennzeichenart, die es seit Anfang 2011 gibt. Es handelt sich um das Format 18, 20 oder 22 cm (Breite) mal 20 cm (Höhe). Das alte verhältnismäßig große Teil welches auch augenzwinkernd als „Kuchenblech" bezeichnet wird, ist seit dieser Neuerung zwar passe, aber es ist immer noch wesentlich höher als das für alte Oldies geforderte Kennzeichen von 25,5 cm x 13 cm.

    Der ADAC, traditionell seit seiner Gründung im Jahr 1903 als Motorradclub immer der Motorradfahrerszene verbunden, unterstützt das Anliegen des VFV. Im Parlamentskreis Automobiles Kulturgut (PAK) engagieren sich sowohl Experten der ADAC Oldtimer-Sektion als auch des VFV für die Durchsetzung dieser und weiterer Interessen aus der Oldtimerszene.

    Unterstützendes Engagement haben die Politiker Jens Koeppen (CDU) und Sebastian Körber (FDP) – beide Mitglied des Verkehrsausschusses des Deutschen Bundestages - bei der letzten Sitzung am 4. Juli 2011 im PAK signalisiert und in diesem Zusammenhang zugesagt, einen entsprechenden Antrag zu stellen.


  • Das Interview

    Beim Veteranen-Fahrzeug-Verband (VFV) laufen derweil viele Hilferufe von betroffenen Motorradfahrern auf. Willy Hof, Vorstandsmitglied des VFV, stellt in einem Interview die Problematik dar.

     

    ADAC: Herr Hof, Sie fordern kleine Kennzeichen für historische und klassische Motorräder, älter als Baujahr 1959. Was muss sich ändern?
    Willy Hof: Eigentlich muss sich nichts ändern. Wir brauchen nur eine Wiedereinführung der alten Regelung wie sie fast 50 Jahre lang ohne Probleme praktiziert wurde. Der § 60 der StVZO mit einem Passus, dass Motorräder zugelassen bis 1959 das sogenannte Leichtkraftrad Kennzeichen (130 mm Höhe und 255 mm Breite) erhielten, müsste wieder in Kraft gesetzt werden. Der historische Grund für diese Regelung war, dass sich bei der Einführung der heutigen, großen Kennzeichen bei den alten Motorrädern mit ihren schwachen Lichtmaschinen und kleinen Rückleuchten die neuen großen Schilder nicht ausleuchten ließen. Es gab für die damals noch über 2 Mio. zugelassenen Motorräder keine Möglichkeit, die Lichtanlagen umzurüsten. Dies hat sich für die heute noch existierenden Oldtimer nicht geändert, auch deshalb nicht, weil die Bestimmungen für die behördliche Anerkennung von Oldtimern keine Veränderungen an der historischen Substanz zulassen.

     

    ADAC: Warum ist derzeitige Regelung unzureichend?
    Willy Hof: Die derzeitige Regelung, dass in jedem Falle eine Einzelentscheidung herbeigeführt werden muss, ist außer erheblichem bürokratischem und damit finanziellem Aufwand auch von der Entscheidungsfindung nicht befriedigend. Die endgültige Entscheidung wird von technikfremdem Verwaltungspersonal der Zulassungsbehörden getroffen. Dabei werden in vielen Fällen sogar Hinweise auf die unbedingte Erfordernis der Erteilung eines kleinen Kennzeichens wegen lichttechnischer und anbaubedingter Gründe in Gutachten von TÜV, DEKRA, GTÜ etc. ignoriert.

     

    ADAC: Sie möchten den Entwurf einer neuen Regelung als Vorlage beim Parlamentskreis Automobiles Kulturgut erarbeitet sehen. Wie ist dort der Stand?
    Willy Hof: Wir haben im Parlamentskreis mehrfach unter Präsentation der unterschiedlichen Schildergrößen auf die Problematik hingewiesen. Nun wird dennoch das Einzelabnahmeverfahren aufrecht erhalten. Genau diese Regelung hat uns vor über einem Jahr zu dem Antrag auf Wiederherstellung des Status vor 2007 veranlasst. Wir sind also wieder am Anfang unserer Bemühungen. Die ablehnende Begründung, dass durch eine Sonderregelung für Oldtimer andere Interessensgruppen Forderungen stellen könnten, ist aus unserer Sicht nicht nachvollziehbar. Die historische Grundlage der Regelung für inzwischen als Kulturgut anerkannte alte Fahrzeuge ist ein Alleinstellungsmerkmal.

     

    ADAC: Sie fordern die Chance auf eine Wiedervorlage für eine neue Regelung innerhalb der Fahrzeugzulassungsverordnung. Wie könnte die neue Verordnung Ihrer Meinung nach aussehen?
    Willy Hof: Wir bitten um die Wiedereinsetzung der alten Regelung für Oldtimer vor 1959. Sie ist nicht so abwegig, wie dies aus der Sicht des Bundesministeriums für Verkehr, Bau- und Stadtentwicklung (BMVBS) gesehen wird. Die zweite Gruppe von Zweirädern, Leichtkrafträder, für die 1956 die kleinen Schilder eigentlich aus den gleichen Gründen wie für die Maschinen vor 1959 ereilt wurden, bekommen diese nach wie vor ohne die geringste Diskussion. Es geht also nur um die Wiederaufnahme der Oldtimerfahrzeuge in diese Regelung.


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