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Radios in Oldtimern

 

Vom Soundsystem des Alltagsautos verwöhnt, möchten die meisten von uns auch in ihrem Klassiker nicht auf musikalische Unterhaltung verzichten. Doch was tun, wenn die antike Jukebox plötzlich ihren Dienst quittiert, oder erst gar kein Rundfunkempfänger im Oldie montiert ist? Unser Autor Theo Gerstl weiß Rat.


  • Je älter, desto schwieriger

    In all diesen Fällen wird der Weg über kurz oder lang zu einem der Spezialisten für Oldtimer-Radios führen. Zwar kann man mit aufwändiger (Internet-)Recherche selbst noch herausfinden, welches Radio im eigenen Klassiker einst serienmäßig – meist aber gegen Aufpreis – montiert war, oder welches Modell historisch korrekt als Zubehör nachträglich eingebaut werden konnte. Doch genau so wie der geliebte Oldie sind die antiquierten Rundfunkempfänger mechanische Präzisionsgeräte, die mit den Jahren ihre Funktion ganz oder teilweise eingestellt haben.

    Spätestens jetzt ist der Rat des Spezialisten gefragt. Fein raus sind dabei die Fahrer von Youngtimern, wenn ihr Autoradio aus den Siebzigern oder Achtziger Jahren den Dienst quittiert. Denn erstens ist dessen Technik modern, die Ersatzteilversorgung damit gesichert. Und zweitens gibt es technisch überholte Radios dieser Epoche in Hülle und Fülle – selbst Neugeräte finden sich noch in großer Stückzahl bei den Spezialfirmen.

    Ganz anders sieht die Sache beim Ersatz für ältere Modelle aus. Das Problem beginnt bereits bei reinen Schönheitsreparaturen: Verschlissene Lautstärkeregler und gebrochene Sendertasten sind als Originale kaum mehr aufzutreiben. Doch Spezialfirmen haben die fehlenden Originalteile nachfertigen lassen und verfügen so über Zehntausende von neuen Ersatzteilen für alte Radios. Dagegen ist eine Problemlösung bei Defekten im Innenleben von Oldtimer-Radios meist nicht befriedigend. Dafür gibt es eine Vielzahl von Gründen. Es ist zum einen die Tatsache relevant, dass die ersten UKW-Radios erst 1952 im Auto Einzug gehalten haben, also jener Frequenzbereich, auf dem heute zumindest in Europa die (Radio-)Musik spielt.

    Darüber hinaus beherrschten bis in die erste Hälfte der 60er Jahre die Röhren das technische Innenleben aller Radioempfänger, bis dann die Elektronik auch ins Autoradio Einzug gehalten hat. Es ist zwar durchaus möglich, diese Oldtimer unter den Radios zu reparieren, doch kennen die Spezialisten auch die Nachteile: Die Empfangsqualität ist nach heutigen Maßstäben schlecht, und das Klangbild schmeichelt den HiFi-verwöhnten Ohren in keiner Weise mehr. Also ist es an der Zeit, andere Lösungen zu suchen.


  • Moderne Technik in nostalgischem Look

    Die Devise lautet: Moderne Radio-Technik kommt im alten Design daher. Dafür müssen aber historische Einbaurahmen, Skalen, Konsolen und eben alles, was nach dem Einbau noch vom Autoradio zu sehen ist, erst mal aufwändig nachgefertigt werden. Hinter diesen, an die historischen Vorbilder angelehnten „Verkleidungsteilen“ versteckt sich dann ein moderneres Radio. Dabei gibt es wieder verschiedene Wege zum Ziel. Die einfachere Lösung besteht darin, ein aktuelles High-Tech-Radio mit Fernbedienung hinter einer funktionslosen historischen Blende zu verstecken – die Ansteuerung erfolgt ja über die Fernbedienung. Der Vorteil liegt auf der Hand: Eine einfach zu realisierende Lösung, die auch noch modernste Radiotechnik in den Oldtimer bringt.

    Trotzdem können sich damit viele Oldiebesitzer nicht recht anfreunden. Funktionslose Schalter, Drehknöpfe und Skalen am Armaturenbrett, das ist dann doch ein wenig zu viel des Modernen. Die aufwändigere Lösung sieht nun so aus, dass das Radio über die Bedienteile einer nachgefertigten oder „echt alten“ Blende angesteuert wird. Doch das funktioniert mit den heutigen Radios nicht mehr. Das Problem ist deren Vielzahl an Drucktasten, beim gleichzeitigen Wegfall des zweiten Drehreglers für die Programmwahl.

    Soll also der rechte Drehregler auf der Blende funktionstüchtig sein, muss sich dahinter auch ein Radio mit dem entsprechenden Gegenstück befinden. Und diese Tatsache ist auch der Grund für die Sammelleidenschaft der Oldtimer-Radio-Spezialisten: Bis in die 1980er Jahre hinein waren Autoradios in der Regel so aufgebaut: links der Lautstärkeregler, rechts der Drehknopf für die Senderabstimmung und dazwischen die Druckknöpfe für die vorprogrammierten Sendereinstellungen.

    Und auf diese Basis können nun voll funktionsfähige historische – oder zumindest entsprechend aussehende – Knöpfe, Regler und Blenden montiert werden. Und da die Radios der 80er bereits voll elektronisch arbeiten, ist deren Empfangsleistung bereits sehr gut, ihre Klangqualität genügt auch den heutigen Ansprüchen und über eine bei vielen Modellen vorhandene DIN-Buchse auf der Rückseite lassen sich per Verbindungskabel Walk- und Diskman ebenso anschließen wie MP3-Player – und wenn dann eines Tages der Digital-Rundfunk die analogen Sender ablöst, findet hierüber auch ein Digitalempfänger seine Verbindung mit dem analogen Radio.


  • Der Trend geht zum Zweitradio

    Da diese Lösungen zwar Unterhaltung in den Oldie bringen, aber mit Originalität nicht viel zu tun haben, fahren immer mehr Oldtimer-Liebhaber zweigleisig: Im normalen „Alltagsbetrieb“ genießen sie die Vorzüge des Plagiats, und für Veranstaltungen, bei denen es auf den Originalzustand des Veteranen ankommt, haben sie ein restauriertes und funktionsfähiges historisches Zweitradio in der Hinterhand. In diesem Fall kommt es ja nicht auf die Klangqualität und Empfangsleistung an.

    Dem Thema Radios in historischen Fahrzeugen hat sich gelegentlich auch die Industrie angenommen. So hat Becker mit dem „Mexico“ 2006 eine komplettes „Car Infotainment System“ im Design der 1960er Jahre herausgebracht – inklusive Navigationssystem, Autotelefon, Karten-Lesegerät und Spracheingabe. Doch die Produktion des Mexico ist bereits 2010 wieder eingestellt worden – es ist jedoch noch als Gebrauchtgerät zu finden, teilweise aber zu wahren „Liebhaberpreisen“. Dafür hat Porsche Classic ein modernes Radio-Navigationssystem im Retro-Look aufgelegt, inkusive Touchscreen, zwei SD-Karten-Steckplätze und Bluetooth-Freisprecheinrichtung.


  • Wer kann helfen?

    Wenn das Radio im Oldie seinen Geist aufgibt, gibt es eine Vielzahl von Problemlösungen für jeden Anspruch – ob nun die Restauration des Originalgerätes, die kaum zu erkennende Aufrüstung auf 80er-Jahre-Radios im Oldie-Design, oder gleich die Umrüstung auf ein High-Tech-System im Retro-Look.


    Spezialisten für Oldtimer-Radios*:

    Autoradio Wagner, Elisenstr. 1, 51373 Leverkusen, Tel.: 0214/61421, www.autoradio-wagner.de

    Classic Auto Radio Station, Grandauerstr. 10, 80997 München, Tel.: 089/89712046, www.oldtimerradio.de

    Radios für Oldtimer, Wallster Loog 18, 26607 Aurich, Tel.: 04941/973686, www.classic-car-radio.de

    Rainer Königs, Elberfelder Str. 5, 42781 Haan, Tel.: 02129/566880, www.koenigs-klassik.de

    Youngtimerradio, Schulstr. 1, 24589 Ellerdorf, Tel.: 04392/9116066, www.youngtimerradio.de


    *Auswahl ohne Bewertung oder Anspruch auf Vollständigkeit


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