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Hammerpreise

Hilfreiche App für Auktions-Ergebnisse


Wenn vier Millionen Euro dem Verkäufer nicht genug sind
Längst nicht jedes Auto, das bei einer Auktion angeboten wird, wird auch verkauft. Doch während die Auktionshäuser um das Angebot und die erzielten Preise ein großes Bohai machen, verschwinden die unverkauften Wagen von den Ergebnislisten und sind im Netz nur mit viel Geschick zu finden.

So wie beim hier gezeigten Porsche 917, einem Prototyp des späteren Le Mans Siegers. 3,9 Millionen wurden bei RM Sothebys Anfang Februar geboten, erwartet wohl zwischen 4,6 und 5,2 Mio Euro. Damit war wohl die so genannte “Reserve” nicht erreicht. Da nützte es nichts, dass eine zweite Karosse gleich dabei war. Auch für einen Mercedes Benz 300 SL Flügeltürer waren 1,05 Millionen bei Artcurial nicht genug.


App statt Livestream
Gerade für solche Autos sind solche Informationen aber interessant. Wer nicht live vor Ort sein kann oder stundenlang den Stream im Internet verfolgen kann, kann sich nun bequem auf seinem Mobiltelefon informieren: Die kostenlose App Hammerprice (für I-Phones und Android) zeichnet nicht nur alle Ergebnisse live auf. Man kann sich die Ergebnisse in Euro, Dollar und Pfund Sterling anzeigen lassen, aber auch gerne in Yen oder Hong Kong Dollar. Infos zur App finden Sie auf https://hammerpricelive.com/ 

Die “Hammerpreise” werden ausgewiesen, so dass die Preise der nicht zugeschlagenen Fahrzeuge mit den verkauften vergleichbar sind. Aber auch die Preise inklusive des Aufschlages, den das Auktionshaus vom Käufer verlangt, sind darstellbar. Den vergisst mancher Bieter im Eifer des Gefechts.

“Massenware” Porsche 911
So bleibt nicht verborgen, dass ein 1973iger Porsche 911 Carrera RS 2.7 Touring  lediglich 340.000 Euro gebracht hätte. Immerhin wurde in Paris ein vergleichbares Auto für 480.000 Euro. Ein Blick auf die App belegt, das seit 2015 immerhin rund 15 verschiedene Wagen auf Auktionen angeboten wurden und nur drei nicht verkauft werden konnten. Das ist schon erheblich, wenn man weiß, dass von dem 210 PS starken Wagen insgesamt über 1500 Stück gebaut wurden, die meisten in der preiswerteren Touring Version, die gegenüber dem “Lightweight” über eine Rückbank und sogar einen Schminkspiegel auf der Beifahrerseite verfügten.

Dabei dürften das nicht mal alle RS sein, die verkauft wurden. Denn abseits der Auktionsbühnen werden ja rund 70 Prozent der Autos verkauft. Und in den Jahren 2015 und 16 hat Hammerprice auch fast nur US-Transaktionen im Angebot. Was aber angesichts der Tatsache, dass die Großereignisse in Scottsdale, Ameila Island und Pebble Beach stattfinden, bei denen gleich vier Auktionshäuser hunderte wertvolle Autos unter den Hammer bringen.

Große Preisspannen
Beim RS liegt der höchste erzielte Preis etwa bei Bohnhams 2015 in Monterey bei 783.000 Euro für einen Lightweight und bei RMSotheby´s im gleichen Jahr im Aprli bei 766.171 Euro für einen Touring. Da wirken die 480.000 in Paris bei RMSotheby´s fast schon wie ein Schnäppchen.

So lassen sich Preisentwicklungen mit einem Wisch über das Telefon analysieren. Wer aber die Preise für reproduzierbar hält, kann sich leicht vertun. Denn es kommt schon auf das einzelne Auto, seine Historie und seinen Zustand an. Kein Auto gleicht dem anderen.

Gerade bei den besprochenen Porsche RS ist bei anderen seltenen 911er Derivaten eine lückenlose Dokumentation extrem wichtig. Schließlich kann man mit ein paar Ersatzteilbestellungen bei Porsche Classic etwa aus einem 911 S 2.4 ein millionenschweres “ST”-Modell machen, von dem nur zweistellige Exemplare für den Motorsport produziert wurden. Solange man die dann als Replika bezeichnet, ist das in Ordnung. Verkauft man sie aber als Original ist das Betrug. Und da hat schon mancher Investmentbänker die ein oder andere üble Erfahrung gemacht.

Es ergeben sich auch manche Merkwürdigkeiten nach den Auktionen. Ein Lancia Aurelia B24 Spider konnte bei 800.000 keinen Zuschlag erhalten. Plötzlich fand er sich aber als verkauft für 745.000 Euro in der Artcurial-Ergebnisliste wieder.

Nachträglich verkauft
Auch ein Einzelstück, ein von Karmann aufgeschnittener “Ur-11er der damals noch 901 hieß, verwandelte sich von Rot zu grün. Das Cabrio, das sich wirklich nur in mäßigem Zustand und ohne Verdeck präsentierte, erhielt in der Auktion bei 597.000 Dollar keinen Zuschlag. Hammerprice wies den Preis in roter Farbe aus Später färbte sich der Preis von 580.000 Euro grün ein. Der Wagen war dann doch nach der Auktion verkauft worden. Hammerprice weist immerhin darauf hin, das Angebot sei nachgebessert (amended) worden.

Auch eine schicke App macht den Autokauf nicht leichter. Wie bei der Immobilie sind für den Käufer drei Faktoren entscheidend: Expertise, Expertise und nochmal Expertise. Und ohne Benzin im Blut wird das Ganze sowieso nichts.

Autor: Carl Christian Jancke

Der Autor ist Analyst bei der Historic Automobile Group International

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