DruckenPDF

„Charta von Turin“ ratifiziert


Genau 127 Jahre nach der Patentanmeldung durch Carl Benz beim Kaiserlichen Patentamt in Berlin wurde die Charta am 29. Januar 2013 im Mercedes-Benz Museum präsentiert.

Delegierte der Generalversammlung der Fédération Internationale des Véhicules Anciens hatten das Grundsatzpapier bereits im Oktober 2012 verabschiedet.


  • Verantwortungsvoller Umgang mit historischen Fahrzeugen

    Am 27. Oktober 2012 hat die Generalversammlung der FIVA (Fédération Internationale des Véhicules Anciens) in München mit großer Mehrheit die „Charta von Turin“ ratifiziert.

    In der „Charta von Turin“ fasst die FIVA ihre grundlegenden Leitlinien zu einem verantwortungsvollen Umgang mit historischen Fahrzeugen zusammen. Dabei orientiert sich die „Charta von Turin“ an der „Charta von Venedig“. Mit ihr hat die UNESCO 1964 ihre Positionen zum Schutz von Kulturgütern definiert. Ihr folgten weitere Chartas nach: Die „Charta von Barcelona“ beschreibt seit 2003 den Umgang mit historischen Schiffen, die „Charta von Riga“ seit 2005 den Umgang mit historischen Schienenfahrzeugen.

    Mit der „Charta von Turin“ steigt die FIVA in die Gruppe der großen, weltweit agierenden kulturerhaltenden Organisationen auf.


  • Inhalte der „Charta von Turin“

    Der Text der „Charta von Turin“ gliedert sich in elf Artikel. Einige wichtige Grundsätze lassen sich aus ihnen ableiten:

    Historische Fahrzeuge können nur dann ihre Wirkung als Kulturgut entfalten, wenn sie am öffentlichen Straßenverkehr teilnehmen.

    Konservierung, Reparatur und Restaurierung sind typische, jedoch verschiedene Maßnahmen. Dies zu erkennen ist wichtig für den verantwortungsvollen Umgang mit Kulturgut.

    Ein historisches Fahrzeug soll seine Geschichte erzählen. Änderungen an seinem Zustand können wichtige Zeugnisse sein, die als solche oft erhaltenswert sind. Ein Zurückversetzen eines Fahrzeuges in seinen Auslieferungszustand sollte die Ausnahme bleiben.

    Historische Fahrzeuge sollen ihr Aussehen und ihre technischen Spezifikationen beibehalten.

    Ersatzteile sollten, sofern es möglich, sinnvoll und erlaubt ist, originalen Spezifikationen folgen und sich in das Gesamtbild des Fahrzeugs harmonisch einfügen. Eine Markierung macht sie als Neuteile erkennbar. Wichtige Teile, die ersetzt wurden, sollten beim Fahrzeug bleiben.

    Die Charta beschränkt sich nicht auf historische Fahrzeuge. Sie schließt auch herausragende Objekte der Infrastruktur – zum Beispiel Tankstellen, Parkhäuser oder Rennstrecken – sowie Archive und andere themenbezogene Sammlungen ein.

    Institutionen, die sich mit der Erhaltung historischer Fahrzeuge befassen, sollen als kulturerhaltende Körperschaften anerkannt werden.

    Die „Charta von Turin“ steht damit im Einklang mit dem Regelwerk der FIVA. Sie stellt nicht nur einen Zusammenhang zwischen detaillierten Aussagen, sondern liefert auch einen grundsätzlichen Zugang zu einem verantwortungsvollen Umgang mit historischen Fahrzeugen.


  • Aufgaben der „Charta von Turin“

    Die Leitlinien der „Charta von Turin“ untermauern den Anspruch, historische Fahrzeuge weltweit als Kulturgut zu respektieren und zu schützen.

    Dabei kann und will die „Charta von Turin“ kein Gesetz sein. Sie trifft auch keine Einzelfallentscheidungen, sondern lässt bewusst Raum für Interpretationen. Sie möchte jedoch richtungsweisende Empfehlungen geben, die jedem Einzelnen beim Nachdenken über den Umgang mit historischen Fahrzeugen helfen.

    Um die Anwendung der „Charta von Turin“ in der Praxis zu erleichtern, erstellt die verantwortliche FIVA-Arbeitsgruppe derzeit ein Handbuch, das an vielen Beispielen zeigen wird, wie sich die Gedanken der Charta konkret anwenden lassen. In der Art und Weise der Interpretationen wird sich die Vielfalt unterschiedlicher Haltungen und Positionen spiegeln – ein typischer Vorgang bei der Umsetzung von Chartas. Das Handbuch wird ab Sommer 2013 in verschiedenen Sprachen vorliegen.


  • Zur Historie der „Charta von Turin“

    Der Blick auf historische Fahrzeuge hat sich deutlich gewandelt. Es hat ein Um- und Weiterdenken stattgefunden, verbunden mit einem zunehmend kritischen Blick auf die lange Zeit allgemeingültige Devise „Besser als neu“. Zugleich wuchs die Wertschätzung und der Respekt vor Fahrzeugen, deren unrestaurierter Zustand ein hohes Maß an Authentizität spiegelt. Inzwischen werden auch zurückliegende Restaurierungen als Teil einer individuellen Fahrzeuggeschichte gesehen.

    Parallel zu dieser Entwicklung war auch innerhalb der FIVA das Bedürfnis gewachsen, eine alle Aspekte umfassende Darstellung zum Themenkreis der Erhaltung historischer Fahrzeuge vorzulegen. So gehen die Grundzüge dieser Charta auf das 11. Internationale Forum zur Authentizität und der Erhaltung historischer Fahrzeuge zurück, zu dem der ASI (Automotoclub Storico Italianio) im November 2008 nach Turin eingeladen hatte.

    Vier Jahre währte die öffentliche Anhörung zu den Inhalten der „Charta von Turin“. Experten, Historiker, Kuratoren, Sammler und Enthusiasten aus aller Welt haben engagiert über die Inhalte diskutiert. Ihre zahlreichen Anmerkungen und Hinweise haben einen großen Anteil an der heute gültigen Fassung. Eine eigens eingerichtete, international besetzte Expertengruppe unter der Leitung des Schweizers und Präsidenten der FSVA (Fédération Suisse Des Véhicules Anciens) Thomas Kohler hat diesen Prozess betreut.


  • FIVA (Fédération Internationale des Véhicules Anciens)

    Yesterday's Vehicles on tomorrow's roads

    Die FIVA fördert weltweit die Erhaltung historischer Fahrzeuge als Zeugen unserer Kultur und den verantwortungsvollen Umgang mit ihnen. Damit unterstützt sie Kuratoren, Sammler und Enthusiasten in rund 60 Ländern vor Ort. Die 1966 als Weltdachverband national oder regional tätiger Oldtimerclubs gegründete FIVA hat sich bereits mit ihrer Satzung den Ideen der UNESCO verpflichtet.

    Sitz der FIVA ist Brüssel. Ihr Präsident ist seit 2007 Horst Brüning (Schweden). Die Arbeitsgruppe „Charta von Turin in der Kulturkommission der FIVA leitet Thomas Kohler (Schweiz).


    Deutsche Fassung  PDF 166 kB


Weitere interessante Themen für Sie

Oldtimermuseen

Schöne Oldtimermuseen und Sammlungen hier im Überblick. Mehr

Geschichte & Geschichten

Die Geschichte der Oldtimer und weitere interessante Themen zu historischen Fahrzeugen. Mehr

Ihr Kontakt zum ADAC: Hilfe, Rat und Schutz für Ihre Mobilität