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Lobbyarbeit der FIVA

Gute Neuigkeiten für die Oldtimerbewegung 2018


Schweden übernimmt Vorreiterrolle
Der Oldtimer-Weltverband FIVA (Fédération Internationale des Véhicules Anciens) erntet nun die Früchte seiner Arbeit der letzten zehn Jahre: Eine mögliche künftige Bedrohung für klassische Fahrzeuge in Europa wurde erfolgreich abgewehrt.


Das Schreckgespenst strenger Hauptuntersuchungen, die für ältere Autos, Motorräder und Nutzfahrzeuge unangemessen sind, drohte lange Zeit, das Recht von Oldtimerfans zur freien Nutzung ihrer Fahrzeuge zu beschneiden. Erst bei der EU-Richtlinie von 2014 über die technische Überwachung zeigte sich, dass sich die zehnjährige Lobbyarbeit der FIVA bezahlt gemacht hatte. Schweden schuf damals einen willkommenen Präzedenzfall, indem es bei der Auslegung der Richtlinie die lokalen Bedürfnisse berücksichtigte und eine Altersgrenze für mindestens 50 Jahre alte Fahrzeuge einführte und damit eine Ausnahmeregelung für historische Pkw, Lkw und Busse schaffte.


Peter Edqvist, Erster Vizepräsident der FIVA und Präsident des schwedischen Oldtimerverbands, erklärt die Bedeutung der Maßnahmen Schwedens für das übrige Europa und darüber hinaus:
„Vor etwa zehn Jahren erfuhr die FIVA von den EU-Plänen zur Hauptuntersuchung, was damals negative Auswirkungen für historische Fahrzeuge bedeutete. Die FIVA wollte unbedingt handeln, bevor neue Gesetze verfasst wurden. Wenn ein Gesetz erst verabschiedet ist, ist es zu spät für eine Änderung.


Es folgten Jahre der einschlägigen Lobbyarbeit unter der Führung der FIVA-Gesetzgebungskommission in Zusammenarbeit mit der Interessensgruppe Historische Fahrzeuge des Europäischen Parlaments und ihres Vorsitzenden Bernd Lange, deutsches MdEP. Schlüsselergebnis ist, dass die EU in dieser Richtlinie erstmals historische Fahrzeuge als Fahrzeuge einer eigenen Klasse definiert und damit anerkennt, dass sie anders zu behandeln sind. Ich freue mich, dass die Begriffsbestimmung der Richtlinie jener der FIVA sehr ähnlich ist, wie die folgende Passage aus dem EU-Gesetz zeigt: ‚Fahrzeuge von historischem Interesse sollen das Erbe der Epoche, in der sie gebaut wurden, erhalten.‘“


Die neuen Regelungen wurden nicht als Verordnung, sondern als Richtlinie verabschiedet und können daher von den EU-Mitgliedsstaaten lokal angepasst werden. So war es möglich, den Überwachungszeitraum für historische Fahrzeuge im Vergleich zu modernen Fahrzeugen zu verlängern oder Fahrzeuge ab einem bestimmten Alter ganz von regelmäßigen Untersuchungen zu befreien. Schweden war hier Vorreiter. FIVA-Mitglieder in anderen Mitgliedern folgten nach mit ähnlichen Ergebnissen.


Die britische Regierung beispielsweise hat nun nach intensiver Debatte zwischen dem Verkehrsministerium (UK Department for Transport) und dem britischen Oldtimerverband, einem FIVA-Mitglied, ihre Definition eines Fahrzeugs von historischem Interesse veröffentlicht. Nach der offenen und konstruktiven Debatte sind die meisten Fahrzeuge, die vor über 40 Jahren hergestellt oder zum ersten Mal zugelassen wurden, ab dem 20.05.2018 von der Hauptuntersuchung in Großbritannien befreit, sofern sie nicht wesentlich verändert wurden.


„Selbstverständlich bedeutet ein von einem defekten historischen Fahrzeug verursachter Unfall – was sehr unwahrscheinlich ist – nicht nur eine persönliche Tragödie, sondern erzeugt Unmut gegenüber der gesamten Oldtimerbewegung“, so Peter Edqvist weiter. „Daher wurden sehr viele Statistiken ausgewertet, u.a. zur Fahrleistung von historischen Fahrzeugen und zu den von defekten Fahrzeugen verursachten Unfällen, deren Zahl für historische Fahrzeuge nahezu bei null liegt. Zusammen mit der neuen Richtlinie, die ein Mindestmaß für die technische Überwachung festlegt, gilt das Risiko als sehr gering.“


FIVA-Präsident Patrick Rollet meint: „Die neue EU-Richtlinie über die regelmäßige technische Überwachung gilt ab Mai 2018 in allen EU-Mitgliedsstaaten und enthält Mindestvorschriften, die alle EU-Staaten in nationale Gesetzgebung umsetzen müssen. Die nationalen Gesetze, die nun in Schweden – und anschließend auch in Großbritannien – veröffentlicht wurden, sind wirklich gute Neuigkeiten für die Oldtimerbewegung.


Ich möchte Halter persönlich dazu ermuntern, ihre Fahrzeuge in angemessenem Ausmaß freiwillig untersuchen zu lassen, um die Wahrscheinlichkeit von Unfällen mit Beteiligung von historischen Fahrzeugen weiter zu senken. Selbstverständlich stellt eine regelmäßige fachmännische Untersuchung das Sicherheitsbewusstsein eines Halters unter Beweis. Doch die Befreiung von der regulären technischen Überwachung für mindestens 50 Jahre alte Fahrzeuge in Schweden schafft einen willkommenen Präzedenzfall und bestärkt andere Länder in Europa und darüber hinaus in ihrer Freude an klassischen Fahrzeugen.


Die Meldung zeigt weiterhin, wie wichtig gute Beziehungen zwischen der Oldtimerbewegung einerseits und den Behörden und Politikern andererseits in den einzelnen Ländern sind und diese dazu beitragen können, dass im Gesetzgebungsprozess besondere Umstände berücksichtigt werden und es keine unangenehmen Überraschungen gibt, wenn bereits alles zu spät ist! Der schwedische Oldtimerverband ist zu beglückwünschen für seine harte Arbeit bei den Gesprächen mit Verkehrsbehörden, Regierung, Parlamentsabgeordneten, Testorganisationen, Versicherungen usw. Ferner gehen unsere Glückwünsche an die Oldtimerverbände in anderen Ländern, die ähnlich hart für die Verabschiedung angemessener nationaler Gesetze gearbeitet haben.“


Tiddo Bresters, Vorsitzender der FIVA-Gesetzgebungskommission, ergänzt: „Unser Recht auf Nutzung unserer historischen Fahrzeuge ist nicht einfach so geschützt. Viele Menschen müssen – viele Jahre – hart arbeiten, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen.“


Abschließend sagt Peter Edqvist: „Die Ergebnisse in Schweden wären ohne die Bemühungen der FIVA-Gesetzgebungskommission sicher unmöglich gewesen – und alleine hätten wir es nicht geschafft.“


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