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Europabrücke und Brenner-Autobahn

Eine Stunde näher an Italien


300 Brücken und 13 Tunnel auf 314 Kilometern zwischen Modena und der auf 1.375 Meter gelegenen Passhöhe. So lauten die technischen Daten der italienischen Autostrada 22, dem südlichen Teilstück der Brenner-Autobahn, die drei Tage vor Weihnachten 1968 offiziell eröffnet wurde.


  • Eng wurde es zwischen Brenner und Sterzing

    Was da am 21. Dezember vor 45 Jahren einer staunenden Öffentlichkeit präsentiert wurde, galt seinerzeit als wahres Meisterwerk der Straßenbaukunst: Stahlarmierte, in der Größe genormte Fertigteile waren in den Monaten zuvor nachts an die jeweiligen Montagestellen der Autobahntrasse transportiert worden. Dort gossen die Arbeiter sie in mobilen Betonfabriken und fügten sie zusammen. Der technisch komplizierteste Abschnitt war jener zwischen der Mautstelle in Sterzing und dem damaligen Grenzort Brennero: In der engen Schlucht musste die vierspurige Autobahn mit der Eisenbahntrasse, der Staatstraße 12 und dem Fluß Eisack arrangiert werden. Dennoch konnte die Autostrada so verlegt werden, dass die Steigung zwischen Bozen und Sterzing unter einem Prozent blieb. Lediglich beim Teilstück zum Brenner war letztlich ein Anstieg von 3,8 Prozent unumgänglich.

    Von Norden hatten sich seit Ende der 1950er Jahre die Österreicher mit der 35 Kilometer langen A13 an den Brennerpass herangearbeitet: Der Startschuss erfolgte beim Knoten Innsbruck, wo die Inntal Autobahn A12 einmündet. Als Herzstück gilt die 820 Meter lange und 190 Meter hohe Europabrücke, deren Spatenstich am 25. April 1959 erfolgte und deren Bau innerhalb von drei Jahren gelang. Sie wurde auf fünf Stahlbeton-Pfeiler gesetzt, deren mittlerer 146,5 Meter misst. Zum Zeitpunkt ihrer Fertigstellung am 30. Mai 1963 war sie die höchste Brücke Europas. Für den Verkehr freigegeben wurde sie schließlich am 17. November des gleichen Jahres – sie feiert damit heuer ihren 50. Geburtstag.

    Dabei hatte man die Balkenkonstruktion in den erstmals 1957 angedachten Planungen der Alpen-Autobahn über den Brennerpass noch gar nicht erwogen. Deren Verlauf sah für den österreichischen Part eine 34,5 km lange Strecke zwischen Innsbruck und dem Brenner mit einem Höhenunterschied von 772 Meter vor, wobei die maximale Steigung aber nicht über sechs Prozent liegen durfte. Das Projekt der Europabrücke wurde letztlich aufgrund einer Bürgerinitative der Gemeinde Schöneberg einbezogen, welche die Autobahn als Belebung des Tourismusgeschäftes sah.

    Im Nadelöhr der beiden Staatsgrenzen von Nordtirol/Österreich und Südtirol/Italien waren Staus, vor allem durch den Schwerlastverkehr, programmiert. Das sollte durch eine vorgezogene Abfertigung der Lastwagen in Sterzing – mit 24 Fahrspuren auf der österreichischen Seite – umgangen werden. Für den Personenwagenverkehr, vor allem die deutschen Sommer-Urlauber und Wintersportler der ausgehenden 1960er Jahre, verkürzte sich mit der offiziellen Eröffnung der Brenner-Autobahn die Reisezeit nach Italien je nach Entfernung und Ziel um bis zu eine Stunde.

    Die Brenner-Autobahn ist Teil der Europastraße 45 und gilt als eine der ersten Gebirgsautobahnen der Welt. Traurige Berühmtheit erlangte sie am 5. April 1975, als eine Lawine auf der Südtiroler Seite niederging und sechs Menschen in ihren Autos unter sich begrub. Die Trasse war für zwei Wochen gesperrt, anschließend installierte man Lawinenschutzbauten an den Hängen entlang der Fahrbahn.


    Text: Egbert Schwartz

    Fotos: DLR, ASFINAG


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