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ADAC Motorwelt 01/1952

Kompressorbetrieb bei Serienwagen


Der Wunsch der Mehrleistung besteht eigentlich bei jedem Fahrzeugbesitzer, wenn erst die Anfangsfreude über die guten (oder sogar hervorragenden) Eigenschaften eines Fahrzeuges vorüber ist. Warum sollte es auch anders sein, da doch der Mensch in unserem Zeitalter nie zufrieden ist, sondern ununterbrochen ein „Mehr“ sich erträumt, — gleichgültig, ob es sich um Einkommensfragen, um sonstige Mehrung des Vermögens, um sportliche Rekordleistungen oder sonst irgendetwas handelt.

Vielleicht wäre es auf der Welt auch gar nicht schön, wenn der Mensch nicht ständig nach etwas Höherem, etwas Besserem und Vollkommenerem streben würde. Der Wunsch, aus einem Motor eine Mehrleistung herauszuholen, die sich in höherer Endgeschwindigkeit oder besserem Beschleunigungsvermögen ausdrücken soll, ist bei Fahrern, die sich häufig an sportlichen Wettbewerben beteiligen, eigentlich selbstverständlich. Der Sportsmann am Steuer verkennt aber auch nicht die Schattenseiten einer Züchtung auf höhere Leistung, er nimmt sie vielmehr willig in Kauf, denn für ihn ist letzten Endes nur der Erfolg im Wettbewerb ausschlaggebend.

Daß Sportfahrer durch sorgfältiges Training und sogar durch besondere Maßnahmen, wie den nachträglichen Einbau eines Kompressors, die Leistung des Motors ihres Wagens zu steigern versuchen, dabei willig auch alle mit solchen Maßnahmen verbundenen Nachteile in Kauf nehmen, ist durchaus in der Ordnung.

Wesentlich anders liegen die Dinge, wenn ein Fahrer, dessen sportliche Ambitionen sich ausschließlich im täglichen Verkehr auswirken, ähnliche Wege beschreitet. Ein solcher Fahrzeugeigner wünscht sich wohl höhere Leistung, er möchte aber fraglos nicht auch die Nachteile, die eine Hochzüchtung unbedingt nach sich zieht, in Kauf nehmen, — das heißt, er würde auf die Hochzüchtung verzichten, wenn er die Nachteile kennen würde!

Bedauerlicherweise wird in Fachabhandlungen immer wieder einer Leistungssteigerung durch besondere Maßnahmen, vor allem durch nachträglichen Einbau eines Kompressors, das Wort gesprochen, die Angelegenheit aber so dargestellt, als ob überhaupt keine Nachteile durch eine Druckaufladung sich ergeben würden.

Der Franzose hat ein sehr nettes Sprichwort: „Rien pour rien!“ Auf gut deutsch übersetzt: Man erhält nichts umsonst. Dieser Spruch hat nun gerade im Hinblick auf Hochzüchtung einer Maschine ihre volle Bedeutung! Keine Maschine, kein Motor gibt eine Mehrleistung umsonst her, die Aktivseite der Leistungsbilanz muss auf der Passivseite ihren vollen Ausgleich finden. Worin besteht eigentlich der Kompressorbetrieb, technischer gesprochen die Druckaufladung?

Ein (in der Regel vom Motor selbst angetriebener) Lader presst unter einem bestimmten Druck das brennbare Gemisch während des Saughubes in den Motorzylinder. Während also im normalen (kompressorlosen) Betrieb der Motor sich das Gemisch selbst ansaugt, wird beim Kompressorbetrieb das Gemisch zwangsläufig zugeführt. Es bedarf keiner besonderen Unterstreichung, dass im Falle der Aufladung mehr Gemisch in die Zylinderräume gelangt oder, wie der Techniker sagt, der Füllungsgrad verbessert wird. Aus dieser Verbesserung des Füllungsgrades resultiert aber die höhere Leistung. Bei gleichem Liefergrad des Kompressors wird dabei die Füllung vor allem im oberen Drehzahlenbereich verhältnismäßig am stärksten verbessert, da bei dem kurzen bei hohen Drehzahlen für die Ansaugperiode verfügbaren Zeitraum der Füllungsgrad bei Selbstansaugung des Gemisches naturgemäß schlechter wird, d.h., besonders unter Berücksichtigung des Trägheitsverhaltens der Gassäulen in den Ansaugleitungen, verhältnismäßig weniger Gemisch in die Zylinder gelangt.

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