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ADAC Motorwelt 11/1951

Eine Gewissensfrage

 

Der Ehemann klagt: „Küsse hin - Küsse her - an Küssen geht keine Ehe zuschanden, aber an der Unordnung und Vergeßlichkeit, die einen Mann bis zum Wahnsinn treiben.“


Sie kennen unser Leben. Wir sind immer unterwegs. Unser Beruf will das nun einmal. Und nun steht der Wagen vor der Tür und da sage ich zu der „Meinigen“: „Halt, bevor ich das Gepäck einräume, wieviel Stück sind es?“ Und da fängt „Meine“ bereits an, unruhig von einem Bein auf das andere zu wippen und sagt nur: „Aber Schnumpelchen, Du weißt doch - wie immer!“


„Wie immer?“ Da fängt das Theater an! Wenn ich Gepäck sehe, werde ich wie ein Stier, dem man ein rotes Tuch vor die Augen hält. Ich kann es nicht! Ich möchte mir bei jedem neuen Gepäckstück vor Verzweifelung am liebsten den Bauch aufschneiden, und es würde mir weniger wehe tun, als das nächste „Sacktäschchen“ oder „Picknickköfferchen“ das „u n b e d i n g t“ mit muß. Wir hatten uns geeinigt: Jeder seinen Kleiderkoffer, jeder ein Necessaire - eine Mantelrolle, eine Tippmaschine, eine Aktenmappe, und ein Picknicktäschchen (keinen Picknickschrankkoffer natürlich).


Was halten Sie von einem Hutkarton? Ich frage Sie besorgt - was halten Sie von solch einem Ding: Muß das sein? Ist ein Turban oder lose fließendes Haar bei einer Frau nicht viel verführerischer als: „garnierte Hundekörbchen mit Geflügelaufbau“, die man neuerdings auf die Stirne kippt, und „Pariser Mode“ tituliert? Und wegen dieser „Fasanerie“ oder „Blumenkohllandschaft“, muß ich einen viereckigen - metergroßen, ledernen Hutkoffer mitnehmen! Aber auch mit diesem habe ich mich abgefunden. Restlos.


  • Tüten sind mein Tod

    Wenn man endlich soweit ist, kommt die Meine mit heuchlerischer Miene und sagt: „Ach Schnumpelchen, Du hast recht, ich brauche keinen Hutkarton mehr, ich bin keine „mondäne Ziege“, ich trage eine Mütze und eine Haube und nehme nur eine Tüte, mit einem Hut - für den Notfall.“


    Tüten sind mein Tod - und gar im Auto! Ich kämpfe gegen die Tüte - vergebens. Man sieht sie nicht hereinkommen - aber nach 50 km rauscht und knittert es und dann fliegt sie einem durch den Luftzug an den Kopf. Wenn man Glück hat - zum Fenster heraus.

     
    Bei jedem neuen Verpacken bekomme ich einen Dolchstich. Ich sehe einen Karton. Was ist darin? „Ein Liebespäckchen für Tante Anna von Onkel Friedrich. Die alte Dame wartet doch darauf!“ Ich sehe den kleinen Sarg mißtrauisch an. Inzwischen hat die „Meinige“ noch unseren Hund „Cognac“ in den Wagen geschmuggelt. „Das Mädchen hat Urlaub. Der Hund kann unmöglich allein bleiben.“ Mir wird schwarz vor den Augen ... .


    Nach den ersten 100 km geht es los! Der Sarg hat sich geöffnet: Äpfel rollen um meine Füße, Marmelade ergießt sich auf meinen Nacken. Eau de Cologne läuft in meinen Hals. Heimlich versteckte Päckchen fallen über mich her. Ich trete in Sirup statt auf die Pedale, Bücher bohren sich in meinen Rücken und frivol gewordener Weichkäse setzt sich in stinkende Fahrt ... .
    Eier liegen am Gashebel. Ich bin in keinem Auto mehr. Ich befinde mich in einem Warenhaus!!! Ich kann nicht mehr. Ich kann kein Auto und kein Gepäck mehr sehen. Ich zittere, wenn ich das Wort „Gepäck“ höre. Ich will mich scheiden lassen, weil ich meine Frau nicht umbringen möchte. Helfen Sie mir - antworten Sie einstimmig - „Habe ich das nötig oder nicht?“

     

     

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    ADAC Motorwelt 11/1951


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