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ADAC Motorwelt 04/1951

Ein interessanter Besuch

 

Zweimal den Erdball zu umkreisen und dabei Dutzende von Ländern zu durchmessen, ist heutzutage, wenn man an den Luftweg und den letzten Schrei unserer Technik, die mächtigen Stratosphärenkreuzer denkt, nichts Besonderes mehr.


  • Durchfahrtskontrolle beim ADAC

    Aber als Alleinfahrer mit einem kaum von den Normen abweichenden, samt allem Gepäck zirka 1.000 kg schweren Personenwagen auf eine durch 38 Staaten führende 70.000 km-Tour zu gehen, stellt zweifellos auch in unseren, an Steigerung und Übersteigerung gewöhnten Tagen eine beachtenswerte Aufgabe dar.

    Kein Wunder daher, dass der mit den 38 Ländernamen seines Reiseprogramms beschriftete „Fiat", als er kürzlich vor der ADAC-Hauptverwaltung stoppte, allgemeines Aufsehen erregte, obgleich schon sein Äußerstes bekundete, dass er erst am Anfang seiner irdischen Laufbahn steht. Diesem Wagen entstieg der sizilianische Weltenbummler, Dottore Franco Nacci, - sprich Natschi, nicht Natzi - von Beruf Journalist und Schriftsteller, Mitglied des Automobil-Club di Palermo, um sich in den wohlvorbereiteten ellenlangen Kontrolllisten seine Anwesenheit in „Monaco di Baviera" bescheinigen zu lassen.

    Dr. Nacci überreichte unserem Präsidenten mit seinem Einführungsschreiben eines der reizendsten Angebinde sizilianischer Heimkunst, die Miniaturausführung einer landesüblichen farbenprächtigen Karosse, darum ganz stilecht, weil sie in natura nur mit 0,5 PS, nämlich einem - Esel betrieben zu werden pflegt.

    Unterzeichner des Begleitbriefes war kein anderer als Marchese Florio, Präsident des A.C.P. und Träger jenes Namens, der durch die berühmte „Targa“ und „Coppa Florio“ der zwanziger Jahre einen Ehrenplatz in den Annalen des bewegten Motorsports einnimmt. In seiner klangvollen Muttersprache, zwischendurch auch in Französisch, konversierte der temperamentvolle Sizilianer über seinen Weltreiseplan. Zunächst fährt Dr. Nacci nach Wien, von dort nach Belgrad und weiter durch Bulgarien nach Istanbul. Die Durchquerung der Türkei erfolgt über Ankara - Iskenderun (Alexandrette). Dann durch Syrien/Libanon nach Damaskus zum ersten Wüstenstart durch die hier etwa 800 km breite syrische Wüste nach Bagdad. In einem weiten Nordostbogen wird Persien über Kermanschah-Teheran-Meschned durchquert. 


  • Amerika von West nach Ost? Das wäre zu leicht

    Nun folgt auf höchst zweifelhaften „Straßen“ die Fahrt durch Afghanistan via Kabul und über den einst so berüchtigten Khaiberpaß nach Pakistan. An die Durchquerung Indiens schließt ich die erste größere Seefahrt nach Australien, das dem Fahrer von der schattenlosen Nullarborwüste im Südwesten bis zu den hervorragenden High Roads des wasserreicheren Ostens ein ganzes Bukett von Leiden und Freuden bietet. Die zweite Verschiffung plant Dr. Nacci von Sidney oder Brisbane aus nach Singapore, der Zwischenetappe für den Besuch Indonesiens und der Philippinen.

    China und Korea zeitgemäß links lassend, setzt sich nach weiterer Seefahrt der Weg durch Japan fort. Dann geht es auf langer nur von kurzer Zwischenlandung auf Hawai unterbrochener Seereise zum „Goldenen Tor“ nach San Francisco, wo die Neue Welt beginnt.

    Der Sizilianer hat sich die Aufgabe nicht zu leicht gemacht. Er rollt nicht einfach quer durch die USA gen Ost, Dr. Nacci konsumiert den Doppelkontinent seiner Länge nach über Florida - Mexiko und die Amazonas - und La Platastaaten. In Montevideo oder Buenos Aires soll es sich entscheiden, was von dem gesetzten 70.000 km-Pensum dann noch für Afrika und Westeuropa erübrigt werden kann.

    Nur ein gewachsener Optimist wird sich entschließen, eine derart ausgedehnte Tour um unseren Globus als Alleinfahrer zu bewältigen — Dr. Nacci ist, daran ließ die kurze Plauderstunde im ADAC keinen Zweifel, Optimist von Geburt.

     
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    ADAC Motorwelt 04/1951


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