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Die Elfer-Legende

 

Ein halbes Jahrhundert ist es nun her, dass der legendärste deutsche Sportwagen zum ersten Mal in die Showrooms rollte. Mit inzwischen mehr als 820.000 gebauten Einheiten ist der Porsche 911 inzwischen der erfolgreichste Sportwagen der Welt – und nichts deutet darauf hin, dass seine Faszination in absehbarer Zukunft nachlassen wird.

 

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  • Fehlstart bei der Namensgebung

    1963 stellt Porsche den 911 als Nachfolger des 356 auf der IAA in Frankfurt zum ersten Mal der Öffentlichkeit vor. Oder, um korrekt zu sein, den 901. Bei diesem Namen bleibt es jedoch nicht lange: 1964 erhebt Peugeot Einspruch und pocht auf sein verbrieftes Recht, dreistellige Automobil-Kennziffern mit einer Null in der Mitte exklusiv zu verwenden. Porsche lenkt ein, zum Anlauf der Serienproduktion erhält der neue Sportwagen die Bezeichnung „911“. Dass man mit dieser einfachen Maßnahme eine Kultbezeichnung kreiert hat, kann zu diesem Zeitpunkt noch keiner in Stuttgart-Zuffenhausen ahnen – doch es ist der Beginn einer wunderbaren Automobil-Karriere.

    Die Entwicklung dieser Erfolgsformel kostet allerdings viel Zeit und Geld: 15 Millionen Mark muss Porsche bis zur Serienreife investieren. Viel Geld für einen Sportwagenhersteller, der gerade mal Tausend Mitarbeiter beschäftigt. Hätte das neue Modell gefloppt, wären die Auswirkungen katastrophal für Porsche gewesen.


  • Butzis Entwurf

    Die ersten Gedanken an einen potenziellen 356-Nachtfolger keimten bereits Mitte der fünfziger Jahre. Viele Kunden mäkeln am noch jungen 356-Modell herum: Es biete zu wenig Platz im Fond und für das Gepäck. Ein bisschen mehr Leistung käme Recht, um den schnellen Limousinen à la Mercedes 220 SE oder Jaguar MK II auf der Autobahn Paroli bieten zu können.

    Ein größeres Modell mit Fließheck also ist der Vater des Gedanken. Gezeichnet, gebaut und wieder verworfen: Ein verlängerter 356 soll es definitiv nicht werden. Schließlich nimmt Porsche-Sohn Ferdinand Alexander den Zeichenstift in die Hand: Sein Entwurf Nummer 754 T 9 von 1959 zeigt erste charakteristische Elemente des späteren Neunelfer. 1961 wird „Butzi“, so sein Spitzname, Chef der Modellabteilung, die sich ab Ende jenen Jahres auf die Weiterentwicklung namens 644 T 8 konzentriert – die letzte Vorstufe auf dem Weg zu einer Legende.

    Der neue große Porsche soll nicht nur als geschlossenes 2+2-Sitzer-Coupé auf den Markt kommen. Zwischen Juni und Dezember 1963 entstehen Konstruktionspläne für sechs Derivate: ein Coupé mit abnehmbarem Stahldach, eines mit Stahlschiebedach, eines mit starrem Überrollbügel und abnehmbarem Stahldach (die Urversion des 1966 lancierten Targa), eines mit Falt-Schiebedach sowie zwei Cabriolet-Versionen.

    Zum Marktstart 1964 ist auch der Sechszylinder-Boxer serienreif – ein Zweiliter-Triebwerk mit 130 PS. Die Initialzündung dazu hat Ferry Porsche selber gegeben: „Ich will, dass unser neues Modell so abgeht wie der Carrera 2. Nur leise muss er sein!“ Eine verständliche Forderung, denn das Aggregat des Carrera 2 ist ein reinrassiger Rennmotor, ebenso laut wie leistungsstark. Sechs Zylinder sollen der Laufkultur zugute kommen und zwei obenliegende Nockenwellen hohe Drehzahlen (Nenndrehzahl 6.100 U/min) ermöglichen.

    Gehäuse und auch Zylinderköpfe bestehen aus Leichtmetall. Sein Motorgewicht beträgt einschließlich der Kupplung 184 Kilogramm. Mit 130 PS aus zwei Litern Hubraum setzt der 911er zu seiner Zeit Maßstäbe und würde auch im Vergleich zu den Datenblättern durchaus sportlicher Serienfahrzeuge von heute nicht schlecht dastehen: In rund neun Sekunden sprintet der Ur-911er auf Tempo Hundert und erreicht eine Spitze von 210 km/h.


  • Fremd und ungewohnt

    „Der Elfer erschien den Kunden zunächst noch fremd und ungewohnt“, erinnert sich Ferry Porsche zum 30. Geburtstag des Erfolgsmodells an dessen Premiere. „Ich habe mir darüber keine Sorgen gemacht: Wenn etwas sofort und unerhört gefällt, dann hält das nicht lange vor.“ Der Neunelfer überzeugt vielmehr durch seine Qualitäten: „Er knüpfte in Preis, Leistung und im Design an den 356 Carrera 2 an, hatte aber einen wesentlich funktionelleren Charakter ...“

    Mit Anlauf der Serienproduktion im Herbst 1964 setzt sich der 20.980 Mark teure Elfer dann auch sofort auf die Erfolgsspur. Genau ein Jahr später wird den darbenden Sonnenanbetern unter den 911er-Fans der Targa präsentiert und im Juli 1966 der zunehmende Leistungshunger gestillt: Mit 160 PS markiert der 911S die vorläufige Spitze der neuen Modellpalette und bildet die Basis für eine erfolgreiche Rennsportkarriere des Elfer. Mit weiteren technischen Innovationen wie einer Benzineinspritzung und einem „Sportomatic“ genannten, halbautomatischen Getriebe sowie einer Verlängerung des Radstands beschließt der 911 sein erstes Lebensjahrzehnt als Auftakt zu einer Bilderbuchkarriere: Bereits vom Ur-Elfer werden rund 35.000 Coupés und 11.500 Targa verkauft.


  • Die Exoten

    Nach dem endgültigen Produktionsende des Vorgängermodells 356 im Jahr 1965 bringt Porsche ein preisgünstigeres Einstiegsmodell auf Basis des 911er: Den Porsche 912 mit dem 90-PS starken 1,6-Liter-Vierzylinder des 356 im Heck. Entsprechend fallen die Fahrleistungen des „Spar-911er“ aus: Über 13 Sekunden für den Sprint auf Hundert und eine v-max von ebenso bescheidenen 185 km/h. Für den 912 spricht letztendlich nur sein Preisvorteil von 5.300 Mark gegenüber dem Porsche 911.

    Als Basisfahrzeug für den Motorsport-Einsatz präsentierte Porsche 1972 den Carrera RS auf Basis des 911 mit seinem dominanten Heckspoiler, der ihm den Namen „Entenbürzel“ einbringt. Ursprünglich sind nur 500 Homologationsmodelle geplant, doch aufgrund der hohen Nachfrage werden letztendlich drei Mal so viele Carrera RS an Kunden ausgeliefert. Sein auf 2,7-Liter Hubraum vergrößerter Sechszylinder-Boxer leistet 210 PS und lässt ihn mit Tempo 240 über die Autobahn rennen.


  • Porsches Jubeljahr

    Für Porsche ist der 50. Geburtstag des Elfers das zentrale Thema des Jahres 2013, der entsprechend gefeiert wird. Den Auftakt bildete die Stuttgarter „Retro Classics“ im März. Darüber hinaus schickt der Sportwagenhersteller einen originalen und unrestaurierten 911er aus dem Jahr 1967 auf Weltreise. Als „Botschafter der Marke Porsche“ wird er verschiedene internationale Veranstaltungen, Messen, historische Rallyes und Motorsportveranstaltungen im Jubiläumsjahr begleiten. Das Porsche-Museum würdigt das Jubiläum „50 Jahre Porsche 911“ zudem mit einer großen Sonderausstellung vom 4. Juni bis 29. September 2013.


    Foto: Porsche AG

    Text: Egbert Schwartz


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