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Im Zeichen des Stiers

50 Jahre Lamborghini


Hätte sich Traktoren-Hersteller Ferruccio Lamborghini nicht über seinen Ferrari geärgert und der alte Enzo seine Verbesserungsvorschläge nicht brüsk zurückgewiesen – so könnten wir in diesem Jahr nicht feiern und gleichzeitig gedenken:

Vor 50 Jahren gründete Feruccio Lamborghini seine Sportwagenmanufaktur in Sant' Agata. Und vor 20 Jahren ist er in Perugia gestorben. Geburtstags- und Gedenknotizen unseres Autors Egbert Schwartz.

 

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  • Vom Bauernsohn zum Sportwagenhersteller

    Was haben ein italienischer Edel-Sportwagen und ein edler Tropfen Wein gemeinsam? Ach: Je älter, desto wertvoller, meinen Sie? Stimmt. Vor allem, wenn beide den gleichen Namen tragen. Lamborghini zum Beispiel. Denn nachdem Signore Ferruccio Lamborghini seine 1963 installierte Sportwagenfabrik bereits nach neun Jahren verkaufen muss, widmet er sich intensiv und mit der gleichen Leidenschaft, mit der er Traktoren und Autos entwickelt hat, dem Anbau und der Produktion von Wein.

    Das Talent für Landwirtschaft wird Ferruccio quasi in die Wiege gelegt, seine Begeisterung für Technik weniger: Am 28. April 1916 kommt er als Kind einer einfachen Bauernfamilie im kleinen Dorf Renazzo di Cento, nahe Modena und Bologna, zur Welt. Doch von klein auf zeigt er mehr Interesse an Mechanik und Maschinen als an Ackerbau und Viehzucht. Was ihn letztlich zu einem Studium an der Technischen Universität in Bologna treibt.

    Im Zweiten Weltkrieg wird der junge Ingenieur auf der griechischen Insel Rhodos beim Bodenpersonal der Luftwaffe in der Werkstatt eingesetzt: Er darf Fahrzeuge reparieren. Eine Erfahrung, die ihn direkt nach dem Krieg eine eigene Werkstatt eröffnen lässt, in der er ausrangierte Militär-Vehikel zu traktorähnlichen Gefährten für die Landwirtschaft umbaut.


  • Der erste „Lamborghini“ – Punktlandung in einer Osteria

    Mit seinem mechanischen Talent, gepaart mit der Begeisterung für den Automobilsport, baut Ferruccio 1948 die erste eigene Karosserie auf dem Chassis eines getunten Fiat Topolino: Ein offener Zweisitzer, mit dem er bei der Mille Miglia antritt. Nach 600 Meilen landet die Startnummer 427 allerdings „in einer Osteria, die ich mit dem Auto durch die Wand betrat“, wie der Commendatore später selbstironisch erläutert.

    Vom Hobby zurück zum Geschäft: Ferruccio entwickelt eigene Traktoren samt Motoren, die er ab 1949 in der „Lamborghini Trattrice SpA“ herstellt. Bereits 1954 nagelt das erste Lamborghini-Aggregat mit Direkteinspritzung. In den späten 60er-Jahren zählt das Traktorenwerk von Lamborghini mit einer monatlichen Produktion von 400 Einheiten zu den größten Landmaschinenherstellern Italiens.

    Ein Erfolg, der den rastlosen Geist Ferruccio Lamborghinis weiter treibt: Von einer USA-Reise bringt er die Idee mit, Heiz- und Klimageräte für private Haushalte sowie Fabrikgebäude zu produzieren. Und setzt diese ab 1960 mit der „Lamborghini Bruciatori SpA“ in die Tat um. Erfolgreich, versteht sich. Seine beiden Unternehmen machen ihn schnell zum einem der reichsten Unternehmer des Landes.

    Bei aller Bodenständigkeit entwickelt Lamborghini ein Faible für gepflegte Lebensart: gutes Essen, edle Weine und schnelle Autos. Anfang der Sechziger vor allem für letzteres. Seine Finanzen haben ihm erlaubt, sich einen kleinen Fuhrpark exklusiver Automobile zuzulegen: Jaguar, Mercedes-Benz, Maserati. Und einen Ferrari 250 GT, mit dessen Verarbeitung er jedoch keineswegs zufrieden ist: Ferruccio lässt den Sportwagen von seinen Ingenieuren zerlegen und konstatiert „zu viele Standardteile“. Enzo Ferrari weist seine Kritik zurück – und ihn ab. Was Ferruccio zu der Entscheidung treibt, eigene Sportwagen zu bauen, die „besser sind als ein Ferrari“.


  • Eine Fabrik im „Lande der Motoren“

    Gesagt, getan: Im Mai 1963 legt er in Sant' Agata Bolognese – einer Kleinstadt zwischen Modena und Bologna, mitten im „Terra di Motori“ („Land der Motoren“), dem Territorium von Ferrari, Maserati und Ducati – den Grundstein für seine „Automobili Ferruccio Lamborghini SpA“. Ferruccios Sternzeichen wird zum Markenlogo: Der angreifende Stier, Symbol seines eigenen Charakters. Dem 1964 präsentierten „350 GT“ folgen innerhalb von zwei Jahren der 400 GT und der nach einem spanischen Kampfstierzüchter benannte „Miura“ – das erste Modell mit quer installiertem V12-Mittelmotor. Der zunächst 350 PS starke Sportwagen zählt zu den schnellsten seiner Zeit. Bis 1975 sollen über 675 Exemplare gebaut worden sein. Womit er zum Verkaufserfolg und Gewinnbringer für Lamborghini avanciert.

    Als das letzte Exemplar des Miura die Werkshallen verlässt, hat sich Ferruccio bereits aus seiner Sportwagenfirma zurückgezogen: 1972 verkauft er 51 Prozent der Anteile an den Schweizer Georges-Henri Rosetti, die restlichen 49 Prozent ein Jahr später an dessen Kollegen René Leimer. Und trennt sich auch von seiner Traktorenfabrik. Nur das Heizungsgeschäft und eine Firma, die hydraulische Ventile produziert, bleiben im Familienbesitz. Er übergibt die Geschäfte an seinen Sohn Tonino.

    1971 hatte sich Ferruccio ein 32 Hektar großes Landgut in Panicarola nahe dem Trasimenischen See gekauft. Hierhin zieht sich der Patriarch nun zurück, um sich seiner letzten Leidenschaft, dem Weinbau, zu widmen und sich ein kleines Privatmuseum einzurichten. Er pflanzt die Rebsorten Sangiovese, Gamay, Ciliegiolo, Merlot sowie Cabernet Sauvignon an und komponiert daraus einen exquisiten Rotwein, den er „Colli di Trasimeno“ tauft. Der Volksmund hat bald einen schmackhafteren Namen für den Tropfen: „Sangue di Miura“ (Blut des Miura), in Anlehnung an den legendärsten Sportwagen, der unter Ferruccios Ägide entstand und Liebhabern schneller Autos wie guter Weine gleichermaßen auf der Zunge zergeht.

    Ferruccio Lamborghini stirbt am 20. Februar 1993 an einem Herzanfall. Bei der Bestattung in seiner Heimatstadt Renazzo zieht ein Lamborghini-Traktor den Anhänger mit dem Sarg des „Commendatore“. Ein Ehrentitel für seine Verdienste um die Arbeitnehmer, den auch Enzo Ferrari trug.


    Fotos: Lamborghini


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