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ADAC Motorwelt 10/1983

Das wurde selbst Adenauer zu bunt

 

Halb melancholisch, halb erleichtert gedenkt unser Autor Hartmut Lehbrink der 18 Gebrauchtwagen, die er im Laufe seines Lebens verschlissen hat – einige unter dramatischen Umständen.

 

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  • Gernot, lebst du noch?

    "Der VW näherte sich in strammer Fahrt der Südkehre des Nürburgrings. »Hier ist«, sagte Gernot, »bestimmt schon mancher hinausgeflogen«. »Zum Beispiel wir«, fügte er gleich darauf mit gepreßter Stimme hinzu. Das stimmte leider. Auf eine halbe Drehung in den tiefen Graben, der damals die Piste säumte, erfolgte ein doppelter Überschlag von grimmiger Dynamik.

    Als der Käfer zum ersten Mal auf dem Dach landete, platzten die Türen auf, und wir fielen heraus, einem dementsprechenden Wink der Göttin Fortuna und den Gesetzen der Schwerkraft gehorchend. Für kurze Zeit betäubt, entdeckte ich Märzhimmel über mir, blaßblau und von fahlem Silber durchsponnen. Irgendwo trillerte bereits eine Lerche, aber mein Beifahrer war nicht zu sehen.

    »Gernot, lebst du noch?« fragte ich ängstlich. »Ja, ich glaube«, erscholl es hinter dem Wrack. Wir rappelten uns beide hoch, unversehrt am Leibe, aber nicht an der Seele! Wir schrieben das Jahr 1959, und ich hatte gerade mein erstes Auto zertrümmert, einen zehn Jahre alten gepflegten Standard. Mein Vater hatte ihn mir sechs Wochen vorher zum Abitur geschenkt, und nun war er hin, bei meiner ersten Runde auf dem Nürburgring und in der ersten Kurve. Auf jeden Fall lichtete ich die Angelegenheit mit meiner heil gebliebenen Kamera ab, in der ebenso irren wie irrigen Hoffnung, die Haftpflichtversicherung werde schon für das Malheur aufkommen.

    Gebrauchtwagen, die meisten jedenfalls, gehören zu den diskriminierten Spezies - zu Unrecht. Anstatt einer faden und farblosen Jungfräulichkeit bringen sie einen Vorzug mit, der im Grunde gar nicht zu bezahlen ist, nämlich Charakter, wobei ich darunter, wie beim Menschen, die sorgsam kultivierten und zum System ausgebildeten Untugenden und Laster verstehe.

    Am Ende meines Militärdienstes und meine ersten Studienjahre in Bonn begleitete mich ein mausgrauer VW Standard namens »Hugo« auf fast allen meinen Wegen. Ich übernahm »Hugo« von meinem Vorgänger gleichsam im Urzustand, so wie er 1956 vom Band gelaufen war. Folglich mußte ich ihn allmählich in kleinen Metamorphosen meinen Wünschen und Vorstellungen anpassen, …“ “


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    ADAC Motorwelt 10/1983


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